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Naturschutzbund appelliert: Efeu nicht von Bäumen entfernen!

Naturschutzbund appelliert : Efeu nicht von Bäumen entfernen!

Efeu bitte nicht von Bäumen entfernen! Diesen dringenden Appell richtet der Naturschutzbund (Nabu) an die Aachener.

Vermehrt seien abgeschnittene Efeutriebe (Hedera helix) an Baumstämmen im Stadtgebiet aufgefallen, teilt der Nabu mit. So habe etwa Helmut Kreusch, Ansprechpartner für Botanik beim Nabu-Stadtverband Aachen, armdicke durchtrennte Efeutriebe in Sief und an anderen Stellen entdeckt. „Die Leute denken, sie tun den Bäumen etwas Gutes, dabei machen sie viel mehr kaputt als sie retten“, sagt Kreusch. Weit verbreitet ist offenbar die Furcht, der Efeu könne den Baum schädigen oder gar abtöten. Diese Sorgen sind laut Nabu jedoch unbegründet. „Ganz im Gegenteil profitieren nicht nur die Bäume, sondern auch zahlreiche Tierarten von dem ökologisch hochwertigen Efeubewuchs“, heißt es in der Pressemitteilung.

Das Blattwerk bietet im Frühjahr einen Unterschlupf für Insekten sowie Brutmöglichkeiten für Vögel wie etwa Amseln, Zaunkönige, Sommergoldhähnchen oder den Zilpzalp. Im Herbst ist der Efeu wichtig als Nahrungsquelle für Insekten, denn er blüht von September bis spät in den Herbst hinein, wenn die meisten anderen Pflanzen verblüht sind und keinen nährreichen Nektar mehr bieten. Zu den zahlreichen Besuchern der Efeublüten in dieser Zeit gehören Schwebfliegen, Marienkäfer, Schmetterlinge wie der Admiral, Ameisen, Bienen, Faltenwespen, Solitärwespen oder Feuerwanzen. Allerdings bildet der Efeu erst Blüten aus, wenn er rund 20 Jahre alt ist und nicht zu stark beschnitten wurde. Im Winter sind die Beeren ein beliebtes Nahrungsangebot für Vögel wie bspw. Amseln, Drosseln oder Stare.

Viele Mythen ranken sich um den Efeu. Doch entgegen dem weitverbreiteten Glauben sei die Kletterpflanze kein Schmarotzer, sie entziehe den Bäumen weder Nährstoffe noch Wasser und sondere auch keine schädigenden Substanzen ab, betont der Nabu. Efeu brauche lediglich eine Stütze, um in die Höhe zu wachsen. Tatsächlich kann das üppige Wachstum des Efeus für kleine oder schwache Bäume ein Problem werden, wenn er sie überwuchert und ausdunkelt. Doch für ausgewachsene Bäume besteht laut Nabu keine Gefahr des Einbrechens und die Efeupflanze hat sogar eine positive Wirkung. So schützt ihr dichtes Blattwerk den Baum im Sommer vor direkter Sonneneinstrahlung und Verdunstung sowie im Winter vor Frost.

Dass der Efeu in den Baum einwachsen, ihn ersticken oder erwürgen könne, ist demnach ebenfalls ein Irrtum. Genaue Beobachter werden feststellen, dass kein Einwachsen zu erkennen ist. Genauso gibt es keine Konkurrenz um Licht, da Efeu im Bereich der sogenannten Schattenkrone wächst, welche nur ein Drittel der Photosyntheseleistung des Baums ausmacht.

Besonders im Herbst sind die Blüten des Efeus eine wichtige Nahrungsquelle für Insekten, zum Beispiel Wildbienen. Foto: MHA/Ulrich Schwenk

In der Innenstadt mit wenigen Freiflächen sind Efeuwände ebenfalls bedeutsame Kleinbiotope und unterstützen die Artenvielfalt. Ähnlich wie bei Bäumen mildert das Efeulaub Temperaturextreme und filtert Feinstaub aus der Luft. Da die Pflanze wenige Ansprüche an Boden, Licht und Wasserversorgung stellt – nur zu trocken darf es nicht sein – wächst sie auch dort noch gut, wo kein Platz für Bäume ist. „Aus ökologischer wie stadtklimatischer Hinsicht ist es daher ausgesprochen nachteilig, dass der Efeu bei der Grünpflege offenbar auf der Liste der unerwünschten Pflanzen steht und gnadenlos gekappt wird, wo immer er sich zu weit hinaufwagt“, bilanzieren die Naturschützer.

 www.NABU-Aachen.de

(red)