Aachen: Eine Nacht der ganz starken Stimmen

Aachen: Eine Nacht der ganz starken Stimmen

Sein Telefon klingelt oft an diesem Abend. Er hat bereits einige Termine hinter sich. Doch Ansgar Menze wirkt nicht gestresst. Dabei pendelt er zwischen sieben Veranstaltungsorten und rund 60 Chören.

„Es läuft bisher alles gut”, sagt er gegen halb zwölf. „Zwischen den einzelnen Terminen habe ich auf dem Fahrrad immer gesungen - das ist doch das beste Zeichen.” Und damit ist der Produktionsleiter der Internationalen Chorbiennale 2011 nicht allein.

Aachens Straßen rund um den Markt sind voll von begeisterten Sängern und Zuhörern, die von einer Veranstaltung zur nächsten wandern und sich von der Atmosphäre der Langen Chornacht mitreißen lassen.

„Es herrscht eine solche Festivalstimmung”, freut sich Chorleiterin Pascale Fritz. Sie tritt heute mit ihren Formationen „daccord” und „Charivari” in der Theresienkirche auf.

Neben St. Paul ist dieser Veranstaltungsort nach dem erfolgreichen Start der Veranstaltung vor zwei Jahren hinzugekommen. Als sie dirigiert, platzt die Theresienkirche fast aus allen Nähten. Im Eingangsbereich versuchen die Besucher, wenigstens noch einige Töne der Chöre zu vernehmen.

Doch auch die Chöre sollen miteinander ins Gespräch zu kommen. „Viele kennen einander vom Namen, haben sich aber noch nie gegenseitig zugehört”, meint Produktionsleiter Menze. Meist gestalten jeweils zwei Chöre gemeinsam ein 45-minütiges Programm.

Neben der Theresienkirche und St. Paul gibt es vier weitere Räume, deren Akustik es zu erfahren gilt: die Aula Carolina, St. Foillan, St. Peter und die Annakirche. Nur die Außenbühne im Hof ist unter freiem Himmel.

In der Aula Carolina begeistert unter anderem die Hochschulriege: der Chor der Musikhochschule, der FH-Hochschulchor, der Studentenchor der katholischen Hochschulgemeinde und der Chor des Collegium Musicum. In St. Peter kommen dagegen die Freunde des Gospel und Jazz auf ihre Kosten, zum Beispiel mit den Aachener Formationen „sing-A-pur” und „einKlang”.

Obwohl die meisten Chöre aus Aachen und der Region kommen, ist auch die Lange Chornacht mit Gästen aus Eupen, Heerlen Menze: „Besonderes Highlight ist zum Beispiel auch der Besuch der Singakademie aus Dresden.” Diese präsentiert mit dem Kammerchor Aachener Bachverein die „Passion zur Nacht”.

Sowohl für Laien als auch für Kenner der Chormusik ist an diesem Abend etwas dabei. Ob kirchliche Klänge, Volkslieder, Popmusik oder A-cappella-Gesang - je nachdem, ob man mehr Wert auf das Musikalische oder die Unterhaltung legt. „Die Qualität ist aber insgesamt sehr hoch”, betont Menze.

Das Publikum würde wohl zustimmen. Die mehr als gut gefüllten Sitzreihen, der Applaus und die vielen lächelnden Gesichter sprechen ihre eigene Sprache.

„Wir waren nur zufällig in Aachen und sind hellauf begeistert”, erzählen Elke und Stefan Lambertz. Sie kommen aus Köln und sind selbst begeisterte Sänger. Keine Frage, dass sie sich auch das Farewell um Mitternacht auf dem Markt anschauen.

Rund 2000 Menschen stehen wenig später vor den Treppen des Rathauses. Überall sind kleine Lämpchen zu sehen, die Notenblätter anleuchten. Fritz ter Wey betritt als erster von fünf Dirigenten das Podest, um „Urbs Aquensis” anzustimmen.

„Es ist ein bisschen surreal”, beschreibt er seine Eindrücke. „So viele fröhliche Menschen, die durch die Musik verbunden sind!” Nach ihm folgen Hans Leenders, Harald Nickoll und Martin te Laak. Mit auf der Rathaustreppe steht auch Ansgar Menze. Er schaut in die Noten und singt mit. Ein gutes Zeichen.

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