Aachen: „Einsteins Kinder“: Positiver Effekt von Geschichten

Aachen: „Einsteins Kinder“: Positiver Effekt von Geschichten

Drei Jahre sind bereits vergangen, seitdem das Projekt „Einsteins Kinder“ eingeführt und umgesetzt wurde. Ein Projekt, das sich mit der Wirkung des „Geschichten Erzählens“ durch eine professionelle Geschichtenerzählerin auf die sozial-emotionalen Kompetenzen der Grundschulkinder und deren Klassenklima bezieht.

An drei inklusiven Grundschulen im sozialen Brennpunkt mit hohem Migrationsanteil in Aachen und Herzogenrath — die KGS Düppelstraße, die KGS Passstraße sowie die Regenbogenschule —, wurde die Idee konkretisiert.

Initiatorin ist Regina Sommer, Erzählerin und Gründerin des Vereins Haus der Märchen und Geschichten in Aachen. „Einsteins Kinder“ soll einen Beitrag zur Inklusion und Integration, zur Förderung von Bildungsbenachteiligten und zur Reduktion von Vorurteilen gegenüber Migranten leisten. Finanziert wurde das Projekt von der Bürgerstiftung der Sparkasse Aachen, der Kulturstiftung Rheinland, der Bürgerstiftung Herzogenrath, einer privaten Förderin und der Universität Köln.

Professor Thomas Hennemann der Uni Köln, Lehrstuhl für Erziehungshilfe und sozial-emotionale Entwicklungsförderung, begleitete das Projekt in der Pilotstudie. Nun werden die wissenschaftlichen Ergebnisse mit Hilfe eines Mittelwertes anhand verschiedener Kategorien ausgewertet.

In den Schulen wurden jeweils eine Experimentiergruppe (EG) und eine Kontrollgruppe (KG) eingeführt. Die EG hatte eine wöchentliche Erzählstunde, die KG zum Vergleich keine. Dabei wurden verstärkt die Risikokinder begleitet. Kinder der EG zeigen eine signifikante Verbesserung des sozialen Verhaltens. Emotionale Probleme und Konflikte mit Gleichaltrigen nehmen ab. Ein möglicher Grund dafür wäre die Identifikation mit den Protagonisten und deren Probleme.

Diese Aspekte haben auch Konsequenzen für das Klassenklima: Reduzierte Verhaltensstörungen, bessere Regulation der Emotionen, zunehmendes sozial kompetentes Handeln, wenn auch nur im ersten Jahr und nicht nachhaltig. Die soziale Integration gelingt und ein Gefühl des Angenommenseins entsteht.

Auch das Selbstkonzept der Schulfähigkeit ist bei der EG deutlich gesunken. Die Kinder können sich selbst besser einschätzen. „Ein Protagonist hat auch seine Schwächen und Probleme. Die Kinder sind somit nicht mehr alleine“, bestätigt Sommer. Stärken und Schwächen werden akzeptiert. Insgesamt also eine positive Evaluation der Ergebnisse, jedoch noch ausbaufähig.

Es ist umstritten, inwiefern die Geschichten eine Integration gewährleisten, gerade bei Flüchtlingskindern ohne deutsche Sprachkenntnisse. Geplant sind weitere Studien, die eine differenzierte Auswertung in größeren Kreisen beinhalten, damit eine nachhaltige Wirkung erzielt werden kann. „Ich sehe da sehr gute Pflänzchen, die wir weiterhin gießen sollten“, fasst Hennemann optimistisch zusammen.

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