Ein Besuch bei der Stadionregie beim CHIO in Aachen

Stadionregie beim CHIO : „Live gibt es nur eine Chance“

Über einen Mangel an Optionen kann sich Kerstin Petters eigentlich nicht beklagen. An ihrem Arbeitsplatz gibt es nicht nur jede Menge Knöpfe. Vor ihr stehen auch noch zahlreiche Bildschirme, die jeweils einen etwas anderen Ausschnitt des CHIO-Geländes zeigen. Trotz all dieser Möglichkeiten lässt sich die Arbeit der Bildmischerin dennoch auf eine simple Formel reduzieren: „Entweder du hast das Bild, oder du hast es nicht.“

So beschreibt es zumindest René Alles. Der Projektleiter bei der Kölner Produktionsfirma Bestboys bezieht sich mit dieser Aussage bei Weitem nicht nur auf die Arbeit der Bildmischerin. Es ist eine Formel, die sich auf sein komplettes Team übertragen lässt.

Fast immer, wenn in der Soers auf einem Bildschirm ein springendes Pferd oder ein jubelnder Reiter zu sehen sind, wurde dies von dem Kölner Unternehmen produziert. Auch der Großteil der Fernsehbilder, die vom CHIO um die Welt gehen, stammen aus den Händen der Bestboys. Und die sind durchaus zahlreich vertreten. „In der Spitze sind wir am Samstag mit 120 Leuten im Einsatz“, sagt Alles. Dazu gehören Kameramänner, Ton- und Bildmischer genauso wie Techniker und die drei Personen starke Aufnahmeleitung. Es ist der Turniertag, der von der Produktionsfirma am meisten abverlangt. Durch die Vielzahl der Prüfungen, die parallel stattfinden, könne man das durchaus mit den Olympischen Spielen vergleichen, sagt Alles, wenn auch in etwas kleinerer Form.

Damit die Zuschauer vor Ort, vor dem Fernseher und im Internet immer den besten Blick auf das Geschehen haben, stehen in der Soers allein vier Container voller Technik bereit. Dazu kommen ein Übertragungswagen sowie zwei weitere Sattelzüge mit allerlei Equipment. Mit der Übertragung eines Fußballspiels sei das nicht zu vergleichen, sagt der Projektleiter. „Da fährt man zum Stadion, baut auf, produziert und fährt wieder zurück.“ Ganz anders beim CHIO. „Allein der Aufbau dauert vier Tage“, berichtet Alles. Auf Sendung sei man quasi den ganzen Tag. Der Startschuss fällt 15 Minuten bevor das erste Pferd startet, Sendeschluss ist 20 Minuten nach dem letzten Pferd. Lange Tage, wenig Schlaf.

Vieles von dem, was die Männer und Frauen in dieser Zeit leisten, dürfte den Besuchern und Zuschauern gar nicht bewusst sein. Als Beispiel nennt René Alles den Ton. „Fernsehen ohne Ton funktioniert nicht. Aber das fällt erst auf, wenn er fehlt.“ Damit es in Aachen an nichts fehlt, ist eine einzige Person damit beschäftigt, den ganzen Tag über drahtlose Mikrofone im Springstadion aufzustellen. Neben jedem Hindernisse werde eins drapiert, lässt Alles hinter die Kulissen blicken. Damit jedes Schnaufen der Pferde und jedes gerissene Hindernis in Topqualität zu hören ist. Und der Parcours ändert sich ständig.

„Die besondere Herausforderung in Aachen ist, dass kein Tag gleich ist“, sagt Alles. Und ganz gleich wie viele Prüfungen auf dem Programm stehen, ein Grundsatz gelte jeden Tag: „Bei einer Live-Sendung hast du nur eine Chance, und der Moment ist weg.“ Und genau diesen gilt es einzufangen.