Aachen: Eine WG, von der viele nur träumen können

Aachen: Eine WG, von der viele nur träumen können

Den Wunsch, irgendwann einmal zusammenzuziehen, hatten Robin Aretz und Claudia Klöcker schon lange. Seit elf Jahren ungefähr, seit dem Tag, an dem sie sich kennen und lieben gelernt haben. „Jetzt endlich hat´s geklappt”, freuen sich die beiden.

Das Paar ist Teil einer äußerst lebendigen, integrativen Wohngemeinschaft in der Lützowstraße. Genau dort leben sie mit acht weiteren Personen, Menschen mit Handicap, unter einem Dach. „Wir haben hier unsere eigene Wohnung und fühlen uns sehr wohl”, sagt Aretz.

„Doch irgendwann wollen wir alleine wohnen.” Erst im April wurde die WG, in der Hilfsbereitschaft zu den wichtigsten Merkmalen gehört, in eine integrative Wohngemeinschaft umgewandelt. „Früher war das Haus ein kleines Wohnheim mit stationärer Behandlung”, erinnert sich Judith Schumacher. Als Sozialpädagogin ist sie seit sieben Jahren für die Betreuung zuständig, beinahe jeden Tag schaut sie nach dem Rechten. „Die Bewohner machen riesige Fortschritte in dieser auf mehr Selbstständigkeit abzielenden Wohnform.”

Marcel Boost sitzt unterdessen in seinem Zimmer vor einer riesigen Alemannia-Collage und denkt freudestrahlend an die zurückliegenden Tage an der Ostsee, an den Urlaub, den die zehn WG-Bewohner zusammen verbracht haben. „Das war super, wir haben dort so viel unternommen.” Nun wartet auf ihn wieder der Arbeitsalltag.

Auch sonst geht in der Lützowstraße alles seinen gewohnten Gang, von Beeinträchtigungen wegen körperlicher oder geistiger Behinderungen keine Spur. Im Gegenteil, Selbstständigkeit wird ganz groß geschrieben. Die Bewohner sind allesamt berufstätig, zahlen Mieten, kommen für ihren Unterhalt inklusive Urlaubsfahrten auf. „Fast wie in einer ganz normalen WG”, wie Monika Winand von der Lebenshilfe, dem Träger des Hauses, stolz anmerkt. „Der Schritt weg von der stationären Behandlung hin zum Betreuten Wohnen hat super geklappt.”

Natürlich würde der eine oder andere den Wunsch hegen, irgendwann einmal ganz alleine zu wohnen, „doch bietet die Gruppe dem Einzelnen einen Rahmen, der Hilfe garantiert”, weiß auch Betreuer Boris Schumacher um die Vorteile des gemeinsamen Wohnens. Dass es unter den zehn temperamentvollen Mietern auch mal Krach gibt, sei „ganz normal”. Doch grundsätzlich, beobachtet Judith Schumacher, sei die Hilfsbereitschaft beeindruckend. „Das können sicher nicht viele WGs von sich behaupten.”

Dem können Robin Aretz und Claudia Klöcker nur zustimmen. Das Leben in der lebendigen Wohngemeinschaft lieben sie, es hat ja auch gerade erst richtig begonnen.

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