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Eilendorf: Eilendorfer suchen nach Alternativen

Eilendorf : Eilendorfer suchen nach Alternativen

Melanie Häusler-Mager ist die Aufregung deutlich anzusehen, wenn sie zur künftigen Schulentwicklung Aachens spricht, über die in dieser Woche ein weiteres Mal verhandelt wurde: „Alle reden nur von der vierten Gesamtschule. Niemand aus der Politik scheint die Gemeinschaftsschule für eine wirkliche Alternative zu halten.”

Häusler-Mager ist Schulpflegschaftsvorsitzende der Hauptschule Eilendorf. Einer der Hauptschulen also, die nach den Plänen von CDU, SPD und Grüne geschlossen werden sollen.

Dabei biete die Gemeinschaftsschule - ein von der Landesregierung vorgeschlagenes neues Modell - die Möglichkeit, den Schulstandort Eilendorf zu erhalten. Diese Überlegungen habe man vorgetragen, aber keine Rückmeldung der Politik erhalten. „Uns ist klar, dass die Hauptschule Eilendorf keine Zukunft hat”, sagt Schulleiter Klaus-Reiner Börger. Er hält den Standort Eilendorf aber für erhaltenswert und glaubt auch, dass er überlebensfähig ist, wenn man eine Gemeinschaftsschule etabliere.

Das Konzept Börgers sieht gemeinsames Lernen bis zur 6. Klasse vor und danach eine Differenzierung nach Schularten. So könne man die Schüler sowohl auf eine Berufsausbildung als auch auf die Oberstufe vorbereiten. Das Problem: Der schulische Partner, der die Eilendorfer Schüler zum Abitur führen könnte, fehlt derzeit. Man sei diesbezüglich in Gesprächen mit zwei Gesamtschulen, sagt Börger. Auch eine kooperierende Realschule, die die Landesregierung für die Gründung einer Gemeinschaftsschule vorschreibt, ist nicht in Sicht.

Die von der Landesregierung vorgegebene Dreizügigkeit - also mindestens 75 Schüler pro Jahrgang - hält Börger für erreichbar, auch wenn die Schülerzahl in der fünften Klasse derzeit bei 20 liegt. „In zwei Jahren werden 150 Schüler die Eilendorfer Grundschulen verlassen. Ich bin sicher, dass wir sowohl die nötige Schülerzahl als auch die heterogene Zusammensetzung, also 30 Prozent Schüler mit einer Gymnasialempfehlung, erreichen können.”

Auch die Unterbringung der 450 Schüler im Schulgebäude an der Kaiserstraße, das sich die Hauptschule mit der Grundschule teilt, hält Börger für machbar. „Eine solche Gemeinschaftsschule hat den entscheidenden Vorteil, dass sie überschaubar bleibt und somit auch den schwächeren Schülern gerecht wird”, sagt Häusler-Mager von der Schulpflegschaft.

Man wünsche sich, dass die Politik sich Zeit lässt und nicht voreilig die Gesamtschule präferiere. Denn dann seien Gemeinschaftsschulen sowieso nicht mehr umsetzbar. „Wir haben aber schon den Eindruck, dass der politische Wille fehlt”, so Häusler-Mager.

Ein Eindruck, den die politischen Vertreter nicht bestätigen können. „Schulschließungen sind immer ein schmerzhafter Prozess”, räumt Ulla Griepentrog, schulpolitische Sprecherin der Grünen, ein. Man habe die Diskussion beim Runden Tisch keinesfalls gelenkt.

Die beteiligten Schulvertreter hätten das Thema vierte Gesamtschule in den Mittelpunkt gestellt, was im Übrigen die gesamtgesellschaftliche Diskussion widerspiegele. „Man muss einfach sehen, dass die Kooperationspartner für die Hauptschulen nicht gerade Schlange stehen.” Diese seien für eine Gemeinschaftsschule allerdings zwingend erforderlich.

Auch Matthias Dopatka, schulpolitischer Sprecher der SPD, ist nicht grundsätzlich gegen Gemeinschaftsschulen, hält sie aber im Falle der Hauptschule Eilendorf für keine Rettungsoption. „Die Zahl von 75 Schülern ist unrealistisch.” Abgesehen davon sei die Schule im derzeitigen baulichen Zustand nicht in der Lage, die angestrebten 450 Schüler aufzunehmen. Die Eilendorfer kündigen an, dass sie weiter für ihren Schulstandort kämpfen werden. Der nächste Termin ist das Bürgerforum Ende Oktober, bei dem sie für ihre Gemeinschaftsschule werben wollen.