Aachen: Ein Wohnhaus speziell für Gehörgeschädigte

Aachen: Ein Wohnhaus speziell für Gehörgeschädigte

Bezahlbarer Wohnraum in Aachen ist knapp. „Im Grunde ist das schon eine Standardaussage“, meint Karl Merkelbach. Besonders groß ist die Not für Menschen mit Behinderung, vor allem für Menschen mit Hörschädigung gibt es bislang keine Angebote auf dem Wohnungsmarkt. Das Hörgeschädigten-Zentrum Aachen will daran etwas ändern.

„Wir haben ein großes Grundstück, das brachliegt. Daraus kann man etwas machen“, sagt Brigitte Rothkopf, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft zur Förderung Hörgeschädigter. Dort, wo sich jetzt noch zwei Boule-Felder, eine Tischtennisplatte und eine Birke befinden, sollen innerhalb gut eines Jahres 14 barrierefreie Wohnungen für Hörgeschädigte und ein Sinnesgarten entstehen.

Kein Spaziergang

„Für uns ist das eine sportliche Herausforderung“, betont Merkelbach, der Ehrenvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft ist. Gemeinsam mit dem Architekten Hans Jansen war er es auch, der die Planung des Projektes übernahm und den Kontakt zu den Behörden aufnahm. „Eigentlich kann ein Staat, der sozialen Wohnraum fördern will, nicht erwarten, dass ein kleiner Verein, wie wir es sind, ein so hohes Risiko eingeht“, blickt Merkelbach auf die vergangenen Wochen zurück und lässt durchblicken, dass ein solches Projekt alles andere als ein Spaziergang ist. Umso dankbarer ist der Verein dem Amt für Wohnungsbau der Städteregion Aachen. „Außerdem haben uns Ulla Schmidt (SPD) und Rolf Einmahl (CDU) sehr unterstützt“, berichtet Merkelbach.

Seit Januar ist die Baugenehmigung durch. Insgesamt 2,1 Millionen Euro sind für das Projekt veranschlagt. Darin enthalten sind mehr als 100.000 Euro für die behindertengerechte Ausgestaltung, der Sinnesgarten schlägt mit 120.000 Euro zu Buche. Rund 1,5 Millionen Euro Wohnbaufördermittel wurden dem Verein bewilligt, ein weiteres Darlehen beläuft sich auf 200.000 Euro. 120.000 Euro schießt die Stiftung Hörgeschädigten-Zentrum dazu, noch einmal 110.000 Euro kommen von der Aktion Mensch. Bleiben 170.000 Euro, die der Verein als Eigenmittel aufbringen muss. Erreichen will er dies durch Spenden oder Sponsoren.

Hörgeschädigte Menschen mit Wohnberechtigungsschein A, gehörlose Menschen, Familien mit gehörlosen Kindern, stark schwerhörige Menschen oder Gehörlose mit Migrationshintergrund, die die deutsche Gebärdensprache noch erlernen, gehören zu den Zielgruppen, die der Verein mit dem Wohnprojekt ansprechen will. Der Anteil an Ein-Personen-Wohnungen ist hoch, acht solcher Wohnungen sind vorgesehen. Sie sind gedacht für alleinstehende Menschen mit Hörschädigung, die zusätzlicher Unterstützung oder Pflege bedürfen.

Zusätzlich zur allgemeinen Barrierefreiheit ist jede Wohnung mit einer Videoanlage für Gebärdensprache ausgestattet. Die Bodenbeläge sind trittschallgedämpft und die Treppenhausbeleuchtung ist so optimiert, dass eine Unterhaltung in Gebärdensprache möglich ist. „Wir sind Augenmenschen. Wenn es klingelt oder ein Alarm geht, kriegen wir das so nicht mit“, erläutert Brigitte Rothkopf, was die zusätzlichen Einrichtungen für Gehörlose im Alltag bedeuten.

Eigenständig eine Wohnung auf diese Weise nachzurüsten, kostet Geld. Das Hörgeschädigten-Zentrum bietet außerdem eine Notrufeinrichtung, einen Hausmeisterservice und eine soziale Alltagsbegleitung an. Dazu gehören auch Gebärdendolmetscherinnen, die bereits jetzt die Ratsuchenden im Horgeschädigten-Zentrum bei Arzt- oder Behördenbesuchen begleiten. Das Projekt ist Teil des Sozialraums Aachen-Nord.

„Keine Enklave einrichten“

„Wir möchten hier keine Enklave einrichten, es soll sich mit der Nachbarschaft verweben“, unterstreicht Anne Elsen, Geschäftsführerin des Hörgeschädigten-Zentrums. Zusammenkommen sollen Hörende und Nicht-Hörende im Sinnesgarten, in dem auch die gefällte Birke durch neue Baumbepflanzung ersetzt wird. Außerdem soll es eine Verbindung zum geplanten Premiumweg entlang der Wurm geben. In der zweiten Jahreshälfte sollen die Bauarbeiten beginnen, im August 2019 sollen die ersten Wohnungen bezugsfertig sein. Einige wenige sind auch noch zu vergeben.