Aachen: Droht dem Suermondt-Ludwig-Museum die Schließung?

Aachen : Droht dem Suermondt-Ludwig-Museum die Schließung?

Deutlichere Worte hätte Peter van den Brink wohl nicht finden können: „Wenn die Politik Nein sagt, dann befürchte ich, dass wir das Museum schließen müssen.“ Der Leiter des Suermondt-Ludwig-Museums wählt diese Worte durchaus bewusst. Seit Jahren betont er, dass das Gebäude an der Wilhelmstraße dringend eine neue Klimaanlage benötigt.

1994 wurde die Klimatisierung im Zuge einer Generalsanierung verbessert, doch schon 18 Jahre später, Ende 2012, wurde die Anlage in einer Verwaltungsvorlage als „nicht ausreichend“ bezeichnet, um den schadensfreien Bestand aller Kunstwerke „nach heutigen Kriterien“ zu sichern. Immer wieder komme es zu Ausfällen. Das erhöhe nicht nur das Gefährdungspotenzial für die Exponate. Sondern auch die Haftungsrisiken für das Museum, wenn es von anderen Häusern Kunstwerke ausleiht.

Nicht ausreichend: 1994 wurde die Klimatisierung im Suermondt-Ludwig-Museum verbessert. Für Werke wie Albrecht Dürers „Der heilige Hieronymus im Studierzimmer“ (kleines Bild) reicht das nicht. Foto: imago/epd

Passiert ist seitdem wenig. Und das muss sich laut van den Brink ändern. Und zwar bald. Denn ohne eine neue Klimaanlage dürfte auch die groß angekündigte und beworbene Dürer-Ausstellung ins sprichwörtliche Wasser fallen. Und die soll schließlich ab 7. Oktober 2020 rund 100.000 Besucher nach Aachen locken. Die Gesamtkosten für die Ausstellung im Suermondt-Ludwig-Museum sowie in den beiden Parallelausstellungen im Ludwig Forum und im Centre Charlemagne sind auf 4,64 Millionen Euro veranschlagt — zu stemmen vor allem aus Fördermitteln der öffentlichen Hand und diverser Sponsoren. Der städtische Eigenanteil soll bei 610.000 Euro liegen.

Rechnet damit, dass das Suermondt-Ludwig-Museum vorübergehend schließen muss: Museumsleiter Peter van den Brink. Foto: Michael Jaspers

Temperaturen und Luftfeuchtigkeit wichtig

Damit die wertvollen Exponate nicht zu Schaden kommen, müsse die Innentemperatur im Museum konsequent bei 18 Grad Celsius liegen, erläutert der Museumsleiter. „Wenn es draußen bis zu 30 Grad Celsius warm ist, ist das mit einer unzuverlässigen Anlage nicht zu machen.“ Wichtig sei zudem eine Luftfeuchtigkeit zwischen 52 und 57 Prozent. Zu trockene Luft greife vor allem Holz an. Die Holzfasern schrumpften dann zusammen, die Farbschichten träten nach vorne. „Für Holztafeln wäre das katastrophal“, betont van den Brink. „Und die Gemälde von Dürer sind alle auf Holz angefertigt.“

Die Dürer-Ausstellung sei deshalb auch nicht der Grund für die Erneuerung der Klimaanlage, sondern lediglich der Anlass, diese nun auch endlich umzusetzen. Bei Dürer wäre das finanzielle Risiko im Schadensfall schlicht und ergreifend zu groß.

Ob die neue Klimaanlage im Suermondt-Ludwig-Museum wirklich kommt, das soll, so berichtet van den Brink, der Stadtrat im Oktober entscheiden. Wenn die Politik der Investition zustimmt, könne im März kommenden Jahres mit den Arbeiten begonnen werden. Wie hoch diese Investition sein wird, darüber kann van den Brink keine Angaben machen. Auch die Dauer der Bauarbeiten — auch bei zeitweiser Schließung — sei noch in der Schwebe. „Erst wenn der Stadtrat entscheidet, können die Pläne konkretisiert werden. Dann wissen wir auch, ob wir die Bilder hängen lassen können.“ Der Museumsleiter rechnet jedoch damit, dass die Arbeiten rund ein Jahr dauern und — so die Hoffnung — im April 2020 fertiggestellt sind. Im darauffolgenden Mai könne man dann mit der Gestaltung der Dürer-Ausstellung beginnen.

Dass das Museum während der Bauarbeiten durchgehend geöffnet bleibt, glaube er indes nicht. Doch auch darüber, wie lange Kunstliebhabern das Museum verwehrt bleiben könne — ob Wochen oder gar Monate —, will der Museumsleiter gegenüber unserer Zeitung keine Prognose wagen. Dass diese Investition für den Museumsstandort an der Wilhelmstraße unerlässlich ist, daran lässt er keinen Zweifel. Nicht nur, aber eben gerade auch wegen Albrecht Dürer. „Es gibt aus meiner Sicht keinen wichtigeren Künstler als Dürer“, sagt van den Brink.

Leihgaben aus wichtigen Dürer-Sammlungen

Mit „regulären“ Ausstellungen sei der Aufwand, mit dem die Dürer-Ausstellung verbunden ist, deshalb nicht zu vergleichen. „Das sind nur Top-Stücke, nur ‚Mona Lisas‘, nach denen wir fragen“, sagt van den Brink begeistert und gewährt gerne einen Blick in die Ausstellung, wie er sie sich aktuell vor seinem inneren Auge vorstellt. Für 75 Dürer-Zeichnungen liegen bereits Zusagen vor. Die Leihgaben stammen aus den wichtigsten Dürer-Sammlungen der großen Museen: dem Louvre in Paris, dem British Museum in London, dem Kupferstichkabinett Berlin und der Albertina in Wien. Hinzu kommen Gemälde anderer Künstler, die Dürer selbst darstellen oder seine Werke kopieren, und Originalskulpturen, die wiederum der deutsche Maler mit Zettel und Stift für die Nachwelt verewigte.

Um diese Exponate für Aachen zu sichern, tingelt van den Brink um die ganze Welt. Gerade erst ist er aus London zurückgekehrt. Der persönliche Kontakt sei wichtig. „Es ist einfacher, in einer Mail Nein zu sagen, als von Angesicht zu Angesicht“, weiß der Museumsleiter. Schließlich verleihen die renommierten Häuser die wertvollen Werke nicht mal eben so. Zumal Dürer zu den teuersten Künstlern der Welt gehöre. So schätzt van den Brink die Gesamtversicherungssumme für die rund 120 Exponate auf 500 bis 600 Millionen Euro. Allein für den „Aachener Hund“, die teuerste Zeichnung, die er vom British Museum ausleihen werde, verlange die Londoner Institution eine Versicherungssumme von 20 Millionen Pfund.

Im Herbst kommenden Jahres hofft van den Brink Klarheit darüber zu haben, welche Exponate die Besucher vom 7. Oktober 2020 bis 10. Januar 2021 neben dem „Aachener Hund“ und dem berühmten Werk „Der heilige Hieronymus im Studierzimmer“ im Suermondt-Ludwig-Museum betrachten können. Die Arbeit sei dann aber längst nicht vorbei. „Dann müssen wir noch den Katalog schreiben.“

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