Aachen: Ein echter Öcher Jong aus Afrika

Aachen: Ein echter Öcher Jong aus Afrika

„Ali ist ein echter Öcher Jong aus Afrika“, sagt Volker Leuoth mit einem Lachen im Gesicht. Öcher Jong und Afrika — das soll zusammenpassen? Und ob. Denn als Ali 1992 mit seinen beiden Freunden Abdel und Ftah von Marrakesch nach Aachen kam, begann sein neues Leben in Deutschland, welches er sich Stück für Stück aufgebaut hat und das ihn zu dem machte, was er heute ist: ein waschechter Öcher.

Den Weg dorthin und die vielen Hindernisse und Hürden, die Ali Ben Moulay gemeinsam mit seinen Freuden erlebt hat, beschreibt Volker Leuoth in seinem Buch „Alis Reise nach Aachen“. „Als Ali mir erzählte, wie er in die Kaiserstadt gekommen ist und wie seine ersten Eindrücke hier waren, kam mir sofort die Idee, daraus ein Buch zu machen. Das Ganze war einfach unglaublich interessant“, erzählt Leuoth.

Er und Moulay waren Kollegen am College der VHS und unterrichteten dort Jugendliche. Leuoth als Biologie- und Deutschlehrer und Moulay als Dozent für Elektrotechnik. Die Geschichte beschreibt auf humorvolle Art und Weise, wie der Neuanfang in einem völlig fremden Land mit einer völlig fremden Kultur vonstatten geht. So trifft afrikanische Gelassenheit auf typisch deutsche Bürokratie, Ordnung und Disziplin. „Anfangs gab es viele Hürden zu meistern“, erinnert sich Ali Moulay und ergänzt: „Ich wollte hier an der RWTH studieren und musste dafür natürlich eine Deutschprüfung absolvieren und jede Menge Formulare und Anträge ausfüllen. Das war schon eine Menge.“

Mit seiner liebenswürdigen Naivität versucht er die Hindernisse der Völkerverständigung zu meistern. Gleichzeitig thematisiert er Klischees und Vorurteile, denen er als Moslem und Nordafrikaner ausgesetzt ist, und wundert sich über Eigenarten wie das Öcher Platt und die Frage, warum die Deutschen selbst mitten in der Nacht an roten Ampeln stehen bleiben. Apropos Öcher Platt, wie sieht es denn aus mit dem Sprachverständnis? „Ich verstehe es etwas, aber kann es nicht sprechen“, antwortet Moulay.

Was er dafür allerdings umso besser kann: die Kulturen und das Lebensgefühl zweier Heimaten optimal in sich vereinen. Und diesen Aspekt schätzte sein Freund und Kollege Leuoth beim Schreiben seiner Biografie besonders, wie er betont. „,Alis Reise‘ ist ein Buch für Zugezogene und Dagebliebene, für Dagewesene und für alle, die sich in der Überzeugung treffen, dass die Liebe zu einer gemeinsamen Heimat keine Nationalitäten kennt.“

Das Buch „Alis Reise nach Aachen“ von Volker Leuoth und Ali Ben Moulay ist im Verlag Mainz erschienen (ISBN: 978-3-8107-0281-4).