Aachen: Digitalisierung: Handel tut sich schwer

Aachen : Digitalisierung: Handel tut sich schwer

Digitalisierung im Einzelhandel — das sei eben nicht nur die übermächtige Online-Konkurrenz von Amazon und Co. Vielmehr könnten der inhabergeführte Einzelhandel und damit auch die Innenstädte massiv von der Digitalisierung profitieren, wenn sich möglichst viele auf diesen Weg begeben würden.

Darin waren sich alle Teilnehmer der Podiumsdiskussion „Digitalisierung für eine lebendige Innenstadt“ in der „DigitalChurch“ einig.

Ruft den Einzelhandel zu mehr Zusammenarbeit auf: Franz-Leo Drucks vom Sporthaus Drucks. Foto: Andreas Steindl

Vorangegangen waren der Veranstaltung im Rahmen des Forschungsprojekts „Smartmarket²“ mehrere Workshops mit Vertretern der Wissenschaft, der Marktforschung und der Wirtschaft, in denen der Frage nach dem genauen Wie nachgegangen wurde. Sechs Konzepte entstanden.

„Wichtig ist, einen Nutzen für die Menschen zu generieren“: Andera Gadeib von der Landmarken AG. Foto: Andreas Steindl

Dass sich der Einzelhandel mit dem Thema Digitalisierung schwer tut, wurde schnell deutlich: Vier der rund 200 Besucher hoben die Hand, als Bernd Büttgens, Stadtsprecher und Moderator des Abends, fragte, wer im Einzelhandel beschäftigt sei. Dieter Begaß, Leiter der Wirtschaftsförderung lieferte ähnlich ausbaufähige Zahlen: „50 Prozent des Einzelhandels geben an, digital aktiv zu sein, aber nur zehn Prozent fragen entsprechende Fortbildungen ihrer Mitarbeiter nach. Wir müssen den Einzelhandel mehr mit dem Thema in Tuchfühlung bringen.“

„Wenn nicht im technologieaffinen Aachen, wo sonst?“ Norbert Herrmanns von der Landmarken AG. Foto: Andreas Steindl

Und zwar in deutlich anderen Themenfeldern als der Nutzung von digitalen Warenwirtschaftssystemen. „Das ist nur die Grundlage für die Chancen der Digitalisierung“, meinte Andera Gadeib von der Dialego AG. „Wichtig ist, Nutzen für den Menschen zu generieren. Nur dann können Ideen erfolgreich sein.“

Auch ein parallel zum stationären Geschäftsmodell laufender Onlineshop kann nur der Anfang sein. Zumindest wenn man den kreativen Köpfen aus den Workshops folgt. Dort war von fließenden Übergängen von Online- und Offline-Shopping die Rede, von modernen Mobilitätskonzepten, von Erinnerungssystemen auf dem eigenen Smartphone, von individuellen Shoppingtour-Vorschlägen und vielem mehr. „Innenstadt ist viel mehr als Handel und Shopping, ist mehr als Beschaffung“, lenkte Professor Thomas Ritz von der FH Aachen den Blick auf die Möglichkeiten der Vernetzung. „Die bestehenden Risiken sind kein Grund, es nicht zu machen.“ Und Nobert Hermanns von der Landmarken AG ergänzte: „Wir sollten Vorreiter sein bei etwas, das sowieso kommt. Wenn nicht im technologieaffinen Aachen, wo sonst?“

Franz-Leo Drucks, Inhaber des Sporthauses Drucks, sah das ähnlich und rief seine Einzelhandels-Kollegen zu mehr Zusammenarbeit auf: „Einzelhändler denken oft in Kostendimensionen. Doch digitale Lösungen können gemeinsam entwickelt und genutzt werden.“ Professorin Gertrud Schmitz von der Universität Duisburg-Essen betonte: „Der Einzelhandel kann sich durch die Digitalisierung profilieren. Oft werden die Kosten betont, wir sollten deutlicher den Mehrwert darstellen.“