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E-Mobilität aus Aachen: E-Lkw der RWTH absolviert erfolgreiche Probefahrt

E-Mobilität aus Aachen : E-Lkw der RWTH absolviert erfolgreiche Probefahrt

Die RWTH Aachen meldet einen großen Erfolg: Der europaweit erste Prototyp eines reinen Elektro-Lkw mit Oberleitungsstromabnehmer wurde in Berlin realen Bedingungen ausgesetzt.

Der Lehrstuhl „Production Engineering of E-Mobility Components“ (PEM) der RWTH Aachen hat den europaweit ersten Prototypen eines reinen Elektro-Lkw mit Oberleitungsstromabnehmer erfolgreich realen Bedingungen ausgesetzt. Das Fahrzeug kam dazu auf dem fünf Kilometer langen „eHighway“ von Siemens in der Nähe von Berlin zum Einsatz.

An dem vom Bundesumweltministerium geförderten Forschungsprojekt „LiVe“ sind neben PEM auch das Werkzeugmaschinenlabor (WZL) der RWTH Aachen und der japanische Fahrzeughersteller Isuzu beteiligt.

„Die Kombination von Batterie und Pantograph eines rein elektrisch betriebenen Nutzfahrzeugs funktioniert“, sagt PEM-Leiter Achim Kampker: „Die wertvollen Erkenntnisse werden jetzt in die weitere Entwicklung einfließen.“

In den vergangenen Monaten hatte das Team des RWTH-Professors bereits diverse Fahrtests in Aachen absolviert und das sogenannte Anbügeln des Pantographen an die Oberleitung im Stand simuliert. Auf der Teststrecke in Groß Dölln bei Templin konnte der Lkw zum ersten Mal während der Fahrt mit der Oberleitung kontaktieren und über den Pantographen mit Strom zum Antrieb versorgt werden.

Der Prototyp aus dem Projekt „Lebenszyklus-Kostenreduktion im elektrischen Verteilerverkehr“ (LiVe) war im vergangenen Dezember erstmals vorgestellt worden. Von den aktuellen Messdaten soll auch das Forschungsvorhaben „LiVePLuS“ profitieren, das sich der „Lebenszyklus-Kostenreduktion im elektrischen Verteilerverkehr durch pantographenbasierte Baukastensysteme für Lastkraftwagen und Sattelzugmaschinen“ widmet. In diesem Projekt elektrifiziert der RWTH-Lehrstuhl PEM Sattelzugmaschinen für den Schwerlastverkehr ebenfalls über die Oberleitung.

Unterdessen sollen im nächsten Fahrzeugaufbau des Projekts „LiVe“ Erfahrungen mit Brennstoffzellen gesammelt werden, um dem Ziel eines modularen Antriebsstrangs näherzukommen.

„Schwere Lkw sind für einen signifikanten Anteil der heutigen CO2-Emissionen aus dem Verkehrssektor verantwortlich“, sagt PEM-Leiter Kampker: „Wegen des hohen Energiebedarfs solcher schweren Langstrecken-Fahrzeuge gibt es bislang keine wirtschaftliche Lösung für deren Elektrifizierung.“

Mit rund 20 Prozent der gesamten jährlichen Treibhausgasemissionen bildet der Verkehrs- und Mobilitätssektor einen der deutschlandweit größten Emittenten. 35 Prozent davon erzeugt alleine der Güter- und Warenverkehr.

Das Projekt „LiVe“ (kurz für „Lebenszykluskostenreduktion im elektrischen Verteilerverkehr“) beinhaltet die Entwicklung mehrerer Elektro-Lkw, deren Antriebsstrang sich je nach Anwendungsfall wählen und dadurch wirtschaftlich optimieren lässt. Der erste reine Elektro-Lkw mit Oberleitungsstromabnehmer hat somit den ersten Praxistest erfolgreich bestanden.

(red)