Vielseitige Musikerin Tanja Raich : Eine musikalische Reise auf der Suche nach dem „Klangideal”

Vielseitige Musikerin Tanja Raich : Eine musikalische Reise auf der Suche nach dem „Klangideal”

Sie ist doch noch deutlich in der Stimme zu hören, die „alte Heimat”. Wenn Tanja Raich über ihre vielen Projekte redet, schwingt der österreichische Akzent mit. Doch die Innsbruckerin ist in ihrer neuen Heimat in der Euregio auch dank ihres Mannes voll angekommen und hat sich als musikalischer Tausendsassa einen Namen gemacht.

Kein Wunder, dass kaum einer ihrer Tage ohne Musik auskommt und der Terminkalender aus allen Nähten platzt. Eine vollständige Auflistung würde wohl schnell den Rahmen sprengen. Bereits kurz nach ihrer Ankunft in der Region im Jahr 2006 wurde sie Vocal Coach im Das Da Theater, mittlerweile beeindruckt sie etwa im Tanja Raich Quartett, in den A-cappella-Gruppen Velvet Voices und Shiva Knows – zahlreiche Auftritte bei „Hochglanz-Veranstaltungen” wie dem Karlspreis waren die Belohnung.

Das ist noch lange nicht das Ende ihrer musikalischen Bandbreite: Wenn sie nicht gerade in Europa unterwegs ist, betreibt sie die VocAcademy in Maastricht, leitet den Kammerchor cantoAmore in Aachen und das Popchor-Projekt der Musikschule Aachen.

Stress oder gar Abgehobenheit ist der sympathischen 41-Jährigen jedoch an keiner Stelle anzumerken, auch nicht wenn gerade erst eine weitere lange Probe mit dem Popchor vorbei ist. „Ich habe aus meinem Hobby einen Beruf machen können, und ich weiß diese Möglichkeit zu schätzen”, betont die vielfach ausgezeichnete Absolventin der Universität Wien; Studienerfolge in der Musikwissenschaft, Theaterwissenschaften, Psychologie und Gesang zeigen, dass Raichs Interessen vielfältig sind, ohne dabei jedoch den Fokus zu verlieren und an Qualität einzubüßen.

Ihren Lebensfokus hingegen verlegte sie aus gutem Grund in die Euregio: Bei einem A-Capella-Wettbewerb in Graz lernte sie ihren heutigen Mann Luc Nelissen kennen. Erst unlängst stand der Niederländer mit dem Chor „Flow” in den Schlagzeilen, als er den zweiten Platz bei der Fernsehshow „Der beste Chor im Westen” belegte. Gerne erinnert sie sich zurück, wie aus der Fernbeziehung heraus die Entscheidung reifte, gemeinsam nach Süd-Limburg zu ziehen; Kerkrade wurde ihre Heimat. „Das war natürlich eine echte Umstellung, auch mit der Sprache. Zudem ist das hier eine ganz andere Mentalität, viel direkter”, so Raich, die ausgerechnet an den Karnevalstagen erstmals in die Kaiserstadt kam: „Da habe ich natürlich erstmal gefragt: ‘Ist das immer so hier?’”

Wie sollte es anders sein, fand die erfolgreiche „Integration” über die Musik statt. Der Kontakt zu Christoph Eisenburger und Werner Lauscher „war ein echter Glücksgriff”, resümiert sie heute. Zusammen mit ihrem Mann wurde daraus das erfolgreiche Tanja Raich Quartett, das mit jazzigen Arrangements viele Songs ganz neu interpretiert. „Wir wissen genau, was der andere will”, so die quirlige Österreicherin.

Dass sie aber auch alleine die Zuhörer in den Bann ziehen kann, zeigte sie nicht nur auf Auftritten, sondern auch mit ihrer neuen CD (siehe Info-Box).

Einen ganz besonderen Platz in ihrem Herzen hat sich seit 2015 das Popchor-Projekt erarbeitet. Der große Chor sollte eigentlich nur einmal stattfinden, doch die Arbeit mit den bis zu 200 Leuten, die ganz ohne Vorerfahrung vorbeikommen können, ging in diesem Jahr bereits in die fünfte Runde. „Ich liebe es zu spielen und zu singen, wo es möglich ist. Am Anfang hätte ich das nie gedacht, aber es ist einfach wunderschön und kann für viele ein Sprungbrett sein.” Die finalen Auftritte jeder Runde ließen Teilnehmer aufblühen, die vorher nicht an ihre stimmlichen Möglichkeiten glaubten, betont sie und freut sich über die vielen wiederkehrenden, aber auch neuen Gesichter, die sie in der Aula des Gymnasiums St. Leonhard antrifft: „Am Ende ist kaum eine Bühne für uns groß genug!”

Seit 2006 ist Tanja Raich in der Region - und erarbeitete sich schnell einen Ruf als hervorragende Künstlerin. Foto: Christian Ebener

Egal, ob sie mit Profis oder Laien arbeitet, am Ende verfolgt sie immer ihr ganz eigenes „Klangideal”, beschreibt sie die Maßgabe ihrer Arbeit. Es ist die Mischung, die für sie den Reiz ausmacht, dazu gehört eine ordentliche Prise ihrer Heimat, aber „auch die Balance zwischen Auftreten und Leiten muss stimmen”.

Von ihren ganzen Projekten lässt sie sich nicht abhalten, einmal im Monat den PopChor Tirol im Innsbrucker Haus der Musik zu leiten. Der Ausflug hinauf auf die Berge der Alpen darf nicht fehlen, denn auch wenn es sie, wo immer sie sich aufhält, „auf jeden Hügel zieht”, könne doch nichts das Gefühl ersetzen, wenn sie in der alten Heimat von ganz oben herab blickt. Dann gebe es auch kurze Momente der Reue, beschreibt Raich, die jedoch schnell verfliegten. Die Medizin dagegen liege ganz einfach in der eigenen Kreativität: „Ich will noch so viel umsetzen. Ideen hätte ich genug.” Eine Kinder-CD? Noch ein Profi-Chor mit ihrem Mann und Percussion? Das Leben von Tanja Raich bleibt eben eine musikalische Reise, deren Ende – zum Glück für die Aachener Musikszene – noch lange nicht in Sicht ist.

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