Aktives Engagement: Einstige Gegner jetzt friedlich vereint

Aktives Engagement : Einstige Gegner jetzt friedlich vereint

Aktiv sein für den Frieden – das hat sich das Aachener Netzwerk für humanitäre Hilfe und interkulturelle Friedensarbeit seit dem Krieg in Bosnien-Herzegowina auf die Fahne geschrieben: Mit humanitärer Hilfe hat es angefangen, mittlerweile sind die Mitglieder auch beim Projekt „bina mira – Bühne des Friedens“ sowie beim Friedenslauf „Flame for Peace“ engagiert. In diesem Jahr treffen beide Projekte in Aachen aufeinander.

Beim Friedentheaterprojekt „bina mira“ kommen vom 21. bis 27. September gut 70 jugendliche Laienschauspieler von acht Ensembles aus sechs Nationen – Bosnien-Herzegowina, Serbien, Kroatien, Rumänien, Belgien und Deutschland – zusammen. „Es ist damit so groß wie nie zuvor“, meinte Projektkoordinator Gerhard Gumprecht.

Zum dritten Mal begegnet sich die Theaterjugend in Aachen, insgesamt geht „bina mira“ bereits in die elfte Runde. Erstmals ist Kroatien vertreten, so dass sich alle drei ehemaligen Feinde im Balkankrieg friedlich in Workshops zu Theater, Tanz, Musik, Kunst, Medien und Kommunikation unter dem Leitthema „Justice“ (Gerechtigkeit) und natürlich bei den Aufführungen der Ensembles kennenlernen. Auf dem Programm des einwöchigen Theatertreffens stehen fünf Theateraufführungen und drei Filmproduktionen, die jede und jeder bei freiem Eintritt erleben kann.

„rohestheater“ der Mies-van-der-Rohe-Schule vertritt den Gastgeber Aachen mit einer Wiederaufnahme von „Wi(e)derstand“. „Friends for Dance“ der Gustav-Heinemann-Gesamtschule aus Alsdorf führt „An die Freundschaft“ auf. Aus Belgien beteiligt sich das Jugendensemble des Agora-Theaters, dem Theater der Deutschsprachigen Gemeinschaft, mit dem neuen Stück „Zitterpappel“. Die Gäste aus Rumänien thematisieren mit dem Tanzstück „Nach dem Pech kommt das Glück“ die Ehe von Minderjährigen in Roma-Familien. Kroatische Jugendliche zeigen das Stück „Danil Harms: Ist der Fall zufällig?“ Filme kommen aus Serbien und Bosnien-Herzegowina.

Die räumliche Nähe zu Aachen ermöglicht zudem einen St.-Vith-Tag, bei dem nicht nur die belgische und die kroatische Produktion gezeigt werden, sondern die Teilnehmer auch St. Vith als kriegsgeschichtlichen Ort erleben. „Beide Kriege sind über diesen Ort hinweggegangen. Gerade deshalb soll hier jetzt der Frieden manifestiert werden“, erklärte Susanne Schrader, leitende Theaterpädagogin des Agora-Theaters und Mitorganisatorin von „bina mira“.

42 Kilometer durchs Dreiländereck

Das streben auch alljährlich die Teilnehmer des Friedenslaufes „Flame for Peace“ an, der in diesem Jahr genau am Weltfriedenstag, dem 21. September, im Kennedypark startet, 42 Kilometer unter dem Motto „Über Grenzen hinweg in Bewegung – Run together for Peace an Developement“ durch das niederländische und belgische Grenzgebiet um den Dreiländerpunkt verläuft und sein Ziel schließlich wieder in Aachen hat.

Gemeinsam mit den Friedensschauspielern geht es dann zum Empfang beim Aachener Oberbürgermeister. Die Läufer können sich für ein bis vier Etappen anmelden oder auch als Team die Marathonstrecke hinter sich bringen. (Anmeldeschluss ist Montag, 16. September, www.flameforpeace.de/friedenslauf-2019.) Egal ob sie zehn oder 42 Kilometer laufen – sie alle demonstrieren mit ihrem Trikot für das 16. Entwicklungsziel der Vereinten Nationen: „Peace, Justice and strong Institutions“ (Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen). „Langstrecke laufen ist wie Friedensarbeit: Man muss zielorientiert sein, Widerstände bewältigen, braucht Ausdauer und einen langen Atem“, fand Peter Hellmann, Projektleiter von „Flame of Peace“, die Aachener Ausrichtung auf die lange Distanz ganz passend.

www.flameforpeace.de

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