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Wanderfalken und Turmfalken in Aachen: Diese Greifvögel sind echte Städter

Wanderfalken und Turmfalken in Aachen : Diese Greifvögel sind echte Städter

Die Internetauftritte von St. Jakob und der Dombauhütte dürften im Moment ein paar mehr Klicks als sonst verzeichnen: Denn auf den Webcams, die dort eingebunden sind, tut sich im Moment einiges. Ein Wanderfalken- und ein Turmfalkenpärchen ziehen in den beiden imposanten Gotteshäusern ihren Nachwuchs auf.

Heinz Günter Fündling guckt im Moment gerne aus dem Fenster. Denn von seinem Fenster aus hat der stellvertretende Vorsitzende des Kirchenvorstands von St. Jakob einen guten Blick auf das Gotteshaus am Jakobsplatz – und auf seine tierischen Bewohner, die dort derzeit ein- und ausfliegen. In St. Jakob zieht auch in diesem Jahr ein Wanderfalkenpärchen seine Jungen groß. Am Donnerstag sind die Jungvögel beringt worden.

„Ende Februar, Anfang März sind die Tiere in diesem Jahr zum ersten Mal bei uns aufgetaucht“, sagt Fündling im Gespräch mit unserer Redaktion. Er kümmert sich von Seiten der Gemeinde um die Wanderfalken, zum Beispiel auch um die Webcam, die in der Box hoch oben im Kirchturm installiert ist. Über diese Webcam hat jeder, der möchte, einen Einblick in die gute Stube von Familie Wanderfalke. Man sieht die putzigen Vögel beim Schlafen, bei der Gefiederpflege, beim Fressen. Und auch Heinz Günter Fündling wirft natürlich regelmäßig einen Blick drauf. „Die Jungen sind jetzt knapp 30 Tage alt“, erzählt er und weiß von den Aufzuchten aus den vergangenen Jahren zu berichten, dass es noch etwa 15 weitere Tage dauern wird, bis die Küken flügge werden.

Ein paar Tage jünger sind die Verwandten der Wanderfalken, die im Turmhelm des Westturms des Aachener Doms leben: Es sind Turmfalken, deren Küken vor wenigen Tagen geschlüpft sind. „Im März hatten wir noch gehofft, dass diesmal auch im Dom wieder Wanderfalken ihre Eier legen und ausbrüten“, erzählt Dombaumeister Helmut Maintz. Tatsächlich hatte sich ein Wanderfalkenpärchen, vermutlich sind es dieselben Tiere wie in St. Jakob, die „Wohnung“ am Dom angesehen und auch ein Ei gelegt. „Doch dann haben die Wanderfalken ihr eigenes Ei zerstört“, bedauert Maintz. Kurz darauf seien die Turmfalken eingezogen.

 Ein Blick in das „Wohnzimmer“ der Wanderfalkenfamilie an St. Jakob. Eines der Jungtiere guckt in die Kamera, das andere scheint zu schlafen (am unteren Bildrand). Die Webcam ist auf der Homepage der Pfarrgemeinde eingebunden.
Ein Blick in das „Wohnzimmer“ der Wanderfalkenfamilie an St. Jakob. Eines der Jungtiere guckt in die Kamera, das andere scheint zu schlafen (am unteren Bildrand). Die Webcam ist auf der Homepage der Pfarrgemeinde eingebunden. Foto: MHA/Gombert

Dass sich Turm- und Wanderfalken in Aachen so wohl fühlen, ist für Claus Mayr vom Nabu-Stadtverband Aachen keine Überraschung, dennoch ein Grund zur Freude. Denn vor Jahrzehnten sah das noch ganz anders aus. „Die Geschichte der Wanderfalken in Deutschland ist eine Erfolgsgeschichte“, sagt er im Gespräch mit unserer Redaktion. Mitte der 1960-er Jahre seien die Wanderfalken in Deutschland nahezu ausgerottet gewesen. „Wir haben damals vielleicht noch 50 Brutpaare bundesweit gezählt, heute sind es etwa 1000 in Deutschland“, sagt Mayr. Seine faszinierenden Eigenschaften sind dem Vogel beinahe zum Verhängnis geworden, erklärt der Naturschützer. Denn der Wanderfalke ist ein sogenannter Sturzflugjäger, dessen Beute ausschließlich andere Vögel sind, beispielsweise Tauben. „Bei der Jagd erreicht er Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 300 Stundenkilometern, das macht ihn zum schnellsten Vogel der Welt – und eben auch zu einem begehrten Jagdvogel.“

 Was für eine Aussicht vom heimischen Schlafzimmer: Im Westturm des Aachener Doms haben sich Turmfalken niedergelassen.
Was für eine Aussicht vom heimischen Schlafzimmer: Im Westturm des Aachener Doms haben sich Turmfalken niedergelassen. Foto: MHA/Gombert

Weniger selten und auch etwas „gemütlicher“ unterwegs in Deutschland ist der Turmfalke. Der unterscheidet sich auch durch sein Jagdverhalten – es stehen beispielsweise auch Mäuse auf dem Speiseplan – und die Gefiederfarbe vom Wanderfalken. Was beide Vogelarten aber verbindet, ist ihr urbaner Lebensraum: „Die Falken sind ursprünglich Felsenbrüter“, sagt Claus Mayr, doch sie fühlen sich eben auch in Höhlen an hohen Gebäuden, wie eben Kirchtürmen, sehr wohl. Und ihre Anwesenheit in Aachen habe selbstverständlich einen Einfluss auf die Stadtökologie. Will heißen: Wenn Wanderfalken in St. Jakob nisten, dann haben Tauben in der Umgebung kein leichtes Leben.

 Weniger selten, trotzdem ein gern gesehener Gast in Aachen: der Turmfalke.
Weniger selten, trotzdem ein gern gesehener Gast in Aachen: der Turmfalke. Foto: imago images/blickwinkel/McPHOTO/R. Mueller via www.imago-images.de

Theoretisch wäre es denkbar, in weiteren Kirchtürmen in der Stadt ähnliche Boxen wie an St. Jakob oder am Dom zu installieren. „Das wäre jedoch ein weiterer künstlicher Eingriff in die Natur. Und es wäre doch schöner, wenn die Vögel von ganz alleine wieder kommen, ohne die Hilfe des Menschen“, sagt Claus Mayr. Infrage kämen als natürliche Brutstätten vielleicht die alten Steinbrüche im Süden der Stadt. „Doch dahin hat sich bislang noch kein Wanderfalke verirrt, soweit wir wissen“, sagt Mayr.