Aachen: Doppelt so viele Autos in der Diebstahlhochburg geklaut

Aachen : Doppelt so viele Autos in der Diebstahlhochburg geklaut

In Aachen werden doppelt so viele Autos geklaut wie im Bundesdurchschnitt. Dies ergibt sich aus einer Studie des Internetportals geld.de, das jetzt die Zahl der Autodiebstähle in Relation zu den zugelassenen Kraftfahrzeugen in 120 deutschen Städten verglichen hat (Datenbasis 2013).

Demnach rangiert Aachen als eine der gefährlichsten Diebstahlhochburgen der Bundesrepublik auf Rang 7. Mehr Autos erbeuten Kriminelle nur in Frankfurt an der Oder (680 Prozent über Durchschnitt), Dresden, Görlitz, Berlin, Potsdam und Cottbus. Köln landete auf Platz 19, Düsseldorf auf Platz 28.

Beunruhigend ist, dass die Autodiebstähle in Aachen noch dramatisch zunehmen — was nach Auskunft der Polizei vor allem der Grenzlage zu Belgien und den Niederlanden geschuldet ist. Aktuell weist Aachen als erste westdeutsche Stadt des Rankings mit 321 gestohlenen Autos je 100.000 zugelassener Kraftwagen eine Quote von 213 Prozent über dem Studienschnitt auf. „Die Täter sind mit den erbeuteten Fahrzeugen oft schon im Nachbarland verschwunden, bevor der Diebstahl diesseits der Grenze vom Autoeigentümer bemerkt wurde“, sagt Polizeisprecher Paul Kemen. Im Jahr 2012 wurden auf Aachener Stadtgebiet 352 Autos gestohlen (Städteregion Aachen: 554), 2013 waren es 362 (Städteregion: 563). Bis Ende September des laufenden Jahres 2014 explodierte die Diebstahlzahl bereits auf 609. Tendenz: weiter steigend.

Wenig ermutigend zudem: Wenn man Opfer eines Autodiebstahls wird, tendiert die Wahrscheinlichkeit, dass mein sein Fahrzeug wiedersieht und der Täter gefasst wird, gegen Null. Denn gerade in den Diebstahlshochburgen sind die Aufklärungsquoten oft extrem niedrig. Als unrühmlicher Spitzenreiter führt Rostock diese „Hitliste“ an. Nur 8,9 Prozent der Autodiebstähle werden dort aufgeklärt. Ähnlich düster sieht es in Berlin (9,7 Prozent) und Hamburg (10,2) aus. Die Aachener Polizei verbesserte ihre Aufklärungsquote in den vergangenen zwei Jahren immerhin von 8,8 auf 11,3 Prozent. Dass es auch anders geht, beweisen Statistiken aus dem Süddeutschen Raum, wo generell wesentlich weniger Autos verschwinden. In Coburg ermittelte die Polizei bei 87,5 Prozent der Autodiebstähle die Täter. Quoten über 60 Prozent weisen die Polizeibehörden in Augsburg, Aschaffenburg, Rosenheim, Ulm, Würzburg, Pforzheim, Weiden in der Oberpfalz, Hanau und Bayreuth auf.

Polizeisprecher Kemen erläutert, dass Autoknacker heutzutage technisch hoch gerüstet und straff in Banden organisiert zuschlagen. „Kunden“ könnten sich jenseits der deutschen Landesgrenzen sogar das Fabrikat, die Farbe und die Ausstattung des Wunschfahrzeugs aussuchen, das dann innerhalb weniger Wochen „geliefert“ würde, heißt es. Hauptabsatzmärkte für Autos und Kfz-Teile seien Osteuropa, der Balkan, der Nahe Osten und Nordafrika. Bevorzugte marken und Modelle sind nach Erfahrung der Polizei der VW T5 Multivan, Golf, Touran, Dreier-BMW und Mercedes-Kombi-Fahrzeuge. Übrigens: In Frankfurt an der Oder waren fast 90 Prozent aller überführten Autodiebe aus dem Ausland angereist — auch das sind gut doppelt so viele wie in Aachen.

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