Aachen: Eine historische Lücke wird nun geschlossen

Aachen: Eine historische Lücke wird nun geschlossen

Das Werk ist genau so wichtig wie schwergewichtig. Weil es zum einen eine Lücke in der Aachener Geschichtsschreibung schließt, die im Grunde unverzeihlich ist. Und zum anderen, weil es mit seinen gut 460 Seiten ein ordentliches Pfund an Text und Fotos bietet.

Und nicht zuletzt, weil der erste Teil von „Aachen. Von den Anfängen bis zur Gegenwart” der Auftakt zu einer sieben- oder achtbändigen Reihe bildet, die die Geschichte unserer Stadt irgendwann einmal in nie dagewesener Weise komplett wiedergeben soll. Der Angang ist gemacht und wurde entsprechend im Weißen Saal des Rathauses gewürdigt.

Man kann getrost von einer historischen Aufgabe sprechen, oder auch - wie Aachens Archivdirektor Dr. Thomas Kraus - von einer „epochalen”. Die wissenschaftliche und logistische Arbeit zum ersten Band war enorm und wird für die kommenden Veröffentlichungen sicherlich noch größer. Denn bis der jetzige Band druckreif war, mussten nicht nur etliche Quellen ausgewertet werden und in Texte geformt werden, es galt auch finanzielle Hürden zu nehmen. Doch das Ergebnis war die Mühen ganz offensichtlich wert.

Insgesamt zwölf Autoren erhellen die natürlichen Bedingungen Aachens sowie die Zeit von der Vorgeschichte bis zu den Merowingern. Ein erster Teil untersucht die geografischen Gegebenheiten der Stadt, die Landschaft, die geologischen Bedingungen, die Entstehung der Thermalquellen, des Blausteins und mehr.

„Aber ich habe immer darauf geachtet, dass die Autoren die Vorgabe ,Natur und Mensch’ im Blick hatten”, unterstrich Kraus. Der zweite Schwerpunkt des ersten Bandes führt von der Vorgeschichte über die Kelten und Römer bis fast zu den Karolingern. Zahlreiche Schwarz-weiß- und Farb-Fotos, Grafiken und Skizzen führen die Leser in die Texte. Vor allem Stadtarchäologe An-dreas Schaub konnte hier viele Aspekte ans Tageslicht befördern.

Dass das Interesse der Aachener an ihrer Geschichte enorm ist, beweist die Zahl der subskribierten Exemplare: 737 Vorbestellungen konnte Verleger Helmut Falter bereits im Vorfeld für die Erstauflage von 2000 Stück notieren. Bei aller Freude über den ersten Band musste der Buchhändler aber gleichzeitig in die ambivalente Rolle des Motivators und Mahners schlüpfen: „Die Finanzierung der ersten drei Bände steht. Für den vierten Band kann ich dies nicht sagen.”
Und so richtete er gleichzeitig den Appell an die Bürger, sich einzubringen.

So wie dies in der vorbildlichen Kooperation zum ersten Band zwischen Stadt Aachen, Aachener Geschichtsverein, dem Sponsor Sparkasse und dem Club Aachener Casino perfekt geklappt habe. Bei den ersten drei Bänden konnten und können die Organisatoren auf die wissenschaftliche Kompetenz der Hochschule zurückgreifen. Ob das ab Band vier ebenso möglich ist, scheint offen. Doch konnte Falter in diesem Punkt auch Hoffnung machen. Es gibt eine ernsthafte Initiative, am Historischen Institut der RWTH eine neue Professur für die Geschichte des Rhein-Maas-Raumes zu installieren. Damit ergäbe sich dann auch ein neuer Pool an Mitarbeitern für die geplanten Bänden vier bis sieben oder acht.

Immerhin wird nach jetzigem Stand der Dinge bis zum 1200. Todestag Karls des Großen im Jahr 2014 der dritte Teil fertig vorliegen. Der Club Aachener Casino mit seinen beiden Protagonisten Klaus Peters und Gustav Peltzer ist jedenfalls zur weiteren Unterstützung bereit. Wer sich finanziell und/oder organisatorisch einbringen will, kann sich an Gustav Peltzer (Telefon 151431 und fam.peltzer@onlinehome.de) wenden.

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