Diskussion um Bauvorhaben an der Gartenstraße

Stadtentwicklung : Pläne für AWO-Neubau stoßen auf Kritik

Eine neue Kindertagesstätte, eine neue Geschäftsstelle und sozialen Wohnungsbau will die Arbeiterwohlfahrt Aachen realisieren. So weit, so gut. Doch wegen des geplanten Standorts, der dem jetzigen entspricht, kann man mit der Kommunalpolitik bislang keine Einigkeit erzielen.

„Wir fühlen uns schlecht behandelt“, sagt Karl Schultheis, Vorsitzender der Aachener AWO und SPD-Ratsherr, am Freitagmorgen. Nachdem der städtische Planungsausschuss die Pläne für einen Neubau der AWO Anfang dieses Monats erneut abgelehnt hat, hat die Arbeiterwohlfahrt zum Pressetermin eingeladen. Denn so recht versteht man die Situation nicht, wie Schultheis und AWO-Geschäftsführer Özgür Kalkan erklären.

Seit Jahren will die Arbeiterwohlfahrt neu bauen: Das bestehende Gebäude, in dem neben der Verwaltung eine Kita untergebracht ist, stammt aus den 1950er Jahren und ist in die Jahre gekommen. Und den aus AWO-Sicht dringend benötigten Neubau von Geschäftsstelle und Kita will man durch sozialen Wohnungsbau ergänzen. So reichte man zu Beginn dieses Jahres einen Entwurf ein, der ein viereinhalbgeschossiges Gebäude mit Tiefgarage vorsah. „Wir hatten geplant, 22 Sozialwohnungen zu errichten“, erklärt Kalkan.

Planung zu wuchtig

Zu wuchtig fanden das die Planungspolitiker, und die AWO besserte nach: „Wir haben unseren Entwurf angepasst und deutlich reduziert. Jetzt wollen wir gerne einen zweieinhalbgeschossigen Bau realisieren, der neben Kita und Geschäftsstelle nur noch fünf Sozialwohnungen beinhaltet“, sagt Kalkan. „Damit befinden wir uns an der untersten Grenze der Wirtschaftlichkeit“, ergänzt Karl Schultheis.

Die bisherige Bebauung an Gartenstraße und Lochnerstraße. Foto: grafik

Doch auch die Pläne für den etwas kleineren Bau wurden vom Planungsausschuss, der in der vergangenen Woche tagte, erneut mit großer Mehrheit abgelehnt. Man könne sich zwar eine pavillonartige Bebauung an dieser Stelle vorstellen, heißt es aus dem Ausschuss. Eine Bebauung, die dazu führen würde, dass es keinen direkten Zugang mehr von der Gartenstraße zum Park gibt, wäre hingegen nicht hinnehmbar.

Die Aachener Grünen finden das ebenfalls nicht akzeptabel, betonen aber, dass man der AWO entgegenkommen möchte. Sie schlagen daher vor, den Neubau der AWO sozusagen „um die Ecke“ zu verlagern, und haben auch einen Ratsantrag für einen entsprechenden Bebauungsplan des Areals eingebracht. An der Lochnerstraße befindet sich derzeit noch eine städtische Kita. Deren Schließung ist bereits beschlossene Sache, die Kinder sollen in die neue Kita an der Franzstraße umziehen. Nach dem Abriss der alten Kita (siehe Grafik: rote Fläche), so argumentieren die Grünen, wäre genügend Platz für das Bauvorhaben der AWO. und die jetzige Fläche, die die AWO in Erbpacht von der Stadt gepachtet hat (siehe Grafik: grüne Fläche), könne man dem Westpark zuschlagen.

Neubau als Gewinn für den Park

Den Argumenten der Kommunalpolitiker kann man bei der AWO hingegen nicht recht folgen. Es sei ja nicht so, dass der Westpark auf den anderen Seiten nicht bebaut sei, sagt Özgür Kalkan und verweist beispielsweise auf die Hochhäuser der Gewoge an der Welkenrather Straße. Und er sieht den geplanten Neubau, der auch ein Begegnungszentrum für das Viertel und einen kleinen Kiosk enthalten soll, als großen Gewinn für den Park. Auch sei es kaum nachvollziehbar, dass ein solches Projekt mit sozialem Wohnungsbau abgelehnt wird, wo doch in Aachen so großer Mangel an Wohnraum herrsche.

Auch eine Verlagerung des Bauprojekts in die Lochnerstraße, wie es die Grünen vorschlagen, kommt für die AWO nicht infrage. Einerseits verginge durch die Aufstellung eines neuen Bebauungsplans deutlich mehr Zeit als bei dem von der Arbeiterwohlfahrt angestrebten Szenario. Außerdem sei bereits viel Geld in die Architektenpläne für den Standort Gartenstraße geflossen, und man habe alle Bedenken der Stadtverwaltung ausräumen können. „Es geht überhaupt nicht um die Frage, ob hier ein Neubau steht oder nichts. Es geht eher um die Frage, ob hier der Altbau stehen bleibt, oder ein Neubau hinkommt“, sagt Martin Kühl, stellvertretender AWO-Vorsitzender. „Wir sehen uns nicht als Bittsteller, Sinnvolles tun zu dürfen“, sagt Karl Schultheis.

Özgür Kalkan will nun erneut mit den Kommunalpolitikern ins Gespräch kommen. Die wiederum sind sich sicher, dass der Ratsantrag der Grünen nach der Sommerpause recht schnell im Planungsausschuss besprochen wird.