Aachen: Donum Vitae bietet wichtige Beiträge zum familiären Frieden

Aachen : Donum Vitae bietet wichtige Beiträge zum familiären Frieden

Es gibt den gesetzlichen Auftrag: Durch das Schwangerschaftsgesetz sind Schwangerschaftskonfliktberatungsstellen zuständig für die psychosoziale Beratung bei unerfülltem Kinderwunsch.

Die Beratungsstelle von Donum Vitae hat sich dieser Aufgabe auf zweierlei Wegen genähert. Zum einen besuchten drei Beraterinnen Fortbildungen, um dieses Thema fachlich kompetent in das eigene Beratungsportfolio aufnehmen zu können. Zum anderen haben sich die Beraterinnen und der Vereinsvorstand mit den eigenen ethischen Grenzen auseinandergesetzt.

„Die Ethik kommt den medizinischen Möglichkeiten ähnlich wie in der Pränatal-Diagnostik ja nicht mehr hinterher“, weiß Prof. Dr. Marianne Genenger-Stricker, stellvertretende Vorsitzende von Donum Vitae Aachen. „In Deutschland sind die Möglichkeiten gesetzlich begrenzt: Leihmutterschaft und Eizellenspende sind zum Beispiel nicht erlaubt. Aber gerade in Aachen ist der Weg über die Grenze nicht weit.“

Der Wunsch nach Beratung und Unterstützung kommt bei vielen Paaren, wenn es mit der künstlichen Befruchtung nicht gleich klappt. „Schwierig wird es, wenn die ersten Enttäuschungen verarbeitet werden müssen“, weiß Beraterin Heidi Dirks. Ein wichtiges Thema ist die Sexualität. Sex nach Terminkalender und Hormonspiegel ist für viele Paare, die sich der Reproduktionsmedizin anvertraut haben, zunächst ein notwendiges Übel. Es kann die Beziehung zunehmend belasten. Gleiches gilt für die körperlichen Auswirkungen der Hormonbehandlung.

Die psychosoziale Beratung bei Donum Vitae kann da die Unterstützung geben, die die Paare möglicherweise an anderer Stelle, zum Beispiel in der Familie, nicht finden. Auch der behandelnde Arzt ist vielleicht nicht immer die passende Anlaufstelle.

„Der Arzt muss für eine gute Diagnostik und Behandlung sorgen. Wir kümmern uns um die psychosoziale Unterstützung“, sagt Beraterin Martina Hartmann und weiß die meisten Reproduktionsmediziner auf ihrer Seite.

Die gesellschaftliche Dimension der immer ausgefeilteren Methoden der Reproduktionsmedizin beschäftigt hingegen den Verein Donum Vitae: „Die Wirtschaft fördert junge Frauen nicht bei der Familiengründung, sondern bietet lieber die Kostenübernahme für das Einfrieren der Eizellen ihrer Mitarbeiterinnen an. Gleichzeitig wächst der familiäre und gesellschaftliche Druck auf ältere kinderlose Frauen. Alter ist einfach der häufigste Grund für ungewollte Kinderlosigkeit“, weist Genenger-Stricker auf ein gesellschaftliches Paradoxon hin. „Alle Lebensentwürfe müssen ihre Berechtigung haben.“

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