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Corona-Krise: „Einschränkungen werden sicher bis Ostern andauern“

Corona-Krise : „Einschränkungen werden sicher bis Ostern andauern“

Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp und Städteregionsrat Tim Grüttemeier haben an die Bürgerinnen und Bürger appelliert, in Zeiten der Corona-Krise Eigenverantwortung zu zeigen. So könnten drastischere Einschränkungen wie Ausgangssperren vermieden werden.

In den vergangenen zehn Jahren hat Marcel Philipp als Aachens Oberbürgermeister schon so einige Krisen meistern müssen. Doch so etwas hat auch er noch nicht erlebt. „Die Dynamik der Lage ist wirklich ungewöhnlich“, sagt er am Donnerstag im Haus Löwenstein in der Aachener Altstadt. Zusammen mit Städteregionsrat Tim Grüttemeier will er die Presse darüber informieren, wie der Erlass zu „kontaktreduzierenden Maßnahmen“ der Landesregierung auf kommunaler Ebene umgesetzt wird.

Dass die Verwaltungen beim Thema „Abstand halten“ mit gutem Beispiel vorangehen wollen, zeigt schon die Bestuhlung des Presseraums. Gerade einmal vier Plätze pro Stuhlreihe haben die Mitarbeiter für die Pressevertreter bereitgestellt, jeweils mit einem Abstand von gut anderthalb Metern. Kein Händeschütteln; der Gruß folgt aus angemessener Entfernung.

Der Appell ist eindringlich. „Jetzt ist die Zeit für Achtsamkeit“, betont Marcel Philipp. Und das nicht nur einmal. Um die Ausbreitungsgeschwindigkeit des Coronavirus zu reduzieren, sei es absolut notwendig, die Einschränkungen des öffentlichen Lebens zu respektieren. Ansammlungen von Gruppen, ob draußen im Park oder zu Hause, seien unbedingt zu vermeiden. Zum Schutz von Älteren und Menschen mit Vorerkrankungen. Das Stichwort lautet Rücksichtnahme.

Dass sich die Bürger wohl noch länger mit geschlossenen Geschäften und Spielplätzen arrangieren müssen, wird bei dieser Pressekonferenz schnell klar. Bis Ostern, so schätzt Philipp, werde sich die Situation mit Blick auf die Einschränkungen des öffentlichen Lebens wohl nicht verbessern. Erst dann könne man einschätzen, was die Maßnahmen bewirkt haben. Hat sich die Ausbreitungsgeschwindigkeit verändert? Wie hat sich die Kapazität in den Krankenhäusern weiterentwickelt? Und vor allem: Wie kann man Stück für Stück wieder ins normale Leben zurückkehren? Letzteres sei vielleicht sogar noch schwieriger sei als die aktuelle „Vollbremsung“, wie Philipp sagt.

Eigenverantwortung wichtig

Dabei sei das aktuelle Verhalten der Menschen maßgeblich dafür, ob die Bewegungsfreiheit der Menschen noch stärker ausgebremst wird. Stichwort Ausgangssperre. „Die Situation, die wir im Moment haben, wird gut funktionieren, wenn sie mit viel Eigenverantwortung auch eingehalten wird“, ist Philipp überzeugt. Anders sehe das aus, wenn sich die Bürger nicht an die Regeln halten, etwa indem sie illegale „Corona-Partys“ im Park feiern. Dann sei „der nächste Schritt“ seiner Meinung nach „unausweichlich“. „Das heißt: Es liegt an uns, ob wir eine Ausgangssperre auch hier sehen werden.“

Und auch Tim Grüttemeier betont, dass er nur ungern Personal, das an anderer Stelle deutlich besser gebraucht werde, dafür einsetzen wolle, um die Einhaltung einer Ausgangssperre zu kontrollieren – wobei entsprechende Vorbereitungen, vor allem personeller Natur, im Hintergrund natürlich längst liefen, wie Oberbürgermeister Philipp ohne Umschweife zugibt.

Kontrolliert wird selbstverständlich auch schon jetzt. Dass die derzeitigen Maßnahmen eingehalten werden, liege im Zuständigkeitsberich von Ordnungsamt und Polizei. Letztere hätten ihre Schwerpunkte bereits entsprechend angepasst. Sprich: weniger Kontrollen des Verkehrs, dafür ein wachsameres Auge auf Zusammenkünfte. Dabei lässt Philipp keinen Zweifel daran, dass ein Missachten der Allgemeinverfügungen bei weitem kein Kavaliersdelikt ist. Würden diese nicht eingehalten, könne dies „strafrechtliche Konsequenzen“ haben.

Dass die außergewöhnlichen Umstände, die vor allem die kommunale Wirtschaft hart treffen, „tiefe Spuren hinterlassen“ werden, daran hat der Oberbürgermeister keinen Zweifel. Ein paar zuversichtliche Worte hat er dennoch: „Diese Krise werden wir gemeinsam bewältigen.“

Eben mit Achtsamkeit und Eigenverantwortung.