Aachen: Domkapitel verbannt Bischof Hemmerles Porträt

Aachen : Domkapitel verbannt Bischof Hemmerles Porträt

Einen Mangel an Respekt und seelsorgerischem Gespür wirft Heinrich K. Bahnen dem Aachener Domkapitel vor. Der ehemalige Leiter des Katholischen Bildungswerks Aachen-Stadt ist entsetzt, weil ein Bild des 1994 gestorbenen Aachener Bischofs Klaus Hemmerle aus dem Dom entfernt wurde — offenbar auf Anweisung eines Domvikars und des Domseelsorgers.

„Bischof Hemmerles Verehrung wurde hinweggefegt“, klagt Bahnen. Und sieht sich damit auf einer Linie mit der Kritik anderer Bildungswerksleiter im Bistum sowie Menschen aus dem damaligen Umfeld von Hemmerle.

Bahnen schildert, dass er seit vielen Jahren — mit seinen Enkeln sowie vielen Gästen aus dem In- und Ausland — regelmäßig die Allerheiligenkapelle im Dom aus Wertschätzung für Bischof Klaus aufsucht und ein Teelicht für ihn entzündet.

Bis ihm jetzt die Veränderung auffiel: „Das seit vielen Jahren vor dem Grabmal von Bischof Klaus befindliche Foto ist mitsamt dem Kerzenleuchter und dem Foto entfernt worden“, klagt er. Und spart nicht mit Kritik an neuen Entscheidungsträgern des Domkapitels: „Diese schlichten Zeichen in der Allerheiligenkapelle galten Bischof Hemmerle als Ausdruck der Zuneigung und Verehrung. Offenbar hatten die damals Verantwortlichen im Domkapitel ein Gespür dafür, worauf es ankommt — und zeigten Respekt vor frommer Verehrung aus der Mitte des Gottesvolkes, indem sie diese Zeichen in der Kapelle beließen“, erklärt Bahnen.

Er habe mehrfach Kontakt zum Domkapitel gesucht, um zu erfahren, warum Hemmerles Porträt, der Blumenschmuck und die Kerzen abgeräumt wurden. Man habe ihm geantwortet, dass es sich schließlich um „privat hinzugestellte Devotionalien“ gehandelt habe. Das Bild sei „ein vergilbter Zeitungsausschnitt“ gewesen, zudem „in einem verschmutzten Bilderrahmen, der auf dem Boden stand und an die Wand beziehungsweise die Gedenkstele angelehnt war“.

Ab sofort gebe es nur noch Blumenschmuck und brennende weiße Kerzen für alle Bischöfe — die Erläuterung an die Adresse Bahnens: „Es handelt sich sicher nicht um einen befürchteten Ausdruck der Geringschätzung von Bischof Klaus, sondern im Gegenteil vielmehr darum, dem gemeinsamen Gedenken einen würdevollen Rahmen zu geben.“ Bahnen und seine namhaften Mitstreiter reicht das nicht.

Im Gegenteil: „Ein Hauch guten Geistes täte not!“, entgegnet der ehemalige Bildungswerkchef. Er will nun weiter darauf hinwirken, dass das liebgewonnene Porträt seines Bischofs Klaus Hemmerle an die gewohnte Stelle zurückkehrt. Wo es sich derzeit befindet? Darauf konnte das Domkapitel am Mittwoch auf AZ-Nachfrage keine Antwort geben.