Aachen: „Domspringen”: Selbst die CHIO-Brücke wär nicht zu hoch

Aachen: „Domspringen”: Selbst die CHIO-Brücke wär nicht zu hoch

Stellen Sie sich vor: Da nimmt jemand 50 Meter Anlauf, rennt wie von Sinnen, rammt den Stab in den Boden - und springt Füße voraus über die CHIO-Brücke auf der Krefelder Straße. Das ist nämlich die Höhe, die der olympische Silbermedaillengewinner Björn Otto Mittwochabend um exakt 21 Uhr beim NetAachen-Domspringen gemeistert hat; 6,01 Meter, neuer Deutscher Rekord, Jahresweltbestleistung.

Zu diesem Zeitpunkt steht der Katschhof endgültig Kopf. Rund 5000 Fans jubeln frenetisch im Hexenkessel zwischen Dom und Rathaus - auch Doris Schreiber und ihre Tochter Laura. Eigentlich müssten die zwei Aachenerinnen mal. Sie sitzen seit fünfeinhalb Stunden auf der Tribüne, nachdem sie ab 14.30 Uhr eine Stunde lang anstanden.

Aber beim spektakulärsten Sport-Event in der City gilt auf knapp 500 verfügbaren Sitzen (die Gegentribüne ist dem Mit-Veranstalter Alemannia Aachen vorbehalten) das Prinzip „weg gegangen, Platz vergangen”. „Da muss man durch, alles kostenlos, es ist einfach super hier”, sagt die Mutter.

Über 1000 Fans sind schon am frühen Nachmittag vor Ort, als die erst 17-jährige Margot Quirin das Vorspringen in der Damen-Konkurrenz eröffnet - und als erste ausscheidet. Chloe Henry gewinnt (4,00 Meter) um 16.35 Uhr.

Doch diejenigen, die auf der Sonnenseite des Platzes einen Tribünensitz ergattert haben, harren aus, bis ab 18.45 Uhr die Weltspitze um Star-Springer Björn Otto antritt. In der Zwischenzeit klatscht sich das Publikum schon warm, obwohl lediglich das Aufwärmprogramm der Athleten zu bewundern ist. Egal. Die Stimmung ist fantastisch.

Ab 18.30 Uhr riegelt der Ordnungsdienst den Platz wegen Überfüllung ab: Hunderte verfolgen den Wettkampf vor der Absperrung - obwohl sie so gut wie nichts sehen können. So sieht Sportbegeisterung in der Kaiserstadt aus.

Es gibt Würstchen und Pommes, im Sponsoren-Bereich auf der Rathaustreppe und im Ratskeller lässt Maurice de Boer Köstlichkeiten wie „geeiste Melone mit Flusskrebsen” und „Torteletts von der Gänseleber” servieren. Dem Publikum auf dem Platz schmeckt derweil die Atmosphäre.

Zu saftigen Musik-Beats und dank der informativ-unterhaltsamen Moderation von Dirk Bartholomy, Michael Leers und Robert Moonen genießen die Zuschauer nicht nur Weltklasse-Sprünge, sondern auch die Zeit dazwischen.

Als die Sonne untergeht, erhellt Eventac mit sechs „Power-Moons”, das sind hell leuchtende Ballons, die Szenerie - Gänsehaut-Atmosphäre. „Aachen ist einfach nur geil”, ruft Otto den Fans nach seinem sensationellen Sieg zu. OB Marcel Philipp stimmt zu: „Ich freue mich schon aufs nächste Jahr; der Katschhof ist fantastisch. Das gibt es kein zweites Mal auf der Welt.”

So wird der September 2013 wieder die Massen zum Dom locken - obwohls theoretisch auch über die CHIO-Brücke ginge. Man stelle sich das mal vor.

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