Aachen: Die Zeiten der Hausfrauenehe sind schon lange vorbei

Aachen: Die Zeiten der Hausfrauenehe sind schon lange vorbei

„Da muss ich erst meinen Mann fragen!?“ — das war lange Zeit nicht nur eine Floskel, sondern eine juristische Tatsache. Heute dient der Satz als augenzwinkernder Titel einer Ausstellung zum Internationalen Frauentag — und weist darauf hin, dass der Kampf um die Gleichberechtigung der Frau immer noch aktuell ist.

Die Volkshochschule (VHS) Aachen hat die Wanderausstellung in Kooperation mit dem Gleichstellungsbüro der Stadt nach Aachen geholt.

Die Leiterin der VHS Aachen, Dr. Beate Blüggel, stellte fest: Frauen und Männer haben „theoretisch“ heute dieselben Rechte und Pflichten. Über einen langen Zeitraum aber mussten sich die Frauen ihre Rechte erkämpfen. „Inzwischen haben sie viel erreicht. Die Ausstellung zeigt auf, wie sich die Rechte der Frauen in ganz unterschiedlichen Lebens- und Arbeitsbereichen entwickelt haben und wie die Frauen diese Rechte heute wahrnehmen“, erklärte Blüggel bei der Vernissage im VHS-Forum.

Der Kampf um das Wahlrecht und wie Frauen heute entscheiden oder das Ehe- und Familienrecht sind interessante Teile der Schau, die ursprünglich vom Frauennetzwerk Memmingen konzipiert wurde und bislang durch rund 60 Stationen in Deutschland gewandert ist. Die Ausstellung skizziert die Entwicklung der Gleichberechtigung. Vielen jungen Frauen ist heute gar nicht mehr bekannt, dass Ehefrauen früher ohne die Zustimmung ihres Mannes gar keinen Arbeitsvertrag unterzeichnen durften.

Auch der Begriff der „Hausfrauenehe“ ist in Vergessenheit geraten. 1896 war das Eherecht verabschiedet worden, nachdem der Mann die oberste Entscheidungsbefugnis hatte. 1946 wurde dieses neu formuliert als Hausfrauen- oder Versorgerehe. 1957 folgte die Einführung der Zugewinngemeinschaft, 1969 die Gleichstellung nichtehelicher und ehelicher Kinder und erst 1977 die Abschaffung der Hausfrauenehe.

Den Bildungschancen, dem Arbeitsmarkt und den Erfolgen von Frauen im Sport sind weitere Schautafeln gewidmet. In Vertretung von Roswitha Damen, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Aachen, erläuterte ihre Mitarbeiterin Loni Finken aktuelle Aspekte der Gleichberechtigungsdebatte. „Die Idee der Gleichberechtigung hat sich langsam verändert, seitdem Artikel 3 des Grundgesetzes mit Leben gefüllt wurde. Aber noch immer gibt es die totale Gleichberechtigung nicht“, stellte Finken fest.

Mit dem Equal Pay Day würde heute auf die traurige Tatsache hingewiesen, dass Frauen rund 23 Prozent brutto weniger verdienen als ihre männlichen Kollegen in vergleichbaren Tätigkeiten.

Und auch die Frauenquote bei Führungskräften ist ein Armutszeugnis. „Frauen sind hier in Deutschland deutlich in der Minderheit, erreichen keine zweistellige Prozentzahl“, moniert Finken.

Kümmern um Geldsachen

„Leider kümmern sich auch viele Frauen zu wenig um ihre Geldangelegenheiten. Dies hat weitreichende Folgen für die finanzielle Absicherung der Zukunft“, betont Blüggel. Begleitend zur Ausstellung findet deshalb am Donnerstag, 19. März, von 20 bis 21.30 Uhr ein Workshop zum Thema „Kompetent in eigener Sache: Budget- und Finanzplanung für Frauen“ mit Referentin Elvira Hartmeier vom Beratungsdienst Geld und Haushalt statt.

Dabei geht es um wichtige Fragen der Risikoabsicherung, Altersvorsorge und Vermögensplanung. „Es ist wichtig so früh wie möglich in eigener Sache aktiv zu werden“, betont Blüggel.