Aachen: Ein „Leuchtturm“ mit strahlender Bilanz

Aachen : Ein „Leuchtturm“ mit strahlender Bilanz

Ziemlich genau ein Jahr ist ins Grenzland gegangen, seit das heiß ersehnte kulturpolitische Kind unter prominenter Patenschaft aus der Taufe gehoben worden ist. Ex-NRW-Minister Michael Groschek ließ es sich beim „großen Bahnhof“ in der ehemaligen riesigen Tram-Garage an der Talstraße nicht nehmen, den Machern seine besten Wünsche auf den Weg zu geben.

Heute darf man sagen, dass zumindest viele davon in Erfüllung gegangen sind. Inzwischen ist der städtische Sprössling namens Kulturdepot prächtig gediehen. Die heftigen Geburtswehen aufgrund massiver Kostensteigerungen bei der Planung scheinen (so gut wie) vergessen.

Jedenfalls sparte Dezernentin Susanne Schwier beim kleinen Kaffeekränzchen anlässlich des ersten Geburtstags mit Kulturbetriebsleiter Olaf Müller, dessen Stellvertreterin Irit Tirtey sowie versammelter Presseschar im hauseigenen Restaurant nicht mit Komplimenten: „Gestatten Sie mir, dass ich jetzt mal ins Schwärmen gerate. Dank der hervorragenden Kooperation etlicher Beteiligter ist es gelungen, dieses Haus zu einem fröhlichen, offenen Treffpunkt zu machen“, sagte sie. „Die Rückmeldungen seitens der Mieter sind äußerst positiv.“

Kurzum: Das Kind hat — ungeachtet seines Namens — längst das Laufen gelernt. Von „Abstellgleis“ könne auch angesichts der alten Straßenbahnschienen, die nach wie vor nostalgischen Charme im feinstens gestalteten Foyer, der rund 250 Quadratmeter großen „Piazza“, versprühen, keinesfalls die Rede sein, freute sich auch Center-Managerin Sabine Zierz. „Die zahlreichen Vereine und Institutionen, die jetzt hier arbeiten, haben eine Menge Dynamik entwickelt.“

Und nicht nur im quicklebendigen Umfeld in direkter Nachbarschaft zu Ludwig Forum und Musikschule würden die vielfältigen Angebote gut angenommen, unterstrich Müller. Mit seinem reichhaltigen Programm — Ausstellungen, Konzerten, Lesungen, Filmvorführungen, Diskussionen — habe das Depot die Erwartungen allemal erfüllt. Die Stadtteilbibliothek erfreue sich nach ihrem Umzug von der Aretzstraße wachsender Beliebtheit. Die Künstler des Atelierhauses setzten auch jenseits größerer Events täglich kreative Impulse. Der offene Jugendtreff fülle das Haus ebenso mit Leben wie die Anlaufstellen des Kinderschutzbundes oder des DRK-Familienbildungswerks.

Auch finanziell gut aufgestellt

Mit der Eröffnung der jüngsten Chorbiennale, einer großen Veranstaltung zum Tag der Kinderrechte, Tagungen und Viertelfesten habe man rund um den „Leuchtturm für Aachen-Nord“ (Müller) bereits etliche Glanzpunkte setzen können. Großartige weitere Projekte seien für das laufende Jahr in Planung.

Und auch auf der finanziellen Schiene sei das alte Straßenbahndepot inzwischen bestens aufgestellt, betonte Schwier — von wegen Geburtswehen. „Im ersten Jahr hat die Stadt durch externe Veranstaltungen rund 24.000 Euro eingenommen“, berichtete die Kulturdezernentin — Tendenz steigend. Im laufenden Jahr könne man durch derlei temporäre Angebote bereits rund 30.000 Euro im Stadtsäckel verbuchen.

„Das entspricht schon jetzt fast den langfristigen Erwartungen, die von der Politik mit rund 35.000 Euro pro Jahr veranschlagt worden sind.“ Nach Abzug der festen Mieteinnahmen (insgesamt rund 240.000 Euro) beliefen sich die jährlichen Kosten, welche die Stadt für die Einrichtung im Ganzen stemmen müsse, auf rund 200.000 Euro, erklärte Tirtey. „Für ein Haus wie dieses hält sich das durchaus im Rahmen.“

Dennoch stehen natürlich auch Verbesserungen auf dem Wunschzettel zum ersten Geburtstag. Noch im Laufe des Jahres sollen zum Beispiel weitere Anstrengungen unternommen werden, um die Akustik und die Lichtverhältnisse bei Filmvorführungen und Vorträgen im Foyer zu verbessern.

Und: „Wir müssen uns weiter der großen Herausforderung stellen, noch mehr Menschen aus dem Viertel ins Haus zu locken, und manche Hemmschwelle abbauen“, sagte Schwier. „Es lohnt sich, bei Gelegenheit einfach mal vorbeizukommen — und sei es nur für einen Plausch bei Kaffee und Kuchen, eine Cola mit drei Strohhalmen oder auch ein leckeres Menü im Bistro.“

Einer hat die Einladung übrigens längst angenommen: Am 6. Juni beehrt Bischof Helmut Dieser das Depot im Rahmen seiner neuen Gesprächsreihe „Heute bei dir“ .

Mehr von Aachener Zeitung