Aachen/Hagen: Eine Aachenerin will nach Berlin...

Aachen/Hagen: Eine Aachenerin will nach Berlin...

Sie kennen Cemile Giousouf nicht? Das ist wenig überraschend. Die in Aachen lebende CDU-Politikerin ist bislang auf den ersten Blick noch nicht groß in Erscheinung getreten. Doch dieser Eindruck täuscht.

Denn in zweiter Reihe ist die 34 Jahre alte Muslimin seit Jahren stark engagiert. Sie ist unter anderem Vorstandsmitglied der Partei auf Kreis-, Bezirks- und Landesebene sowie in der Aachener Frauenunion. Sie ist Mitglied im Sozialausschuss und in der Bezirksvertretung Mitte. Sie ist stellvertretende Vorsitzende des Deutsch-Türkischen Forums der NRW-CDU. Sie wirkt darüber hinaus in etlichen Netzwerken mit. Und jetzt stehen die Chancen nicht schlecht, dass Cemile Giousouf in den Bundestag katapultiert wird. Allerdings nicht in Aachen, sondern in Hagen

Das klingt zunächst kurios, ist aber gar nicht so unwahrscheinlich. Das deswegen, weil die Hagener CDU intern keinen Kandidaten fand. Letztlich wurde eine Findungskommission gegründet, der sich Giousouf vergangene Woche vorgestellt hat. Nach Informationen der in Hagen erscheinenden Westfalenpost ging die Kommission zunächst ergebnislos auseinander. Anfang dieser Woche stellte sich Cemile Giousouf dann dem Kreisvorstand der Hagener CDU vor. Dieser sprach sich einstimmig für sie aus. „Sie hat einen charmanten und kompetenten Eindruck gemacht“, sagt Kreisgeschäftsführer Bernd Löwenstein auf Anfrage.

In der örtlichen CDU aber gibt es jedoch teils wortreiche Widerstände gegen die Kandidatin von Außerhalb, so etwa in einigen Ortsverbänden. Dass da noch einige Überzeugungsarbeit geleistet werden muss, räumt Löwenstein ein: „Mit einem Hagener Kandidaten wäre es sicher ein angenehmerer Weg gewesen.“ Er verteidigt jedoch die Marschroute: „Es ist richtig und wichtig, dass sich die Partei für Neues öffnet.“ Cemile Giousouf will derzeit zum Verfahren noch nichts sagen. Es stehen noch wichtige Termine an, so etwa bei der CDU im Ennepe-Ruhr-Kreis, von dem ein Teil ebenfalls zu diesem Wahlkreis gehört. Nicht ungewöhnlich findet sie jedenfalls, dass man nicht an seinem bisherigen Wohnsitz kandidiert: „Dafür gibt es viele Beispiele“, sagt die studierte Politologin.

Hoher Migrantenanteil

Hintergrund ihrer Bewerbung um die Kandidatur in Hagen ist ihr politischer Schwerpunkt Integration. Das CDU-Bundesnetzwerk Integration, das beim jüngsten Parteitag von Generalsekretär Hermann Gröhe vorgestellt wurde, hat das Ziel, eine Abgeordnete mit Migrationshintergrund nach Berlin zu entsenden. So sei man bei der Suche nach geeigneten Kandidaten an das Deutsch-Türkische Forum zugegangen. Dessen Vorschlag lautete eben Cemile Giousouf. Hagen macht für eine derartige Kandidatur Sinn, wie Bernd Löwenstein sagt. Die 187.000 Einwohner zählende Stadt hat einen enorm hohen Migrantenanteil.

Nun gewinnt aber in Hagen meist die SPD die Bundestagsmandate. Was aber für Cemile Giousouf möglicherweise auch kein Problem darstellt. Sie könnte über einen komfortablen Platz auf der Landesliste abgesichert werden. Doch davor gibt es noch Hürden zu nehmen. Entscheiden muss über die Personalie letztlich die Vertreterversammlung der beiden Kreisparteien. Eine Empfehlung soll es laut WP von Armin Laschet gegeben haben. In dessen Ministerium war Giousouf Referentin.

In Aachen sei eine Kandidatur ausgeschlossen: „Rudolf Henke ist unser Kandidat, und das unangefochten“, so Giousouf.

(stm)
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