Dreharbeiten zum Film "Postings" im Marienhospital Aachen

„Aachen ist als Filmkulisse wunderschön“

Für Lina Victoria Schmeink ist ihre Masterabschlussarbeit ein ganz besonderes Projekt. Denn die Aachenerin dreht einen 90-minütigen Spielfilm, der es vielleicht sogar auf die Kinoleinwand schafft.

Es geht um eine Fitness-Influencerin, die einen Karrierebruch erleidet und auf einen Schlag alles verliert. Sie verlässt die Oberflächlichkeit, beginnt mit Menschen zu arbeiten und das wahre Leben außerhalb der sozialen Medien im Internet wahrzunehmen. Was im Leben zählt, ist nicht die Followerzahl auf Instagram…

„Bevor ich Professional Media Creation an der Folkwang-Uni Essen und SAE in Bochum studierte, hab ich ein Semester Medienmanagement studiert“, erzählte Schmeink. „Vorher wusste ich nicht einmal, dass es überhaupt so etwas wie Influencer gibt.“

Diese Luxusleben, das zerfurcht von Leistungsdruck und Ängsten ist, nahm die junge Regisseurin und Co-Autorin als Anlass für einen Film. Viele gute Schauspieler aus Deutschland, wie Iris Nussbaum, Tina Seydel, Nic Romm und Anthony Arndt, waren auf Anfrage sofort begeistert mitzuwirken.

Es sind zwischen 20 und 25 Personen, die sich an die Seite der jungen Regisseurin gestellt haben und ihre Zeit opfern, denn der ganze Film ist eigenfinanziert. „Kein Geld, keine Gagen, alle arbeiten für lau und sind mit Herzblut dabei“, schätzt Schmeink ihr Team. „Wir alle sind mittlerweile gute Freunde.“

Doch „Postings“ wird alles andere als ein Amateurfilm. „Da kommt Topausstattung zum Einsatz, mit dem Profi Thomas ,Anton’ Antoszczyk an der Kamera“, erläuterte Produktionsleiterin Gerlind Amos. Gedreht wird vorwiegend im „Dogma-Stil“, das heißt ohne Spezialeffekte, technische Raffinessen, ohne Illusion und ohne künstliche Beleuchtung. Dafür aber setzt Anton auf eine „dynamische Kamera“, sodass eine sehr lebensnahe Wirkung entsteht, die auch sehr gut zur Handlung des Films passe.

Regisseurin Lina Victoria Schmeink, Hauptdarstellerin Iris Nussbaum und Drehbuchautor Xaõ Seffcheque (von links) sind vom Erfolg ihres Filmprojekts überzeugt. Foto: Andreas Cichowski

Vom 17. Juni bis zum 20. Juli wird an insgesamt 25 Tagen gedreht – und das zum größten Teil in Aachen. „Aachen ist als Filmkulisse wunderschön“, äußerte Schmeink. Und während man beispielsweise in Köln aufgrund zahlreicher Anfragen auf genervte Gemüter stoße, zeige sich die Stadt Aachen sehr kooperativ. „Locations und Drehgenehmigungen sind hier einfach zu bekommen“, so Schmeink. Gedreht wird in Burtscheid, im Marienhospital, in der Innenstadt und natürlich auch am Dom. Weitere Drehorte sind Köln, Witten, Düsseldorf und der Rursee.

Riesige Herausforderung

Dass es so eine riesige Herausforderung werden würde, hätte Schmeink anfangs nicht gedacht. Teilweise wird eine Szene in bis zu zehn verschiedenen Einstellungen gedreht, oft sind mehrere Takes nötig. Pro Tag entstehen so 2,5 bis drei Stunden Material, woraus im Film dann maximal fünf bis sechs Minuten werden. „Zwischenzeitlich dachte ich, es wäre in vier Semestern überhaupt nicht zu schaffen“, erzählte Schmeink. Doch das Team gebe ihr den Mut, es durchzuziehen. „Es ist schön zu erleben, wie die Geschichte auf einmal wahr wird“.

Drehbuchautor Xaõ Seffcheque ist begeistert von der Arbeit der jungen Regisseurin: „Sie macht wunderbare Arbeit, weiß was sie will, hat eine visuell klare Vorstellung und ist nicht aus der Ruhe zu bringen.“ Er unterstützt den Dreh und gibt konstruktive Anregungen – „die Lina auch gerne annimmt“.

Wenn das Produkt fertig ist, muss ein Verleiher gefunden werden, der den Spielfilm schließlich in die Kinos bringt. Als Abschlussarbeit wird das Ergebnis auf verschiedenen Film-Festivals zu sehen sein. Was die Studentin nach dem Abschluss machen möchte? Ganz klar: den nächsten Film!

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