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Aachen: Elisengalerie: Vom „Ahoi-Stübchen“ zur Einkaufspassage

Aachen : Elisengalerie: Vom „Ahoi-Stübchen“ zur Einkaufspassage

Eine Sommerparty sollte es werden, die Feier zum 20. Geburtstag der Elisengalerie. Und kurz nach 10 Uhr sieht es aus, als sollte es klappen. Die ersten Kunden flanieren entlang der Ladenzeilen, verfolgen die letzten Vorbereitungen zur Party, die am Nachmittag steigen soll. Unter ihnen ist auch Siegfried Müllenmeister, der noch Einzelheiten klärt, schaut, ob alles läuft. „Das wird eine tolle Sache“, ist er sich sicher.

Als die Galerie 1997 eröffnete, knüpfte sie an eine alte Tradition an. Ende des 19. Jahrhunderts stand am Friedrich-Wilhelm-Platz das Hotel Nuellens. Zu den Gästen zahlte unter anderem auch Hans-Christian Andersen. Zum Haus gehörte auch die erste Einkaufspassage der Stadt. Legendär war die Bar „Femina“, im „Ahoi-Stübchen“ traf man sich gerne auf einen Absacker.

Die Nachfolgerin der Nuellens-Passage: 1997 wurden die Elisengalerie eingeweiht, jetzt feierte man Geburtstag — unter anderem mit Sängerin Sarah Schiffer. Foto: Steindl

Lebhaft erinnert sich Müllenmeister auch an das Kino in der Passage. „Der Eintritt kostete 50 Pfennig — und man konnte gucken, so lange man wollte.“

Auch der Garten des Hotels war ein Publikumsmagnet. Der Gartenpavillon, der die Bombenangriffe des Zweiten Weltkriegs überstand und zunächst in einem Depot eingelagert wurde, wurde 1961 in den Burtscheider Kurpark umgesetzt.

Einzelhandel, Gastronomie, Kultur — die Mischung spielte und spielt auch bei der Elisengalerie eine wichtige Rolle. Mehr als eine reine Shopping-Mall wollte man sein. Das Grenzland-theater hat hier seinen festen Standort, im ersten Obergeschoss bietet der „Raum für Kunst“ wechselnde Ausstellungen. Bei der Auswahl der Einzelhändler legte man Wert auf Qualität. Das ist so geblieben. Auch wenn ein Geschäft dadurch länger leer steht als üblich. „Wir achten darauf, dass die Geschäfte zueinander passen“, beschreibt Müllenmeister diese Philosophie.

Die Veränderungen im Kaufverhalten der Kunden hat man dabei auch zur Kenntnis genommen. „Insgesamt ist es im Einzelhandel durch den Online-Handel schon etwas zurückgegangen“, räumt Müllenmeister ein. „Aber man spürt, dass die Leute langsam zurückkehren.“ Zusätzliche Aktionen sollen dafür sorgen, dass die Kunden weiterhin kommen. Zweimal im Jahr präsentieren die ansässigen Geschäfte die Neuheiten für Frühjahr und Herbst. Zum Karneval und zum CHIO wird entsprechend dekoriert, „dabei setzen wir auf die eigenen Kräfte im Haus“, betont Müllenmeister.

Außerdem ist die Elisengalerie eine Station des Aachener Krippenweges, der dort auch offiziell eröffnet wird. Auch die anfänglichen Sorgen innerhalb der Kaufmannschaft, das nahe gelegene Aquis Plaza schöpfe Kunden ab, haben sich gelegt. „Wir sprechen unterschiedliche Klientel an“, sagt Müllenmeister.

Das Partyprogramm zum 20. Geburtstag eröffnete der Zirkus Configurani der Viktoriaschule. Zur Einleitung ging es auf eine Reise durch die Welt der Märchen, später durften kleine und auch große Zuschauer einmal selbst ausprobieren, wie man jongliert. Gute Laune verbreitete im Anschluss die Inde River Jazz Band. Die Eschweiler Musical- und Schlagersängerin Sarah Schiffer gab sich trotz prallvollem Terminkalender die Ehre, Jan Savelsberg, Mitglied der „Öcher Nölde“, bot ein Solo-Programm mit Kabarett und Gesang. Die „Chanell und Devero Show“ setzte mit Travestie und Comedy einen knalligen Schlusspunkt und mischte zu etwas vorgerückter Stunde das Publikum noch einmal auf.

„Sehr zufrieden“ ist Siegfried Müllenmeister mit dem Verlauf des Tages, auch wenn es wettertechnisch etwas „zu heiß“ war. Viel ist er an diesem Tag gelaufen, „wohl 100 mal die 100 Meter lange Passage rauf und runter.“