Aachen: Einhard-Gymnasium wird umfangreich saniert

Aachen : Einhard-Gymnasium wird umfangreich saniert

„Ich bete“, sagt Ralf Gablik. Der Schulleiter des Einhard-Gymnasiums hat durchaus Grund, die himmlischen Mächte zu bemühen. Denn in den Osterferien wird die Burtscheider Schule mit ihren über 1000 Schülern zur Großbaustelle. Sie bleibt es ab dann zweieinhalb Jahre.

Und so betet Ralf Gablik, dass alles weitgehend zeitlich und handwerklich reibungslos über die Bühne geht. Denn auch ohne Pannen oder Verzögerungen wird das organisatorisch eine brutal anspruchsvolle Zeit für alle Beteiligten. Was wiederum als passendes Wortspiel zu verstehen ist. Schließlich ist das 1973 gebaute Einhard-Gymnasium dem Baustil des „Brutalismus“ zuzuordnen. Das Wort kommt vom französischen „béton brut“, zu Deutsch „roher Beton“.

Nach nur 45 Jahren ist jetzt eine „Hüllsanierung“ dringend notwendig, wie die Schulverwaltung und das Gebäudemanagement in einer Vorlage für den nächsten Schulausschuss darlegen. Wurden Gebäude früher einmal sprichwörtlich für die Ewigkeit gebaut, so endet diese Ewigkeit für viele Gebäude aus den 1970ern nach wenigen Jahrzehnten.

Das ehemalige Finanzamt war so ein Beispiel, das Polizeipräsidium ein anderes. Jetzt trifft es gleich drei große Aachener Schulen — das Inda-Gymnasium, das Schulzentrum Laurensberg (siehe Infobox) und eben das Einhard. Bauteile der Gebäudehülle — Dach, Fenster, Fassaden — seien „abgängig“ oder „stark sanierungsbedürftig“, heißt es in der Vorlage.

Beton zum Glück in Ordnung

Ralf Gablik kann davon ein Lied singen: „Wenn es regnet, hört man das Wasser an den Wänden runterrauschen“, beschreibt er den Zustand des Flachdachs. Und ein Blick durch die alten Fenster ist an vielen Stellen nicht mehr möglich — sie sind vielfach „blind“. Ganz davon abgesehen, dass man sie teils gar nicht mehr öffnen kann. „Dass das angepackt wird, darüber bin ich sehr froh“, so der Schulleiter. Glück im Unglück: Der Gussbeton inklusive Stahlarmierungen, aus dem das Gebäude besteht, ist noch in Ordnung. Sonst wäre ein Abriss denkbar gewesen.

Aber auch so kommt einiges auf die Schule zu. Wegen Lärm und Staub sollen viele Arbeiten nur in den Ferien stattfinden. Für die Bauverwaltung gerne auch in den Wochen vor und nach den Ferien. Da konnte Gablik jedoch nur für die beiden Wochen vor den Sommerferien zustimmen. „In diese Wochen werden wir Aktivitäten legen, die sonst zu anderen Zeitpunkten außerhalb der Schule stattfinden“, so Gablik. Umliegende (Hoch-)Schulen haben sich bereiterklärt, mit Räumen für Projekte auszuhelfen. Die Zeit nach den Osterferien ist komplett tabu, denn da finden die Abi-Klausuren statt — entsprechende Stille ist vorausgesetzt. „Wir werden sechs Bautrupps mit insgesamt 50, 60 Handwerkern im Haus haben“, beschreibt Gablik das Szenario, das bis zu den Herbstferien 2020 dauern soll.

Auch die Verwaltung weiß um die Komplexität und spricht von „ungewöhnlichen Risiken“ und einer nötigen „tagesscharfen, peniblen Abwicklungsplanung“. Denn das Zeitfenster sei schon wegen der nur bis 2020 abrufbaren Fördergelder nicht ausdehnbar. Sollten die Ferien also nicht reichen, muss abseits derer gearbeitet werden. Laut Gablik soll das von freitagsnachmittags bis sonntags geschehen. Während der Unterrichtszeit verbietet sich Maschinenlärm. Schon als neulich eine kleine Probebohrung gemacht wurde, schallte der Lärm — vom Beton übertragen — durchs ganze Haus. Immer mal wieder sind aber auch „Teilevakuierungen“ denkbar.

Etwa in Räume des benachbarten Gebäudes an der Malmedyer Straße — „Haus am See“ genannt. Dort gibt es in vier Klassen jetzt schon Oberstufenkurse. Die übrigen sieben Räume nutzt bislang die VHS, die ab Ende Juni tagsüber weichen muss. Für sie muss die Stadt Alternativen suchen. Nicht mehr nutzen kann die Schule — außer für die Abizeugnis-Ausgabe — die Aula, über der das Dach saniert wird. Veranstaltungen müssen ausgelagert werden. Was auch für die Stadt gilt, die diese Aula bisher für Konzerte, Theater und vieles mehr vermietet.

Am Ende hochmodern

Das alles wird von Gablik auch im laufenden Anmeldeverfahren fürs neue Schuljahr ganz offensiv vertreten. Denn am Ende stehe eine — bis auf die Aula, die später saniert werden soll — voll modernisierte Schule. Etwa mit einer ganz besonderen Hightech-Raumlüftung, neuen Fenstern, sanierten Außentoiletten, „intelligentem“ Sonnenschutz und vielem mehr. Und der Schulleiter betont: „Die Bauarbeiten ändern ja nichts an der hohen Qualität unserer Schule, unserem Know-how, unseren Kompetenzen.“

Die Sanierung kostet nach jetziger Kalkulation rund sechs Millionen Euro, die zum Großteil aus dem Investitionstopf des Bundes für Kommunen bezahlt werden sollen, aus dessen erster Auflage Aachen knapp 15 Millionen Euro erhält. Die anderen Millionen sind bereits für Elektrobusse und eine Kita verplant. Die Einhard-Sanierung ist laut Vorlage aber wie alle anderen Bauprojekte mit einem hohen „Kostenrisiko“ behaftet. Da wird dann die Stadt beten, dass sie nicht drauflegen muss.

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