Aachen: Ein Mädchenchor für den Dom

Aachen: Ein Mädchenchor für den Dom

Einmal mehr verwandelte sich der Aachener Dom am Samstagnachmittag in eine wahrhaft „klingende Kathedrale”. 200 klangvolle, helle Stimmen von fünf Mädchenchören und Mädchenkantoreien an den Domkirchen zu Köln, Mainz, Münster, Paderborn und nun auch Aachen gestalteten den Gründungsgottesdienst des ersten Mädchenchores am Aachener Dom.

20 Schülerinnen der Klasse 3 der Aachener Domsingschule gaben dabei unter Leitung von Domkapellmeister Berthold Botzet ihr Debüt mit dem Marianischen Antiphon „Regina coeli laetare” von Valentin Rathgeber. Zart, freudig und stimmsicher überzeugten sie mit einem fröhlichen „Halleluja” und bewegten die Zuhörer sehr. Langer Beifall brandete auf. „Für uns war es ein beeindruckendes Erlebnis, wie bei diesem Gottesdienst Religion, Kirche, Geschichte und Musik zusammengefügt wurden”, erklärte später im Domhof begeistert ein älteres Ehepaar aus Ostfriesland, das für drei Tage Aachen besucht hatte.

Dom-Musik nun vielseitiger

Der Aachener Domchor ist mit seiner 1200-jährigen Geschichte der älteste Knabenchor Deutschlands. Bevor die Jungen Chormitglied werden, haben sie zuvor vier Jahre lang die Domsingschule besucht. Im Schuljahr 2008/2009 wurde die Schule um eine Mädchenklasse erweitert. So lag es nun nahe, auch einen Mädchenchor zu gründen und damit einerseits dem Erziehungsauftrag mit dem Schwerpunkt Musik gerecht zu werden. Andererseits kann dadurch aber auch die Dom-Musik vielseitiger und individueller gestaltet werden. Dennoch werden weiterhin Domchor und Mädchenchor eigenständig bleiben. „Musik ist in der Liturgie wichtig, denn der Gesang ist eine besondere Form des Gebetes”, wandte sich Dompropst Helmut Poqué an die 200 jugendlichen Sängerinnen, denen allein das Oktogon vorbehalten war. Gesang öffne die Herzen der Menschen. Und damit erfüllten die Chöre einen doppelten Dienst: Sie singen zum Lobe Gottes und zur Freude der Menschen. So auch heißt es in der Gründungsurkunde des Domkapitels, die er verlas: „Der Mädchenchor am Aachener Dom hat die Aufgabe, die Musica Sacra gemäß den Weisungen des II. Vatikanischen Konzils mit großer Sorgfalt zu pflegen. Möge der Gesang stets zum Lobe Gottes und zur Freude der Menschen erklingen”.

Den vier Mädchen-Gastchören, die Poqué als „Patinnen” bezeichnete, dankte er für ihre Starthilfe. Unter der Leitung der Domkantore Oliver Sperling (Köln), Karsten Storck (Mainz), Verena Lebschi (Münster) und Gabriele Sichler-Karle (Paderborn) überzeugten sie mit ihren geschulten Stimmen durch bestechende Klangreinheit, konzertanten, kraftvollen, jubelnden und kunstvollen Gesang gregorianischer Musik, von Kantaten, Motetten und neuen geistlichen Liedern, teils a cappella, teils von Orgelspiel und Violine begleitet. „Ihr habt uns alle verzaubert. Und wir konnten heraushören, dass es sich lohnt, diese Musikliteratur zu pflegen”, anerkannte später Domkapellmeister Botzet beim Festempfang in der Domsingschule und dankte den Mädchen-Gastchören für ihr Mitwirken, um als Patinnen Rückendeckung zu geben. Werden die Jungen der Klasse 4 der Domsingschule alljährlich am vierten Fastensonntag in den Domchor aufgenommen, so werden die Mädchen künftig am zweiten Adventssonntag in den Mädchenchor am Dom aufgenommen.