Diskussion über neuen Flächennutzungsplan für Aachen

Mehrheitsbeschluss der Bezirksvertretung Aachen-Mitte : Die Beverau bleibt grün

Die Beverau bleibt grün. Zumindest bis zum Jahr 2030, wahrscheinlich auch darüber hinaus. Die Bezirksvertretung Aachen-Mitte stimmte mehrheitlich gegen den Vorschlag der Verwaltung, in den Flächennutzungsplan 2030 eine 7,6 Hektar große Grünzone in der Beverau hinter der Adenauerallee zwischen Eselsweg und Nellessenpark für eine Wohnbebauung aufzunehmen.

Der Vorschlag der Verwaltung hatte keine Chance. Das zeigte allein schon der Auftritt von Harald Baal. Der Fraktionsvorsitzende der CDU im Stadtrat war eigens in die Bezirksvertretung gekommen, um dort von seinem Rederecht Gebrauch zu machen und an die Bezirksvertreter „eine Empfehlung“ zu richten. Die Empfehlung war klipp und klar, nämlich der vom Verwaltungsvorschlag abweichenden Meinung der CDU, dem Nein zur weiteren Bebauung der Beverau zu folgen.

Zum einen, argumentierte Baal, sei die städtebauliche Erschließung des Areals „zu schwierig“. Zum anderen habe sich die CDU gefragt, „was passiert, wenn wir eine falsche Entscheidung treffen“. Das Nein zur Bebauung könne eine Fehlentscheidung sein, sie bringe aber keine Nachteile. Baal: „Dann können sich zukünftige Generationen freuen, noch Fläche fürs Wohnen zu haben.“

Stelle sich dagegen eine Bebauung später auch hinsichtlich des Stadtklimas als Fehlentscheidung heraus, sei die „nicht mehr zu reparieren“. Bei den zwei sich ob der Auswirkungen auf das Stadtklima widersprechenden Gutachten entscheide sich die CDU deshalb „im Zweifelsfall für die Grünfläche und für den Verzicht auf Wohnungen“.

Erwartungsgemäß sprach sich auch Helga Gaube für die Grünen dafür aus, die Beverau „weiter als Grünfläche“ zu erhalten. Sie warnte vor den Folgen, „wenn dieses große Ensemble erst einmal angeknabbert“ würde.

Klare Kante zeigte Joachim Moselage. Der FDP-Politiker sprach sich eindeutig für eine Bebauung der 7,6 Hektar aus. Er wundere sich über die Kollegen von CDU und Grünen. In jeder Sitzung des Wohnungs- und Liegenschaftsausschusses werde auch von ihnen der Mangel an Wohnflächen bedauert. In der Beverau gebe es nun eine „große, geeignete Fläche“ für den dringend notwendigen Wohnungsbau. „Wie sähe Aachen aus, wenn unsere Väter so gehandelt hätten?“ fragte der Liberale und verwies auf die Bebauung Kronenberg, Preuswald, Steppenberg und Gut Kullen. Hätte es diese Ansiedlungen in freier Natur nicht gegeben, „wäre Aachen wohl immer noch auf den Alleenring beschränkt“. Moselage rief den Kollegen zu: „Nicht bang sein. Es geht um eine Entscheidung, die in die Zukunft weist. Ich stimme zu.“

Fläche sei nicht unendlich verfügbar, hielt Baal dem Liberalen entgegen. Es sei ein „falsches Argument“, zu sagen, die 7,6 Hektar in der Beverau entschieden über das Schicksal von Aachen. Die Grenzen des Wachstums seien erreicht, „genau an dieser Stelle“. Baal bemühte sogar den „Tornado von Roetgen“ und sagte: „Grünflächen und Klimaargumente haben jetzt Vorrang.“ Moselage konterte: „Der Tornado wird nicht jedes Jahr durch Roetgen fegen. Wenn wir in Aachen die Bevölkerung halten wollen, müssen wir solche Flächen fürs Wohnen zur Verfügung stellen.“

Und die SPD? Sie fand weder zum Ja noch zum Nein. Auch sie habe es sich „nicht leicht gemacht“, erklärte ihr Sprecher Patrick Deloie. Erst kürzlich habe man noch mit der Bürgerinitiative Beverau zusammengesessen, sie trage „gute Argumente“ vor. Bei zwei bezüglich der Auswirkungen auf das Stadtklima sich widersprechenden Gutachten zur Beverau setze die SPD auf ein drittes Gutachten. Vorschlag Deloie: Der Entwurf des Flächennutzungsplans solle in die Offenlage gehen, während des Verfahrens gebe es die Chance, durch ein drittes Gutachten klarer entscheiden zu können. In der Bezirksvertretung gebe die SPD kein Votum ab, sie enthalte sich.

So geschah es. Die Abstimmung: Nur Joachim Moselage (FDP) stimmte für den Verwaltungsvorschlag, also für eine Bebauung der Beverau; SPD, Linke und Piraten enthielten sich; CDU und Grüne stimmten dagegen. Das hieß: Klare Mehrheit für eine grüne Beverau.

23 weitere Flächen

Im 1800 Seiten dicken Flächennutzungsplan 2030 stand nicht nur das Gebiet Beverau an. Über 23 Flächen für Gewerbe, Wohnen und Landschaft hatten die Bezirksvertreter zu beschließen. Weitgehend folgten sie dabei der Verwaltung. Ein Nein oder Vorbehalte gab es in drei weiteren Fällen: Das mit 26,56 Hektar große Gewerbegebiet auf Camp Hitfeld soll noch einmal überprüft werden; ein kleines Waldstück „Maria im Tann, West“ soll nicht Wohngebiet werden; einer Fläche am Hasselholzer Weg als Wohngebiet stimmte die Bezirksvertretung zu unter der Auflage: „Hier sollte keine priorisierte Maßnahme geplant werden.“

Die nächste Entscheidung zum neuen Flächennutzungsplan fällt im Planungsausschuss am 4. April.

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