Aachen: Drei Freunde betreiben die „Gravieranstalt“ ohne festen Plan

Aachen : Drei Freunde betreiben die „Gravieranstalt“ ohne festen Plan

Die Drei haben sich einen Raum für Kunst und Kultur gewünscht, den sie „ihr Baby“ nennen können, erzählt Hisham Attya. Die sprichwörtliche Vaterrolle teilt er sich mit Lutz Adorf und Michael M. Baier, und ihr Baby, die „Gravieranstalt“ an der Ottostraße, ist nun etwas älter als einen Monat.

Es entwickelt sich prächtig, wie es scheint: „Wir können uns vor Künstleranfragen kaum retten und Konzerte sind mittlerweile schon bis in den Dezember rein geplant“, erzählt Lutz Adorf.

Adorf ist 26 Jahre alt, gelernter Elektriker und freiberuflicher Fotograf. Der gleichaltrige Hisham Attya ist Architekt, nebenbei Musiker und im März 2017 aus Kanada nach Aachen gezogen. Der Bauingenieur Michael M. Baier ist mit 46 der älteste des Trios und Künstler — und alle sind Nachbarn, sie wohnen nebenan in der alten Tuchfabrik. Weil sie durch ihre Nachbarschaft Freunde sind und jeweils nicht ohne Kunst und Kultur können, lag nichts näher, als selbst einen Raum dafür zu schaffen.

Und zwar spontan, Ende 2017 unterschrieben sie den Mietvertrag. 105 Quadratmeter haben sie nun, und zwar dort — wie der Name schon sagt —, wo früher Pokale graviert wurden. Den Raum, in dem im ersten Monat schon bis zu 120 Leute Platz fanden, hatten sie in einem „desaströsen und abbruchreifen Zustand“ übernommen, in einer Lage, die nicht gerade mit Kulturangeboten prahlt.

Was ihnen aber fehlt, ist „ein richtiger Plan“, so sagt es Lutz Adorf — sie haben bloß eine Richtung. „Wir wollen primär lokale Künstler fördern, sind aber offen für alles“, erzählt Adorf weiter. Unter „alles“ fallen zum Beispiel Musiker aus Frankfurt oder Künstler aus Spanien, die schon aufgetreten beziehungsweise angefragt haben. „Bekannte Künstler versuchen wir auch zu bekommen, aber das Kleine, das Versteckte ist eher unsers“, betont Adorf.

Gäste können sich auf regelmäßige Konzerte und Kunstausstellungen aller Art freuen, auch mal parallel. Adorf findet das ein „außergewöhnliches Ambiente“, das mache die Gravieranstalt aus. Im Mai werde es ein Kochevent geben, bei dem „Bilder kulinarisch interpretiert“ werden sollen, ergänzt Michael M. Baier. Vielfältig und originell soll das Angebot sein.

Und „gewinnbringend im Sinne der Kulturförderung“, nicht finanziell, betont Baier. Er ist der ruhigere Pol neben Adorf, ein Typ der Marke machen und anpacken, und Frohnatur Hisham Attya. Er ist gebürtig aus Palestina, in Kuwait aufgewachsen und spricht quasi kein Deutsch, aber ein Wort nutzt er immer, wenn er über das „Baby“ spricht: „Stimmung“, darum geht‘s den Freunden.

Von der Art des Angebots erinnert der neue Kunstraum an die Raststätte im Frankenberger Viertel. Eine Konkurrenz sei ihre Gravieranstalt aber nicht, betont Adorf, vielmehr Ergänzung, außerdem kennt man sich, ist ständig im Austausch. Man könnte auch sagen, dass die guten, engen Freunde helfen können, damit sich ihr „Baby“ weiter so prächtig entwickelt.

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