Aachen: Einmalige Herausforderung: Neuntklässler starten besonderes Abenteuer

Aachen : Einmalige Herausforderung: Neuntklässler starten besonderes Abenteuer

Wenn die weißen Taschentücher zum Abschied geschwenkt werden, sind in Aachen normalerweise Pferde im Spiel. Aber an diesem Morgen war eben nichts normal. Denn auch wenn behufte PS weit und breit nicht zu sehen waren, traten 113 Neuntklässler der 4. Gesamtschule eine knapp dreiwöchige Reise an, die es in der Form bisher an einer öffentlichen Schule noch nicht gegeben hat.

Der Name des ungewöhnlichen Projekts ist so schlicht wie passend: Herausforderung. 150 Euro pro Jugendlichem, keine Lehrer, 16 Gruppen, die unterschiedliche Ziele ansteuern — von der französischen Atlantikküste über die holländische Insel Texel bis hin zu den Metropolen Dortmund oder Frankfurt. Die Schüler haben sich in monatelangen Vorbereitungen wahre Herausforderungen herausgesucht.

Weiße Taschentücher zum Abschied: Die Neuntklässler der 4. Gesamtschule brechen zur einmaligen „Herausforderung“ auf.

Unterwegs sind sie zu Fuß, per Rad, Skateboard oder sogar mit dem Kanu. Kein First-Class-Transport, keine Pauker, die alles organisieren und die Gruppe zusammenhalten. „Was ihr nun erlebt, ist mehr als nur ein normales Abenteuer“, sagte Leiter Hanno Bennemann am Montag vor der gesamten Schulfamilie. Damit dieses außergewöhnliche Projekt Realität werden konnte, geht Bennemann durchaus ein Risiko ein, dass kaum ein anderer Schulleiter schultern würde.

Denn trotz jahrelanger Gespräche und Vorbereitungen ist die Aktion von der Schulaufsicht nicht offiziell genehmigt worden. Die Beratung durch die Bezirksregierung — auch in juristischen Dingen —, wie solch ein eigenverantwortlicher Trip der Schüler, die „nur“ von ausgebildeten Jugendleitern begleitet werden, sei zwar sehr gut gewesen, wie Bennemann und Herausforderung-Koordinatorin Margret Lensges unisono betonten.

Trotzdem bleibt es dabei: Die Verantwortung dafür, dass alles glatt läuft, trägt in diesem Falle der Schulleiter ganz alleine. Aber davor, so Bennemann, habe er keine Angst. „Ich vertraue den Schülern und allen Beteiligten an diesem Projekt, die alles hervorragend vorbereitet haben.“

Zudem profitieren die Aachener von ihrer Berliner Kooperationsschule, die bereits seit sieben Jahren ihre Schüler auf „Herausforderungstour“ schickt. Die 16 Gruppen Neuntklässler werden von insgesamt 25 Lehramts-Studenten der RWTH sowie des Studiengangs Soziale Arbeit an der Katholischen Hochschule begleitet, die Jugendleiter-Ausbildung (Juleica) absolviert und auch im Vorfeld Erste-Hilfe-Kurse belegt haben. Zudem hat das Lehrerkollegium einen 24-Stunden-Notfallplan erarbeitet, um eingreifen und beraten zu können, wenn eine Gruppe doch einmal an ihre Grenzen stößt.

Wenn das Geld ausgeht...

Regeln gibt es natürlich für die Schüler auch: Neben der selbstverständlichen Teamarbeit gehört dazu auch, dass jede Gruppe jeden Tag um 12 Uhr ein Foto an die verantwortlichen Lehrer schickt.

Und falls einer Herausforderungstruppe das Geld ausgeht? „Das ist kein zwingender Grund, die Aktion abzubrechen und zurückzukommen“, meint Lensges. In dem Fall ist Kreativität gefragt, wie man seine Herausforderung möglicherweise trotzdem meistern kann.

Klar ist: So ein Projekt hat es an einer Schule in Aachen noch nie gegeben und dürfte auch weit über die Grenzen der Region hinaus einmalig sein. An der 4. Gesamtschule ist man gespannt, wie die drei Wochen letztlich ablaufen. In jedem Fall soll die Herausforderung fester Bestandteil der neunten Jahrgangsstufe werden.

Nun sind die Schüler erst einmal in Zweier- bis Siebenergruppen on Tour — in Erinnerung an ihre vielen Kameraden, die sie mit Taschentüchern und einem Song verabschiedeten. So emotional geht das irgendwie nur in Aachen.

Mehr von Aachener Zeitung