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Aachen: DRK-Prozess: Ein Jahr auf Bewährung für den Ex-Geschäftsführer

Aachen : DRK-Prozess: Ein Jahr auf Bewährung für den Ex-Geschäftsführer

Am Ende des gut zweimonatigen Strafprozesses um den Aachener DRK-Skandal standen ein paar deutliche Worte. „Sie hätten sich einiges ersparen können”, sagte der Richter dem Angeklagten. Und er meinte damit unter anderem die Höhe der Strafe.

Zu einem Jahr Haft auf Bewährung wegen Untreue in 22 Fällen ist der ehemalige Geschäftsführer des DRK-Kreisverbandes Aachen-Stadt am Mittwoch vor dem Aachener Landgericht verurteilt worden.

Außerdem muss er 100 Sozialstunden in einer gemeinnützigen Einrichtung ableisten.

Der heute 59-Jährige war vor zwei Jahren über dicke Sportwagen und fragwürdige Beraterverträge gestolpert. Neben seinem Dienstwagen für den DRK-Kreisverband, einem BMW X3, fuhr er nacheinander zwei 404 und 620 PS starke Chevrolets der Marke Corvette auf Kosten einer kleinen DRK/AWO-Tochtergesellschaft.

Außerdem bezog er mehrere Gehälter in Höhe von insgesamt rund 16.000 Euro pro Monat. Nach den ersten Berichten der Aachener Zeitung über diesen Skandal wurde er fristlos entlassen, und die Staatsanwaltschaft nahm Ermittlungen auf.

Bis zum letzten Prozesstag verlor er indes kaum ein Wort der Reue, offenbarte er wenig Unrechtsbewusstsein.

Das hatte Folgen: „Was fehlt, ist die Einsicht in Ihre Taten, sonst hätten wir noch zu einer wenn auch hohen Geldstrafe kommen können”, erklärte Harald Brandt, Vorsitzender Richter der 8. Strafkammer des Landgerichts.

Dass der Ex-Geschäftsführer die Sportwagen widerrechtlich auf Firmenkosten fuhr, daran ließ das Gericht keinen Zweifel: „Ein Dienstfahrzeug ist ein Lohnbestandteil, über den der Beirat zu entscheiden hatte. Aber der Beirat war nicht informiert.”

Die Kammer bezifferte den Schaden durch Fahrzeuge und fingierte Beratergeschäfte auf mehr als 80.000 Euro. Ursprünglich waren waren Taten im Umfang von rund 120.000 Euro angklagt worden. Doch in einigen unklaren Beratungsfällen wurde der Ex-Geschäftsführer freigesprochen.