Ausstellung in der Stadtbibliothek: Eine Reise zwischen die Zeilen

Ausstellung in der Stadtbibliothek : Eine Reise zwischen die Zeilen

Journalist, Immobilienmakler, Generalpostmeister, Sohn eines Putschisten. Die Liste ließe sich noch weiterführen. Gemeint ist Peter Joseph Franz Dautzenberg, geboren 1769 in Aachen. Er gilt als Begründer der Aachener Stadtbibliothek.

Zu seinem 250. Geburtstag lassen sich nun in der Ausstellung „Franz Dautzenberg und seine Universalbibliothek“ in der Stadtbibliothek an der Couvenstraße ausgewählte Exemplare seiner literarischen Sammlung bestaunen. „Seine private Sammlung von fast 10.000 Werken konnte sich mit damaligen Universitäts-Bibliotheken messen“, erklärt Frank Pohle, Leiter der Route Charlemagne, Kenner der Dautzenbergschen Sammlung und gewissermaßen Dautzenberg-Fan.

„Ich finde es interessant, dass wir es bei Franz Dautzenberg mit einer Person zu tun haben, die es so eigentlich nicht gegeben haben dürfte“, sagt Pohle. Was er meint, ist die geistige Haltung des ehemaligen Aachener Stadtrats. Seinerzeit sei Aachen eine beschauliche Stadt gewesen, in der ein konservatives Klima vorgeherrscht habe.

Dautzenberg hingegen war klarer Verfechter der Aufklärung, Freimaurer und für eine „gemäßigte Revolution“ – in Zeiten des ausgehenden Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Seine private Haltung schlug sich auch in der Ausrichtung seiner Privatbibliothek nieder.

Neben zahlreichen Werken der Volksaufklärung und Liederbüchern der Freimaurer finden sich auch dutzende medizinische Werke. „Ich bezweifle, dass er viel mit diesen Werken anzufangen wusste“, betont Pohle. Grund für die Sammlung von Medizinbüchern könne die enge Freundschaft mit einem Arzt gewesen sein. Dautzenberg sammelte viele Bücher jedoch „einfach nur, um Wissen zu verbreiten“, erklärt Pohle.

Die Ratsbibliothek der Stadt Aachen umfasste zu Dautzenbergs Zeit übrigens nur rund 1.400 Werke. Mit ihr wurde Dautzenbergs Privatbibliothek auf seinen testamentarischen Wunsch hin zusammengelegt. „Damit war das erste Mal in Aachen freier Zugang zu Büchern gewährleistet“, erklärt Bibliotheksleiter Manfred Sawallich.

Die Ausstellung in der Stadtbibliothek lässt nicht nur die Größe der an die Stadt Aachen übergebenen Privatbibliothek erahnen. Sie lasse auch zu, die Person hinter der jahrhundertealten Büchersammlung näher kennenzulernen, macht Sawallich deutlich. „Fast niemand“, betont er, „kennt Dautzenberg heute noch!“ Dagegen steuert die Ausstellung nun an. Insgesamt neun Vitrinen widmen sich jeweils einer „Gedankenwelt“ des Aachener Gelehrten.

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