Aachen: Ein ungleiches Paar und die Macht der Medien

Aachen: Ein ungleiches Paar und die Macht der Medien

Es ist ein Duell der Worte, ein Kampf zweier Medienprofis. Im „Das Interview“ von Theodor Holman zeigt das Grenzlandtheater ein intensives Kammerspiel zwischen den beiden Protagonisten Katja (Maria Prüstel) und Pierre (Thorsten Loeb).

Sie, ein gefeiertes Soap-Sternchen und er, ein Politik-Journalist, der verbissen auf der Seriosität seiner Arbeit besteht, kämpfen um den Erhalt der perfekten Fassade. Für Intendant Uwe Brandt ein besonders durchdringendes Stück, wie er erzählt: „Theo van Gogh veröffentlichte 2003 den gleichnamigen Film und sagte: ,Ein gutes Interview ist seinem Wesen nach ein Gefecht‘. Die Atmosphäre zwischen den zwei Profis entwickelt sich zu einer ganz besonderen und packenden Situation, die den Zuschauer fesselt.“

Regie führt der erstmalig am Grenzlandtheater tätige Philip Stemann. Vor allem die Menschen hinter ihrem Beruf, ihrer Maske faszinieren ihn: „Pierre möchte eigentlich zwecks Berichterstattung nach Bosnien, wo das Kabinett mit dem Rücktritt droht. Stattdessen muss er ein Soap-Sternchen interviewen, welches er weder kennt noch interessiert. Er ist zwar ein politischer Top-Journalist, aber momentan auf dem beruflichen Abstellgleis. Warum und weshalb, erklärt sich dem Zuschauer erst später“, so Steman.

Dementsprechend kühl und verhalten fällt das erste Aufeinandertreffen aus. Beide geben sich arrogant, die „Königin der Leinwand“ und der große Politik-Journalist. Abgehoben und abgebrüht. Im Hintergrund wird per Knopfdruck mal ein paradiesischer Strand mit Palmen, mal ein gemütliches Kaminfeuer eingeschaltet. Je nach Lust und Laune der „operierten Barbiepuppe mit Plastik im Körper“.

Das Interview entwickelt sich immer mehr zu einer zerstörerischen Schlacht zwischen zwei hochintelligenten Menschen, in der jedes Mittel recht ist, die eigene Existenz zu behaupten. Doch hinter der Verbissenheit und den fiesen Attacken stecken tiefe Verletzungen. Was hat es mit Pierres Aufenthalt in Bosnien während des Kriegs auf sich? Und was steckt hinter Katjas makellosem Auftreten? „Das Interview“ legt nicht nur schonungslos und ungeschönt das Leben in der heutigen Medienwelt offen, sondern auch die dahinterstehenden Ängste und persönlichen Dramen.