Aachen: „drehmomente“: Ausstellung zeigt drei Jahrzehnte Handwerksgeschichte

Aachen : „drehmomente“: Ausstellung zeigt drei Jahrzehnte Handwerksgeschichte

Dass am ersten Wochenende im September jede Menge Handwerk zwischen Rathaus und Dom zu sehen ist, ist mittlerweile hinlänglich bekannt. Dieses Jahr gab es sogar noch mehr zu bestaunen. Parallel zum traditionsreichen und beliebten Europamarkt fand im Krönungssaal des Rathauses eine ganz besondere Ausstellung statt.

Unter dem Titel „drehmomente“ zeigte die Akademie für Handwerksdesign Gut Rosenberg insgesamt 66 Arbeiten aus 33 Jahren Handwerksgeschichte. Die Werke der Meister- und Handwerksdesigner sind Ausdruck der Impulse, die die Akademie der Handwerkskammer Aachen setzt.

Die 900 Quadratmeter des Krönungssaals wurden mit hochwertigem Design gefüllt. Zu den Ausstellungsstücken gehörten Examens- und Semesterarbeiten des ersten Studiengangs der Akademie genauso wie Arbeiten, die der erst kürzlich abgeschlossene Studiengang angefertigt hat. Ob aufwendig gestaltete Marionetten, filigrane Kreisel oder robuste Esszimmermöbel aus Birnbaumholz, eines beweist die Akademie für Handwerksdesign seit 33 Jahren: Bei ihnen dreht sich alles um die Vielseitigkeit.

Dabei sind viele Kunstwerke nicht nur schön anzusehen. Die Goldschmiedin Katarina Reiser designt Kunst zum Tragen. Bei ihr hat man die Wahl zwischen außergewöhnlich großen Silberringen mit Gravur und zierlichen Ringen, verziert mit Miniatur-Prinzessinnen. Neben solch kleinen Designstücken standen genauso beeindruckende große Werke, wie etwa Vera Bergs 1999 angefertigten bunten Kommoden oder das von Michael Kals vor 15 Jahren angefertigte Boot.

Dieser ist heute Mitarbeiter einer erfolgreichen Tischlerei in Köln. „Die ganze Akademie ist ein Drehmoment für die Leute, die bei uns waren und sind“, sagt Heimbach, der seit der Geburtsstunde der Akademie als Dozent der Designschmiede dabei ist. Die Studierenden kommen aus ganz Deutschland nach Aachen-Horbach, „sie kommen mit Hunger zu uns, wollen sich entwickeln oder auch ihr persönliches Ruder herumreißen“, so der Diplomdesigner.

Der Präsident der Handwerkskammer Dieter Philipp betonte während der Eröffnung, dass die Möglichkeit, ins Handwerk zu gelangen, nicht immer einfach war. So seien im Zuge der Bildungsreform der 1960er Jahre die Werkkunstschulen in neu geschaffene Fachhochschulen überführt worden. „Dies hatte zur Folge, dass die Türen für Handwerker ohne Abitur zu gestalterischer und künstlerischer Bildung verschlossen waren“, erinnert sich Philipp. Die Handwerkskammern und der Zentralverband des deutschen Handwerks zogen entsprechende Maßnahmen und gründeten vor über 30 Jahren die erste Akademie für Gestaltung. „Sie sehen, Aachen hatte damals schon im richtigen Moment den Dreh raus“, lachte der gelernte Maler.

Heute haben rund 70 Prozent der Studierenden Abitur, einige bereits einen Studienabschluss, aber jeder von ihnen hat als Grundlage eine handwerkliche Ausbildung. Dies ist die wichtigste Voraussetzung für das Studium an der Akademie. „Diese Ausstellung ist eine Art Krönung“, sagte der Kurator Elmar Heimbach über die Retrospektive auf 33 Jahre Handwerk. Und spielte damit sicherlich auch auf den einzigartigen Ausstellungsort an.