Aachen: Endspurt und Startschuss in der Aachener Soers

Aachen: Endspurt und Startschuss in der Aachener Soers

Hätten Sie‘s gewusst? „Mornin’ Mister Radio, Mornin’ little Cheerios, Mornin’ sister oriole, Did I tell you everything is fine in my mind?” — „Mornin’”, der Hit des US-amerikanischen Jazz-Sängers Al Jarreau aus dem Jahr 1983 ist so etwas wie die heimlich Hymne des CHIO.

An jedem Turniermorgen erklingt der Song auf dem Gelände in der Soers, schallt in allen Stadien und durch die Zeltstadt. „Jeder Mitarbeiter kennt das Lied”, sagt Ralf Schulte-Drevenack. Und so erklingt der Song auch an diesem Morgen in der Soers — mit einer wichtigen Aufgabe.

chiomja2 08.07.2016 chio vorbereitung Foto: Michael Jaspers

„Mit dem Song testen wir jeden Tag vor Beginn des Turniers die Technik für die Notfalldurchsagen”, erklärt Schulte-Drevenack. Der 46-Jährige sitzt während des Turniers im Richterturm am Hauptstadion und ist für die Beschallung auf dem gesamten Turniergelände verantwortlich. Gerade hat die TÜV-Abnahme stattgefunden — alles läuft ordnungsgemäß. „Im Ernstfall kann über das Notfallsystem jeder Bereich des Geländes einzeln beschallt werden. Wenn es zum Beispiel Probleme in der Albert-Vahle-Halle gibt, können wir dort gezielt Durchsagen machen”, erklärt Schulte-Drevenack.

Sorgen auf dem Turniergelände für den letzten Schliff: Ralf Schulte-Drevenack (o.l.) kümmert sich beim CHIO um die Tontechnik, während Steffen Scholz (o.Mitte) im Hauptstadion für saubere Gräben sorgt. Unter der Leitung von Christian Strotmann (u.r.) erhält der Champions Circle den nötigen Glanz. In der Albert-Vahle-Halle kämpfen die ersten Reiter indes um die Titel in den Volitigierwettkämpfen. Foto: Michael Japsers

In anderen Bereichen des Geländes, etwa im Hauptstadion, würden die Besucher dann nicht informiert. „So vermeiden wir Massenpaniken”, sagt der Profi. Dennoch: Gebraucht wurde das Notfallsystem bisher noch nie. „Das ist mein 20. CHIO und bisher habe ich das System immer nur einmal am Tag benutzt — um morgens ‚Mornin’’ zu spielen.” Der CHIO ist für Schulte-Drevenack auch immer ein persönliches Highlight: „Ich bin selbst Fahrer und freue mich immer, wenn die Kutschen ins Stadion fahren”, sagt er.

Sorgen auf dem Turniergelände für den letzten Schliff: Ralf Schulte-Drevenack (o.l.) kümmert sich beim CHIO um die Tontechnik, während Steffen Scholz (o.Mitte) im Hauptstadion für saubere Gräben sorgt. Unter der Leitung von Christian Strotmann (u.r.) erhält der Champions Circle den nötigen Glanz. In der Albert-Vahle-Halle kämpfen die ersten Reiter indes um die Titel in den Volitigierwettkämpfen. Foto: Michael Japsers

Wo Ralf Schulte-Drevenack in den kommenden Tagen die Kutschen beim Einfahren beobachten kann, wird derweil noch gearbeitet: Verteilt auf die gesamte Rasenfläche im Hauptstadion stehen Männer mit Wasserschläuchen und Schaufeln — die Wassergräben müssen noch gereinigt werden. „Die Gräben sind über das Jahr zwar mit Holzlatten abgedeckt, leiden aber trotzdem ganz schön”, sagt Steffen Scholz, während er Moos aus einem Graben schaufelt. „Wir müssen also noch alles putzen und neu streichen.“ Mit einem Team von vier Leuten organisiert Scholz die Wasserversorgung auf dem Gelände. „Wir machen alles von der Pferdetränke bis zur Toilette”, sagt er.

