Aachen: Drei Jugendliche nach dreisten Diebstählen auf freiem Fuß

Aachen : Drei Jugendliche nach dreisten Diebstählen auf freiem Fuß

Dank der beherzten Reaktion mehrerer Zeugen konnte die Polizei am Montagnachmittag drei Jugendliche aus Mazedonien im Alter von 14, 16 und 17 Jahren festnehmen, nachdem sie versucht hatten, einem 76-Jährigen am Elisenbrunnen durch aggressive Ablenkungsmanöver und Pöbeleien eine große Summe Bargeld zu entwenden.

Im Zuge der Ermittlungen stellte sich heraus, dass das 17-jährige Mädchen und ihre jüngeren Komplizen kurz zuvor einem weiteren Senior mit einer ähnlichen Masche einen größeren Geldbetrag gestohlen hatten. Auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft wurde das Trio kurz nach den Taten wieder auf freien Fuß gesetzt — was vor allem in den sozialen Netzwerken am Mittwoch vielfach für geharnischte Kritik sorgte.

Nachdem der 76-Jährige an einem Automaten am Friedrich-Wilhelm-Platz Geld abgehoben hatte, sei er von den Jugendlichen übel drangsaliert, bespuckt und zu Boden geschubst worden, berichtete die Polizei zunächst. Bevor es dem Trio gelang, das Geld an sich zu bringen, griffen Augenzeugen ein. Sie verfolgten die Täter und alarmierten die Ordnungshüter. Die konnten die Diebe am Klosterplatz stellen. Mehrere hundert Euro, die sie bei sich trugen, wurden beschlagnahmt.

Wie die Staatsanwaltschaft bestätigte, stammte dieses Geld offenbar auch aus einer weiteren Tat, die sich bereits am Montagmorgen nach gleichem Strickmuster im Frankenberger Viertel ereignet hatte. Noch während der Ermittlungen nämlich gab ein zweiter älterer Mann auf der Wache zu Protokoll, dass auch er an einem Geldautomaten in der Oppenhoffallee von den drei jungen Tätern um 300 Euro gebracht worden sei. Er erhielt die Summe zurück.

Beleidigungen, aber „kein Raub“

Auch bei dem Übergriff am Elisenbrunnen habe das Trio letztlich fünf Euro erbeutet, erklärte Katja Schlenkermann-Pitts, Sprecherin der Staatsanwaltschaft, am Mittwoch auf Nachfrage. Während es nach ersten Meldungen in einschlägigen Internet-Foren geharnischte Kommentare hagelte — mit dem Beschluss stelle die Justiz sich ein „Armutszeugnis“ aus, hieß es dort etwa — rechtfertigte sie die Entscheidung auf Anfrage mit Nachdruck.

„Von regelrechten Tätlichkeiten war im Vortrag der Polizei nicht die Rede“, betonte sie. Deshalb sei der Vorwurf des Raubes nicht aufrechtzuerhalten gewesen. Zwar hätten die Täter ihre Opfer angepöbelt und massiv belästigt. Auch die Ordnungshüter hätten üble Beleidigungen über sich ergehen lassen müssen, hieß es zudem im Polizeibericht.

Zu körperlichen Übergriffen sei es aber in keinem Fall gekommen, unterstrich die Staatsanwältin. Zumindest materiell sei am Ende keines der Opfer geschädigt worden. Deshalb sei aus juristischer Sicht lediglich der Tatbestand des Trickdiebstahls erfüllt. „Angesichts dessen, dass es sich um Minderjährige handelte, wären hier allenfalls erzieherische Maßnahmen wie etwa Sozialstunden zum Tragen gekommen“, sagte sie.

Da die drei im Zusammenhang mit einem vergleichbaren Delikt in Oberhausen bereits erkennungsdienstlich behandelt worden seien, stünden ihre Identitäten zwar fest. Ihre Eltern in Südosteuropa zu ermitteln und zu informieren, sei jedoch im Sinne der Verhältnismäßigkeit nicht ernsthaft in Erwägung gezogen worden. Daher seien sie ohne weitere Konsequenzen auf freien Fuß gesetzt worden.

„Schon aus gesetzlicher Sicht ist es nicht angemessen, diese Jugendlichen anders zu behandeln als deutsche Jugendliche“, unterstrich die Staatsanwältin. „Und das ist sicherlich auch richtig so.“ Von organisierter Kriminalität könne ohnedies keine Rede sein.

Schlenkermann-Pitts: „Bislang ist das der erste solche Fall, der mir bekannt ist. Es wäre sicher falsch, sich hier von gewissen Stimmungen in der Bevölkerung mitreißen zu lassen. Die Rechtslage ist eindeutig, und es gibt aus meiner Sicht keinen Anlass, dies zu kritisieren.“

(mh)