Fotoausstellung in der Aachener Citykirche: Ein Modefotograf erfindet sich neu

Fotoausstellung in der Aachener Citykirche : Ein Modefotograf erfindet sich neu

Schwarz ist nicht gleich Schwarz. Schwarz kann matt sein, fast freundlich oder schier undurchdringlich. Benedikt Ernst ist ein Meister des schwärzesten Schwarz. In der Modefotografie hat sich der Kölner in den vergangenen Jahren mit seinen kontrastreichen, sehr präzisen und im wahrsten Sinne des Wortes coolen Bildern einen Namen gemacht. Nun wagt er sich an ein neues Thema: Reportagefotografie im Krisengebiet.

„Ich wusste nicht einmal, ob ich das kann“, sagt der Fotograf über die Herausforderung, mit der er sich im vergangenen Jahr nach einer Anfrage seines alten Schulfreundes Oliver Bühl konfrontiert sah. Knapp 80 Fotografien, die seit Sonntag in der Aachener Citykirche zu sehen sind, lassen keinen Zweifel aufkommen, dass das Wagnis geglückt ist.

Benedikt Ernst, Jahrgang 1972, in Aachen geboren und aufgewachsen, hat erst vor zehn Jahren das Medium Fotografie für sich entdeckt und sehr schnell einen unverkennbaren Stil entwickelt. Kühle, unnahbare Schönheiten bevölkern seine stets in Schwarzweiss gehaltenen, technisch brillanten Bilder, die eine sehr klare Sprache sprechen. Und nun Kolumbien! Im November 2018 reiste Ernst drei Wochen auf Einladung der Hilfsorganisation Fundación Concern Universal – Träger des Aachener Friedenspreises – durch das Departemento Tolima. Im Fokus stand das Leben der Menschen in einem vom Bürgerkrieg gezeichneten Land, vor allem das der stark bedrohten indigenen Völker Kolumbiens. „Es war ein Sprung ins kalte Wasser“, sagt Ernst, der die Reise als Chance zu einer künstlerischen Weiterentwicklung begriff. „Ich war zu dieser Zeit tatsächlich auf der Suche nach etwas anderem als Fashionfotografie.“

Knapp 1600 Fotos entstanden auf der Reise. Schnell legte Ernst die geliebten manuellen Objektive beiseite. „Ich habe früher fast ausschließlich mit alten Optiken fotografiert, aber dafür war hier keine Ruhe“, erzählt Ernst. In Kolumbien zählte vor allem der Moment. Ausdrucksstarke Fotos müssen für ihn nicht unbedingt technisch perfekt sein. „Ich mag es sehr, wenn Bilder auch mal unscharf sind. Ein gutes Foto braucht nicht immer Schärfe.“ Ernst, der Reportagefotograf: Die bisweilen brutalen Kontraste sucht er noch immer; aber seine Bilder wirken nun weitaus weicher, menschlicher, berührender und auch humorvoller. Ausdrucksstarke Close-Ups wechseln sich ab mit Landschaftsaufnahmen und der Dokumentation des alltäglichen Lebens und Überlebens.

Foto: Kolumbien Benedikt Ernst

Aber ist es für einen Fotografen nicht schwierig, auf Farbe ausgerechnet in einem Land zu verzichten, das so bunt ist, so voller Leben? Nein, meint Ernst. „Eigentlich sind doch alle Bilder bunt, die wir aus solchen Ländern kennen. Jeder weiß, wie es dort aussieht. Schwarzweiß ist hingegen zeitlos.“ Es konzentriere den Blick auf das absolut Wesentliche. „In Kolumbien sieht es teilweise noch aus wie vor 50 oder 60 Jahren. Ich fand es deshalb sehr interessant, mit diesem Aspekt des Zeitlosen zu spielen.“ Seine eindringlichsten Erlebnisse hat der Fotograf bereits in einem Beitrag für das Magazin unserer Zeitung im Juni beschrieben. Ernst schildert, wie er mit den Anführern des indigenen Volkes der Pijao auf einen mystisch anmutenden Berg zu einem Friedhof wandert. „Wir haben sehr lange gesprochen über den Verlust ihrer Kultur und den Verlust von Land, Sprache und sogar Musik. Das war wahnsinnig berührend.“

War das ein einmaliger Ausflug in ein faszinierendes Genre? „Nein“, betont Ernst. „Ich habe Blut geleckt – und weiß nun, was ich alles besser machen möchte.“ Dabei sieht der Fotograf die Arbeit von Fotojournalisten keineswegs blauäugig: „Ich hatte schon immer einen wahnsinnigen Respekt vor deren Arbeit. Und ich weiß auch, dass ich diesen Job als Vater von drei Kindern niemals so machen könnte.“ Ernst berichtet von sehr unangenehmen Aufeinandertreffen mit bis auf die Zähne bewaffneten Militärs, „die uns behandelt haben wie Schwerstverbrecher“. Angesichts der sich weiter zuspitzenden Sicherheitslage im Land will der Kölner bei einer weiteren Kolumbienreise im Herbst daher Vorsicht walten lassen.

Foto: Benedikt Ernst/SSV/Benedikt Ernst

Dann wird Ernst seine Ausstellung zunächst in Ibagué, womöglich auch in der Hauptstadt Bogotá zeigen, bevor die Fotografien in weiteren deutschen Städten ausgestellt werden. In Aachen sind die Arbeiten noch bis zum 30 Juni in der Citykirche, An der Nikolauskirche 3, zu sehen. Öffnungszeiten: 9 bis 19 Uhr. Am Mittwoch, 19. Juni, und am Mittwoch, 26. Juni, bietet der Diözesanrat der Katholiken im Bistum Aachen jeweils eine öffentliche Führung an.

Mehr Fotos von Benedikt Ernst: www.benedikternst.com