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Kommentar zu Grün-Rot in Aachen: Eine neue Liebe mit alten Inhalten

Kommentar zu Grün-Rot in Aachen : Eine neue Liebe mit alten Inhalten

Grüne und Sozialdemokraten wollen im Stadtrat jetzt an einem Strang ziehen. Das tun sie inhaltlich schon lange. Die neue Liebe hat viel mit Schmollwinkeln und Hybris in der Vergangenheit zu tun.

Als sich das Wahlergebnis an diesem denkwürdigen Sonntagabend im September 2020 konkretisierte, stand eigentlich fest: Klar, Grün-Rot ist das neue Aachener Farbenspiel. Eigentlich...

Politik hat viel mit Befindlichkeiten zu tun, mit Ab- und Zuneigung. Der Schmollwinkel bekommt nach Wahlen eine ganz besondere Bedeutung. In den hatten sich Aachens Sozialdemokraten zurückgezogen. Weil die bösen Wählerinnen und Wähler die SPD nur zur drittstärksten Kraft im Rat gemacht haben, mehr als sieben Prozentpunkte Verlust gegenüber den vorherigen Wahlen bedeuteten ein rotes Rekordtief in Aachen.
Auf der anderen Seite die Grünen mit grüner Oberbürgermeisterin. Auch ein Rekord. Noch nie hatten so viele Aachenerinnen und Aachener ihr Kreuz in Grün gemalt. Muskelprotzend traten die Grünen in der Folge auf. Eine Art grüne Hybris machte sich breit.

Das mochte nicht zusammenpassen. Eine vertane Chance war es, nicht bereits vor zwei Jahren eine Koalition zu schmieden. Wobei: Die Politik stand nicht still, auch mit wechselnden Mehrheiten lässt sich viel bewegen. So weit, so nicht schlecht.

Warum also jetzt koalieren? Weil Schmollwinkel und Hybris eben der falsche Weg waren. Weil es darum geht, klare Leitlinien zu setzen. Nicht nur für das eigene Handeln, sondern auch für die Verwaltung. Sie muss wissen, welche politische Denke Grundlage ihrer Planungen ist. Und die Bürgerinnen und Bürger sollen lesen und wissen, welche Zukunftsbilder entworfen werden. So weit, so gut.

Familie, Bildung, Wohnen, Mobilität und Wirtschaft – inhaltlich kommt einem vieles sehr bekannt vor in diesem Papier. Vieles ist auch schon auf dem Weg, mit großer Ratsmehrheit beschlossen. In der öffentlichen Wahrnehmung und Diskussion wird es sicherlich vor allem um Mobilität gehen. Grüne und SPD reden Klartext: An der Mobilitätswende geht kein Weg vorbei. Mit allen Konsequenzen. Es wird weiter Widerstände innerhalb der Stadtgesellschaft geben. Eine feste Koalition kann die besser aushalten als ein vor sich hin lavierender Stadtrat. Und das ist gut.