Aachen: Düster und zum Lachen: Mörgenstheater zeigt „norway.today“

Aachen: Düster und zum Lachen: Mörgenstheater zeigt „norway.today“

Zwei Jugendliche lernen sich im Chat kennen und verabreden sich zum gemeinsamen Selbstmord. Sie empfinden ihr Leben als langweilig, vorhersehbar und einfach nicht echt. Darum geht es in dem Theaterstück „norway.today“, das viel weniger düster ist als auf den ersten Blick zu erwarten. Am 13. November um 20 Uhr feiert die Inszenierung von Mazdak Tavassoli im Mörgens Premiere.

Julie und August, gespielt von Nele Swanton und Felix Strüven, sind 17 und 19 Jahre jung. Zunächst kennen sie sich nicht persönlich, nur aus dem Internet. Trotzdem beschließen sie recht schnell, gemeinsam Selbstmord zu begehen. Sie haben das Gefühl, ihr Leben sei ein Fake, nicht echt, und stattdessen vorhersehbar und überhaupt nicht reizvoll. Und nicht nur ihr jetziges Leben erscheint ihnen nicht lebens- und erlebenswert, auch die Zukunft als Erwachsene bringt keinen Trost.

Sie entsprechen noch nicht einmal dem klischeehaften Jugendlichen, der in eine Depression verfällt und sich umbringt. Eigentlich sind Julie und August sogar lebensfrohe Menschen, die mit- und übereinander lachen können, für die das Leben und alles, was sie erwartet, aber einfach keinen Reiz hat. Durch das Internet wird man mit Bildern und Videos aus allen Teilen der Welt versorgt, sieht Reisen zu fremden Völkern, Gipfelbesteigungen, aber auch von Krieg und Not. Regisseur Mazdak Tavassoli erklärt: „An diesem Punkt, erfüllt von dem Gefühl ihr Leben sei langweilig, vorhersehbar und es gebe nichts mehr zu entdecken, befinden sich Julie und August, als sie sich an einer Klippe in Norwegen wie verabredet treffen.

Beruht auf wahrer Begebenheit

Hier verbringen sie einen Tag zusammen, lernen sich kennen. Gemeinsam haben sie zum ersten mal das Gefühl, etwas Echtes und Beeindruckendes intensiv zu erleben, als sie an der 600 Meter tiefen Klippe stehen und hinunterblicken.“ Schließlich drehen sie gemeinsam Abschiedsvideos für ihre Familie und Freunde. So traurig und düster die Geschichte aber klingt, handelt es sich bei dem Stück um eine Komödie. Zwischen den beiden entwickeln sich immer wieder ungewollt komische Situationen und trotz der Tragik der Handlung gibt es viel zu lachen.

Igor Bauersima hat das Stück, das auf einer wahren Begebenheit beruht und von einer Zeitungsnotiz inspiriert wurde, im Jahr 2000 verfasst. Vor allem Jugendliche, aber auch Erwachsene werden sich wohl mit der manchmal schweren Identitätssuche der Protagonisten in einer von so vielen medialen Reizen überfluteten Welt identifizieren können. Und so viel kann verraten werden: Das Ende ist alles andere als vorhersehbar.

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