Aachen: Drehbuch für Motel One umgeschrieben

Aachen : Drehbuch für Motel One umgeschrieben

Das Drehbuch hatte anstelle des niedergerissenen Elysee-Kinos eigentlich die Einweihung eines neuen Hotels im Herbst dieses Jahres vorgesehen. Doch der Film offenbart Längen. Zwischenzeitlich hatten Archäologen, Architekten, Bauexperten der Stadt und Statiker an unterschiedlichen Stellen die Regie übernommen — so dass die Brache zwischen Kapuzinergraben und Elisabethstraße monatelang unberührt blieb.

Kein Bagger, kein Fortschritt, immer das gleiche Kamerabild. Seit Montag ist klar, dass das, was der Aachener Projektentwickler Landmarken AG durchaus als „großes Kino“ bezeichnen darf, schon in Kürze Gestalt annehmen wird. Im Juni legt der gerade verpflichtete Generalunternehmer los. „Ja, uns liegt nun die entscheidende Baugenehmigung für das Motel One vor. Die Ausführungsplanung wird nun zügig vorangetrieben“, hat Landmarken-Sprecher Kolja Linden am Montag entsprechende AZ-Informationen bestätigt. In den kommenden Wochen starten die „bauvorbereitenden Maßnahmen“, heißt es.

Große Stütze: Bevor der Hochbau beginnt, werden die Nachbarfundamente zwischen Elisabethstraße und Kapuzinergraben „unterfangen“ — also aufwendig stabilisiert. Foto: Michael Jaspers

Begonnen wird dann damit, die Fundamente mehrerer Nachbargebäude „zu unterfangen“, also zu stabilisieren. Untersuchungen hatten zutage gefördert, dass sonst bei Baubeginn ein Abrutschen von alten Nachbargebäuden nicht ausgeschlossen werden kann. Ebenso wurden Probleme durch komplexe Abstandsflächenregelungen gelöst. Und ein weiteres Gebäude in der Nachbarschaft, der Kapuzinergraben 16 links neben dem altehrwürdigen Bankgebäude, konnte inzwischen vom Investor Landmarken AG erworben werden. Auch diese Immobilie soll nun eine wichtige Rolle im neuen Ensemble vis à vis zum Theater Aachen spielen.

Drei Projekte fließen hier unter Federführung der Landmarken AG zusammen: Erstens das Motel One mit rund 260 statt ursprünglich 270 Zimmern anstelle des abgerissenen Kinos. Motel One steht für modernes Hotel-Ambiente in einem jungen Stil — bevorzugt von preisbewussten Geschäftsleuten und Touristen mit Vorlieben für modernes, großstädtisches Design. Daneben wächst hinter dem historischen Bankkomplex ein hochmodernes Bürohaus.

„Wir werden hier rund 5000 Quadratmeter exklusive Bürofläche, angeschlossen an etwa vier Meter hohe Decken des Bankgebäudes, realisieren“, erläuterte Linden. Landmarken-Vorstand Norbert Hermanns hatte wiederholt betont, dass der Bürokomplex ein zukunftsträchtiges Vorzeige-Objekt wird — in dem quasi alles realisiert wird, was in modernen Arbeitswelten bau- und ausstattungstechnisch möglich ist. Dritter Bestandteil der Großbaustelle ist ein Apartment-Komplex. Die RWTH Aachen International Academy mietet 85 Wohnungen an der Elisabethstraße an. „Diese Baugenehmigung lag schon länger vor. Jetzt sind wir komplett. Wir sind froh, dass der rege und intensive Austausch mit der Stadt Aachen nun zu diesem Gesamtergebnis führt“, erklärte Linden.

Mit der Fertigstellung von Motel One, Büro-Komplex und RWTH-Apartment-Anlage rechnet die Landmarken AG nicht vor Ende 2019, spätestens aber Anfang 2020. Die Bauverzögerungen zum ursprünglichen Zeitplan summieren sich damit auf rund zwei Jahre. „Ungewöhnlich ist das aber nicht“, stellte Linden klar. „Gerade in innerstädtischen Lagen, zumal neben historischen Gebäudestrukturen in unmittelbarer Nachbarschaft, ist immer mit Verzögerungen zu rechnen. Darauf muss man eingestellt sein — und das sind wir“, sagte er. Das Ergebnis werde den Bereich am Theater städtebaulich erheblich aufwerten.

So wird das nächste Kapitel aufgeschlagen: Die Stadt schreibt am Drehbuch für die Verkehrsberuhigung neben dem Stadttheater.

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