Aachen: Ein Stück Papier geht auf abenteuerliche Reise

Aachen: Ein Stück Papier geht auf abenteuerliche Reise

Ob zu Muttertag, zu Weihnachten oder einfach so — jeden Tag werden in Aachen rund 1,5 Millionen Briefe verschickt. Doch wie lang ist so ein Brief eigentlich unterwegs und durch wie viele Hände wandert er, bis er schließlich beim Empfänger ankommt? Wir haben den Weg des Briefes verfolgt und das Briefzentrum an der Kaubendenstraße besucht.

Es ist kurz nach 17 Uhr am Nachmittag, als ein gelber Transporter am Briefkasten auf dem Aachener Markt hält. Briefzusteller Ingo Müller steigt aus, öffnet den Briefkasten und kippt die Briefe in einen großen gelben Kasten. Die Uhrzeit der Leerung erfasst Müller mit einem Scanner. Gleichzeitig notiert er, ob der Briefkasten beschädigt oder verschmutzt ist. Dieses Prozedere muss ganz schnell gehen, denn pro Briefkasten hat Müller nur eine Minute Zeit. Der Briefkasten auf dem Aachener Markt ist seine letzte Station. Von dort aus fährt er zum Briefzentrum in der Kaubendenstraße — eines von 82 in Deutschland.

1,5 Millionen Briefe jeden Tag

Im Minutentakt kommen hier um diese Uhrzeit die Postwagen an. Neben der Post aus den Briefkästen landen hier auch Briefe aus den Postfilialen und von Großkunden, die direkt an das Briefzentrum geliefert werden. Das Briefzentrum der Deutschen Post an der Kaubendenstraße bearbeitet alle ein- und ausgehenden Briefsendungen der Postleitzahlregion 52 — also nicht nur Briefe aus Aachen, sondern vom Selfkant im Westen bis Nörvenich im Osten, Heinsberg im Norden und Monschau im Süden —täglich sind das rund 1,5 Millionen Sendungen.

Im Briefzentrum angekommen, werden die Briefe nach Standard und Maxiformaten getrennt und anschließend in eine sogenannte Aufstellmaschine gelegt. Rasant rutschen die Brief eine kleine Rampe hinunter. Eine automatische Abtasteinrichtung erkennt die Briefmarke und dreht und wendet den Brief, bis er in der richtigen Position für den Stempelvorgang liegt. Übrigens: Bei diesem Vorgang wird auch die Echtheit der Briefmarke geprüft.

„Als nächstes geht der Brief in die integrierte Videocodier- und Anschriftenlesemaschine. Die tut genau das, was ihr Name sagt: Die Anschriften werden mit Hilfe einer kleinen Kamera und einem speziellen Computer ‚gelesen‘ und die Sendungen codiert. Bis zu 45.000 Briefe werden so jede Stunde geprüft“, erklärt Linda Goß, Leiterin des Briefzentrums. An dieser Stelle erhält der Brief auch einen orangefarbenen Strichcode, der die Anschrift des Empfängers erfasst. Immer mal wieder komme es vor, dass der Computer einige Briefe nicht erkenne. Die nicht erkannten Briefe müssen die Mitarbeiter manuell zuordnen.

„Gerade in der Weihnachtszeit passiert das schon mal häufiger. Viele adressieren ihre Briefe mit der Hand. Das kann die Maschine oftmals nicht lesen“, sagt Postsprecher Dieter Pietruck. In einem weiteren Schritt werden die Briefe auf alle Orte und Zustellplätze im Bundesgebiet sortiert. Spätestens um 21.30 Uhr verlassen dann alle Briefe, die nicht für den Aachener Bereich bestimmt sind, das Briefzentrum.

Die meisten Briefe haben eine Laufzeit von einem Tag, das heißt, sie kommen noch am nächsten Tag beim Empfänger an. Für die Briefe, die in der Heimat bleiben — täglich rund 180.000 — geht es weiter zur Gangfolgesortierung. Ein spezieller Scanner sortiert die Briefe in der Reihenfolge, in der der Briefträger die Briefe später zustellt.

In den frühen Morgenstunden werden die Briefe an die Zustellstützpunkte weitergeleitet — in diesem Fall an den Zustellstützpunkt an der Talbotstraße. Dort beginnt für die Zusteller zwischen 6 und 7 Uhr die Arbeit. In den frühen Morgenstunden liegen die Briefe bereits grob auf die Gangfolge sortiert in gelben Kästen. In kleinen Arbeitsbereichen, die nach Bezirken unterteilt sind, ordnet der jeweilige Bote die Briefe nach Straßen und Hausnummern. Magazine und kleinere Päckchen werden ebenso nach Hausnummern sortiert. Einer der Briefzusteller, die in drei Schichten am Werk sind, ist Franz Jansen.

„Jeden Tag stelle ich bis zu 1500 Briefe zu. Da muss alles seine Ordnung haben“, sagt Jansen, der für den Innenstadtbereich zuständig ist. Ein kleines grünes „Hütchen“ — einen sogenannten Daumenschutz — trägt Jansen immer bei sich. So kann er die Briefe schneller vom Stapel lösen und sein Daumen wird nicht wund. Denn anders als im großen Briefzentrum an der Kaubenden-straße wird hier alles per Hand gemacht. Eine Maschine sucht man vergebens. Bis 9 Uhr muss Jansen die Briefe geordnet haben, denn dann geht es los.

Liebesbriefe und Rechnungen

Die rund 1500 Briefe müssen zu ihren Empfängern. Ob Rechnungen, Liebesbriefe oder Geburtstagswünsche, bei Wind und Wetter ziehen die 150 Aachener Boten los, um die Briefe zuzustellen. „Man muss schon ganz schön sportlich sein, um als Briefzusteller arbeiten zu können“, sagt Jansen, der die Briefe meistens zu Fuß oder mit dem Fahrrad zustellt.

Damit ist auch beinahe die letzte Hürde geschafft. Die größte Herausforderung: die richtige Zustellung an den Empfänger. „Es gibt immer wieder Briefkästen, die nicht beschriftet sind. Angaben wie zum Beispiel die Apartment-Nummer in Studentenwohnheimen sind unumgänglich“, sagt Pietruck. Fehlende Angaben erschweren den Boten die Arbeit. Doch heute bleiben solche Fehler aus. Als Jansen um 15 Uhr den letzten Brief des Tages in den Briefkasten wirft, hat er ein rundum gutes Gefühl. Jeder Brief ist pünktlich beim Empfänger gelandet.

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