Aachen: Domspringen: Sportliche Höchstleistungen und jede Menge Spaß

Aachen: Domspringen: Sportliche Höchstleistungen und jede Menge Spaß

Stellen Sie sich vor, zwei Elefanten sind übereinander gestapelt. Sie stehen davor. Dann drückt Ihnen jemand einen meterlangen Stab in die Hände und sagt: „Spring drüber!“ Landung auf einer Matte, darunter 300 Holzpaletten. Stirnrunzeln? Oder über den Fünf-Meter-Turm im Freibad Hangeweiher. Solche Mammutaufgaben tauchen beim NetAachen-Domspringen reihenweise auf.

Die Latte liegt tierisch hoch, das Publikum feiert zu satter Musik tierisch ab — und am Ende ist (inmitten der rund 5000 Zuschauer) auf dem Katschhof einer besonders glücklich: Exakt um 21.21 Uhr steht am Mittwochabend fest, dass Sam Kendricks mit einer übersprungenen Höhe von 5,80 Metern die 13. Auflage des Sprungspektakels zwischen Dom und Rathaus gewonnen hat. Frenetischer Jubel. Auch wenn der deutsche Rekord — 6,01 Meter von Björn Otto im Jahr 2012 an selber Stelle aufgestellt — nicht geknackt werden konnte.

Die Stimmung ist bei diesem Event einzigartig. „Dieses Ambiente hier mitten im Herzen der Aachener Altstadt ist einfach unvergleichlich“, sagt NetAachen-Geschäftsführer Andreas Schneider am Abend. „Deshalb kommen die besten Stabhochspringer der Welt — zum Beispiel der amtierende Weltmeister Sam Kendricks aus den USA — so gerne zu uns in die Kaiserstadt“, sagt er. Das Publikum strömt — und es hört aufmerksam zu, als Sportmanager Michael Mronz, Witwer des verstorbenen Guido Westerwelle, sie in einem eindringlichen Appell auffordert, sich in die Knochenmarkspenderdatei aufnehmen zu lassen.

Für die optimalen Rahmenbedingungen sind noch weitere herausragende Akteure verantwortlich. Die Leichtathletik-Abteilung von Alemannia Aachen mit Chef-Organisator Michael Leers natürlich, aber auch die Moderatoren Robert Moonen und Dirk Bartholomy sowie ungezählte Ehrenamtler.

Beim Vorkampf der Damen am späten Nachmittag — eine Konkurrenz, bei der eine Athletin verletzungsbedingt passen musste — kommen alle aufs Treppchen. Allerdings treten auch nur drei Sportlerinnen an. Die Leverkusenerin Katharina Bauer schnappt sich den Siegerpokal mit 4,20 Meter. Danach ist rund zwei Stunden Pause. Genug Zeit, um den perfekten Aufbau des sportlichen Großereignisses zu prüfen.

Denn der technische Aufwand ist immens. 50,10 Meter misst der aufgestelzte Anlaufsteg, der hier auf dem Kopfsteinpflaster der mittelalterlichen Pfalz einen Höhenunterschied von 1,50 Meter ausgleichen muss — und der den Rest des Jahres als offizielle Anlaufbahn rund um die Welt reist. Dazu die Tribünen mit Sitzplätzen für 1200 Fans, Lichtmasten mit Leuchtkugeln, Tontechnik, Absperrgitter.

Letztere sind nötig, um eine Überfüllung des Sportareals bei kostenlosem Eintritt zu verhindern. Für kurzzeitige Zugangssperren an der Ein- und Ausgängen haben aber nur die wenigsten kein Verständnis. Das Sicherheitspersonal hat die Lage bestens im Griff. Überhaupt: Bei 17 Grad Celsius und — fast ausschließlich — trockenem Wetter bereitet nur der immer wieder auffrischende Wind im Hexenkessel ein paar Sorgen. Die Profis nehmen‘s sportlich; für das Publikum bleiben die akrobatischen Höchstleistungen ein Leckerbissen.

Apropos: Auf der Rathaustreppe kredenzt Ratskeller-Chef Maurice de Boer kulinarische Köstlichkeiten im abgetrennten Sponsor-Bereich, unten auf dem Platz gibt‘s Bier und Würstchen. Sport und Spaß. Zu sehen ist das Domspringen erstmals in der ganzen Welt, die AZ überträgt via Facebook live. Sogar auf andere Kontinente. In Afrika sind Elefanten übrigens durchschnittlich 3,30 Meter hoch, in Asien 2,70 Meter. Etwa doppelt so hoch ist Kendricks gesprungen. Man stelle sich das vor.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Domspringen: Beste Stimmung und Höchstleistungen auf dem Katschhof

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