Aachen: Dreiecks-Möbel und Magerbetten von „Sülzkotlett“

Aachen: Dreiecks-Möbel und Magerbetten von „Sülzkotlett“

Der gemeinsam entworfene Stuhl von Patricia Yasmine Graf und Fabian Seibert ist ein Borderliner. Ein Borderliner? Ja, ganz genau, die gesamten Armlehnen sind komplett voll „geritzt“. Und das Bett ist magersüchtig. So schmal, dass es eher als Bank fungiert.

Graf und Seibert, die unter dem Label „PYG“ und „Sülzkotlett“ arbeiten, verstehen ihre Möbelstücke deshalb auch nicht als bloße Parodie, sondern eher als eine gesellschaftliche Feststellung, die mit einem kleinen Augenzwinkern in das Wohnzimmer integriert werden kann. Mit ihnen zeigen 16 Designer im Rahmen der „Designmetropole Aachen Show“ bereits zum dritten Mal das Ergebnis ihrer Kreativität in der Aula Carolina.

„Fluid-Light-Solid“: Til Hennen präsentierte seine Lichtinstallation. Foto: Andreas Steindl

Kreatives Potenzial sichtbar

Von Möbeln, Leuchten, Objekten, Schmuck und Mode ist alles dabei, was handgemacht und ideenreich ist. Patricia Yasmine Graf ist seit der Gründung des „Netzwerk Designmetropole“ im Jahr 2006 dabei und hofft, dass durch die Show das kreative Potenzial in der Region sichtbar wird: „Wir haben insgesamt 40 sogenannte „proud members“, also Mitglieder, die alle aus Aachen kommen. Jeder hat sein eigenes Label und bei der Show wird deutlich, dass auch in einer kleinen Stadt wie Aachen großes Potenzial zu finden ist.“ In der Mitte der Aula zeigt jeder Teilnehmer ein Teil seiner Kollektion. Auch Clara Scharping präsentiert unter dem Namen „Scharp INC.“ einen Beistelltisch und einen Hocker im Dreiecksformat.

Prägnante Dreiecke

„Ich beschäftige mich viel mit Formen und besonders mit Dreiecken, was sich in den Möbeln widerspiegelt“, erzählt Scharping. Auf die Frage hin, ob die Aachener die Show denn überhaupt wahrnehmen, antwortet sie lachend: „Wir schreien einfach so laut, dass sie gezwungen werden, uns wahrzunehmen. Und wenn sie erst einmal gesehen haben, was wir entwerfen, dann sind sie total begeistert und geben erstaunt zu, dass sie ja nicht damit gerechnet hätten, dass solche Sachen von Aachenern gefertigt wurden.“ Dem kann sich auch Graf nur anschließen. Der Öcher sei eben anfangs immer etwas skeptisch Neuem gegenüber. Aber sei die Begeisterung entfacht, dann unterstütze er bestimmte Projekte auch auf ihrem weiteren Weg, so Graf. Die Designmetropole Aachen hat es in den letzten Jahren sogar auf die Bretter und Messen internationaler Shows geschafft.

Ideenreichtum zahlt sich aus

Das macht deutlich, dass sich die hohe Designerqualität und der Ideenreichtum auszahlen. Neben jeder Menge Mode und Objekte runden Öcher Labels die Show kulinarisch ab. So lockt der Schokoladenduft den Besucher fast wie automatisch zu „Cioccolatini Maya“, wo liebevolle Pralineés und handgefertigte Schokospezialitäten passend zu Weihnachten das Schlemmen ermöglich. Und das alles kommt nicht etwa aus Berlin, sondern mitten aus der „Aachener Provinz“. . .

Mehr von Aachener Zeitung