Dr. Michael Ziemons nimmt Arbeit als Dezernent der Städteregion auf

Neuer Sozialdezernent der Städteregion : Mit viel Demut und großer Offenheit in den neuen Job

Tim Grüttemeier lobt die „sehr offene Art“ von Dr. Michael Ziemons. Die hat der Städteregionsrat im Frühjahr gleich bei der ersten Begegnung kennengelernt: Telefonisch hatte sich Ziemons, wie es in der Ausschreibung für die Leitung des Dezernats für Soziales und Gesundheit der Städteregion gefordert worden war, bei Grüttemeier gemeldet.

Und seinen potenziellen neuen Chef gleich vorgewarnt: „Es gibt drei Probleme: Ich bin ein Mann, ich bin CDU-Mitglied, und ich habe von Kommunalverwaltung sehr wenig Ahnung.“

Ehrlich währt am längsten, heißt es ja. Und so ließ sich Grüttemeier von diesen „Referenzen“ nicht abschrecken und lud den Kandidaten trotzdem zum Bewerbungsgespräch ein. Am Ende machte Michael Ziemons das Rennen, setzte sich gegen 17 Mitbewerber durch und bekam den Job. „Damit hatte ich wirklich nicht gerechnet“, räumt der 43-Jährige, der in dieser Woche seinen Dienst angetreten hat, im Gespräch mit unserer Zeitung ein.

Der Städteregionsrat spricht von einem „Glücksgriff“ und ist nach eigenem Bekunden begeistert von der Kompetenz des neuen Dezernenten. Und natürlich hat dieser sowohl am Telefon als auch im direkten Austausch nicht nur von seinen Schwächen berichtet. Michael Ziemons ist ein Mann aus der Region – genauer gesagt ein Ur-Brander. Seine Heimat hat der 43-Jährige nur während des Pädagogik-Studiums in Münster (Abschluss 2002) sowie in seiner Zeit als Bildungsreferent der DPSG Mainz (2003) für längere Zeit verlassen. Als Referent für Jugendpolitik kehrte er nach Aachen zurück und wurde hier von der Katholischen Hochschule NRW zum Wintersemster 2006/2007 als Lehrkraft eingestellt. Im Frühjahr 2010 erhielt er die Professur für Pädagogik am Standort Köln und wurde Dekan des Fachbereichs Sozialwesen.

Dort hätte er beruflich bleiben und weiter Karriere machen können. „Aber nach zwölf Jahren an der Hochschule wollte ich wieder in die Praxis reinschauen“, erklärt Ziemons seinen Wechsel. Dass er sich auf die Dezernentenstelle bei der Städteregion beworben hat, hängt auch mit Edeltraud Vomberg zusammen. „Wenn meine Vorgängerin ihren Weg nicht genauso gegangen wäre, hätte ich mich wahrscheinlich gar nicht getraut“, räumt der zweifache Familienvater freimütig ein.

Vomberg war im September 2015 von der Hochschule Niederrhein zur Städteregion gewechselt und hatte nur dreieinhalb Jahre später ihren überraschenden Abschied angekündigt, weil sie die Hochschule Düsseldorf als neue Präsidentin auserkoren hatte. Einen vergleichbaren Schritt zurück in die Zukunft schließt Michael Ziemons für sich aus. Das Angebot seines früheren Arbeitgebers, ihn nur zu beurlauben und so eine Hintertür für die Rückkehr offenzuhalten, lehnte der Pädagoge ab. „Wenn ich etwas mache, dann mache ich das richtig. Mit meinem Wechsel habe ich eine Grundsatzentscheidung getroffen.“

Ziemons freut sich auf seine neue Aufgabe „in einer Region, die an einem spannenden Punkt ist und in der sich einiges tun wird“, betont er vor allem mit Blick auf den bevorstehenden Strukturwandel. „Das bietet die Möglichkeit, ganz viel zu gestalten.“ Zugleich spricht er von „einer großen Portion Demut“ und verweist auf die Verantwortung, die er als Dezernent für Soziales und Gesundheit haben wird. „Das Dezernat deckt 50 Prozent des städteregionalen Haushaltes und alle zehn Kommunen ab. Und es ist für die Menschen in der Gesellschaft zuständig, die nur noch uns haben.“

Um ihnen zu helfen, will Michael Ziemons die von seiner Vorgängerin initiierte Sozialplanung weiterentwickeln. „Sie zeigt uns genau auf, welche Bedarfe es wo gibt“, erklärt er. „Und sie bietet die Riesenchance, die Finanzmittel, die uns zur Verfügung stehen, zielgerichtet auszugeben.“ Ziemons zeigt auf die hölzerne Königsfigur des Künstlers Ralf Knoblauch, die ihm seine alten Kollegen zum Abschied geschenkt haben und die auf seinem neuen Schreibtisch einen Platz gefunden hat. „Sie steht dafür, dass jeder Mensch ein König ist und eine Würde hat. Das sollten wir uns immer vor Augen führen – vor allem, wenn es um Fallzahlen und Budgets geht.“

Ganz oben auf der Prioritätenliste steht zudem die Digitalisierung. „Ihre Folgen werden vollkommen unterschätzt. Sie wird die Gesellschaft umwälzen, wie wir es seit der Industrialisierung nicht mehr erlebt haben“, ist Michael Ziemons überzeugt Das sei ein soziales Thema, dem sich auch die Städteregion stellen müsse. „Die Zielgruppe, die wir im Blick haben, ist längst angekommen in der digitalen Welt. Dort können wir sie erreichen.“ Ziemons will deshalb – unter anderem – den städteregionalen Youtube-Kanal ausbauen, soziale Podcasts erstellen und Messenger-Dienste nutzen.

Im Gesundheitswesen hat der neue Dezernent vor allem die Pflegekräfte im Blick. „Obwohl unsere Möglichkeiten begrenzt sind, müssen wir darauf hinwirken, die Bedingungen für sie zu verbessern.“ Auch die Akademisierung der Hebammenausbildung und die Einführung der Impfpflicht sieht Ziemons als wichtige Themen, um die er sich in den kommenden Monaten und Jahren kümmern will.

„Ganz nebenbei“ steht auch noch Fortbildung auf dem Programm. „Natürlich kann man in der Praxis viel lernen. Aber ich werde sicherlich das ein oder andere Seminar vor allem im juristischen Bereich belegen“, kündigt Michael Ziemons. Schließlich wolle er möglichst bald sagen können: „Von Kommunalverwaltung habe ich jetzt richtig viel Ahnung.“

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