chiomja13 08.07.2016 chio vorbereitung Foto: Michael Jaspers

Kurz vor dem Turnierstart sei die meiste Arbeit für sein Team bereits erledigt. „Wir arbeiten hier schon in der fünften Woche — die gesamten Wasserleitungen unter den Zelten sind bereits verlegt.” In den Zelten hingegen geht es noch geschäftig zu. Aus dem Champions Circle etwa dröhnt lautes Hammerklopfen, der Teppichboden ist noch mit Folie abgeklebt, es riecht nach Farbe. „Wir haben hier noch einiges zu tun”, sagt Christian Strotmann, technischer Leiter im Champions Circle. „Spachteln, streichen, ausleuchten — wir sind noch im vollen Gang.” Aufgrund der Fußball-Europameisterschaft in Frankreich hatte es für sein Team Verzögerungen gegeben: Einige Zelte wurden später geliefert als geplant. Trotzdem ist Strotmann sicher, dass der Champions Circle noch rechtzeitig zum großen Promi-Aufmarsch fertig wird. „Wir haben da so einen Spruch: Der Aufbau wird im Zweifel von der Veranstaltung unterbrochen”, sagt er und lacht.

ponymja1 08.07.2016 Ponyorakel Claudia Pohen, Saskia Stahl-Farrell Foto: Michael Jaspers

Den Besuchern den Weg weisen

„Hektisch und chaotisch“ laufen indes die letzten Vorbereitungen bei den Verkehrskadetten, wie Michael Günter erklärt. Mit insgesamt gut 50 Ehrenamtlern aus ganz Nordrhein-Westfalen ist sein Team während des Turniers dafür verantwortlich, „den Besuchern den richtigen Weg zu den Parkplätzen zu weisen“ — Diskussionen mit „beratungsresistenten“ Gästen inklusive. „Eigentlich sind die meisten Besucher des CHIO sehr aufgeschlossen und entgegenkommend“, sagt Günter. Lediglich bei „extremen“ Wetterbedingungen werde es hin und wieder kompliziert. „Wenn es extrem heiß ist oder es stark regnet, wollen alle Besucher am liebsten direkt mit ihren Autos auf das Gelände fahren“, sagt er.

Bis zum Soerser Sonntag bleiben für ihn und sein Team noch einige Vorbereitungen zu treffen, um auf diese Situationen bestmöglich vorbereitet zu sein. Am Freitag etwa brachte Günter Warnschilder für Kutschenquerungen an — damit kein Besucher unter die Räder kommt. Ab Sonntag dann wird es für die Verkehrskadetten richtig stressig. „Bei der Reit-EM im vergangenen Jahr haben wir rund 4000 ehrenamtliche Stunden geleistet“, sagt Günter. „Wir sind schon gespannt, wie viele es in diesem Jahr werden.“

Während auch die rund 200 Aussteller in der Zeltstadt noch mit den letzten Aufbauarbeiten beschäftigt sind, dröhnt einem aus der Albert-Vahle-Halle schon von weitem tosender Applaus entgegen: Bereits seit Freitag werden dort die Voltigierwettkämpfe ausgetragen. Der Wegesrand zu der Halle ist von Dutzenden Blumen gesäumt, auch in der Halle geht es bunt zu: Der Voltigierzirkel wird von einem weiß-lilanen Blumenkranz abgegrenzt, der Rest der Fläche im Innenraum wurde mit Rollrasen ausgelegt.

Die Besucherränge in der Halle sind am Mittag zwar nicht restlos gefüllt, dafür jubelt das Publikum aber umso lauter — die Stimmung ist trotz freier Plätze gut.

Besonders laut wird der Applaus als das Team des VV Köln-Dünnwald mit Pferd Danny Boy 25 einläuft — und sich prompt den ersten Platz sichert.

Eine, die besonders laut klatscht, ist die achtjährige Jolie. Mit großen Augen verfolgt sie, wie die Voltigierer auf den Pferden turnen und jubelt nach jeder Performance lautstark. „Ich habe den Besuch hier zum Geburtstag geschenkt bekommen“, sagt Jolie, die mit ihrer Mutter zum CHIO gekommen ist. „Ich liebe Voltigieren!“ Auch ihre Mutter Sonja ist begeistert: „Hier ist eine tolle Stimmung, obwohl die Halle nicht ganz voll ist“, sagt sie. „Ich habe richtige Gänsehaut!“ Das Mutter-Tochter-Gespann ist an diesem Tag nicht alleine: Im Publikum sitzen viele Eltern mit ihren Kindern. Der CHIO ist eben auch immer eines: ein Familienfest.