Aachen: DRK: Neue Wege vier Jahre nach dem Skandal

Aachen: DRK: Neue Wege vier Jahre nach dem Skandal

So ganz ist die Sache bei manchem noch nicht aus dem Kopf. Zu einschneidend war das, was sich im Kreisverband Aachen-Stadt des Deutschen Roten Kreuzes vor ziemlich genau vier Jahren abspielte. Der Aachener Skandal zog seinerzeit bundesweit Kreise.

Es ging unter anderem um sündhaft teure Dienstwagen, die der damalige Geschäftsführer pilotierte - darunter eine 400 PS starke Chevrolet Corvette. „Ja, darauf wird man auch heute manchmal noch angesprochen”, sagt Dr. Michael Dreuw. „Aber ich kann dann guten Gewissens sagen, dass diese Zeit vorbei ist”, fügt der Kinderarzt an.

Die „Zeit danach” war für den heutigen Vorsitzenden und das gesamte DRK in Aachen wahrlich alles andere als einfach. Mitglieder kehrten dem Wohlfahrtsverband ebenso den Rücken wie Spender. Weil der frühere Vorstand keine Rücklagen gebildet hatte, musste sogar das DRK-Haus an der Robensstraße verkauft und dann zurückgemietet werden. Jetzt aber, so sagt Dreuw, fährt das Aachener DRK-Schiff wieder in ruhigerem Fahrwasser. Streit und Zank seien Vergangenheit. Und es ist die Zeit gekommen, ganz neue Wege zu gehen.

Keine Kündigungen

Am 21. Mai wird der große Tag sein. Dann gibt es im Technologiezentrum am Europaplatz eine große Mitgliederversammlung. Ebenfalls an diesem Tag wird der Kreisverband Aachen-Kreis tagen. Und mit ebendiesem wird der Kreisverband Aachen-Stadt - so die Mitglieder zustimmen - „verschmelzen”. Danach wird es einen Kreisverband Städteregion Aachen und als Ortsverband desselben einen Stadtverband Aachen geben. Was steckt hinter der Fusion? „Die hauptamtlichen Kräfte aus Aachen-Stadt werden in den neuen Kreisverband übergehen”, erklärt Michael Dreuw. Personelle Konsequenzen wird das nicht haben: „Es wird keinerlei verschmelzungsbedingte Kündigungen geben”, so der Stadt-Vorsitzende. Und: Alle in Aachen vom DRK gemieteten Liegenschaften bleiben DRK-Häuser. „Jeder bleibt an seinem Platz, alles andere würde auch organisatorisch keinen Sinn machen”, sagt der Mediziner.

Im neuen Stadtverband wird die ehrenamtliche Arbeit vereint bleiben. Dreuw: „Die lokale Identität bleibt auf jeden Fall erhalten.” In Aachen gibt es vor allem ein außergewöhnlich großes ehrenamtliches Engagement im sozialen Bereich.

Und warum diese Fusion? „Das wird die Rotkreuzarbeit stärken”, ist der Vorsitzende überzeugt. Langfristig sei der städtische Kreisverband zu klein und habe keine Expansionsmöglichkeiten. Der Verband im ehemaligen Kreisgebiet ist deutlich größer - etwa im Verhältnis zwei Drittel zu einem Drittel. Dreuw sieht gerade nach dem Pulverdampf des Skandals nun eine „Riesenchance” für den neuen Stadtverband - gerade was die Suche nach Mitgliedern und dringend benötigten Spendern angeht. Weil für rein ehrenamtliche Arbeit heutzutage einfach mehr gespendet werde.

Personalkarussell

Personell wird sich auch einiges verändern. Geschäftsführer des städteregionalen Kreisverbandes wird Peter Timmermanns sein, der auch bisher schon an der operativen Spitze steht. Der Vorstand in der Stadt wird mit dem Ende des hiesigen Kreisverbandes zurücktreten und einem neuen Gremium Platz machen. Für den Vorsitz wird Markus Engels kandidieren. Er ist Rechtsanwalt und vertrat das DRK schon im Zivilprozess gegen den früheren Geschäftsführer. Sein designierter Stellvertreter ist der Kardiologe Norbert Gerich-Düsseldorf. Schatzmeister soll Heinz-Willi Laeven bleiben. Außerdem werden Mitglieder in den neuen Vorstand des städteregionalen Verbandes entsandt. Die Stadt wird einen stellvertretenden Vorsitzenden und drei Beisitzer in dem Gremium stellen.

Michael Dreuw zieht sich aus der Vorstandsarbeit - zumindest auf lokaler Ebene - zurück. „Das habe ich immer gesagt: Wenn diese Aufgabe erfüllt ist, werde ich nicht mehr kandidieren. Jetzt ist sie erfüllt.” Dreuw steht allerdings weiterhin an der Spitze des Landesverbandes, wo er unter anderem zehn Jahre Landesleiter des Jugendrotkreuzes war und derzeit Vizepräsident ist. Dass die „Verschmelzung” kommen wird, dessen ist sich der Noch-Vorsitzende indes sicher: „Wir haben das in vielen gemeinsamen Sitzungen und Veranstaltungen intensiv vorbereitet, damit alles glatt über die Bühne geht.”

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