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Online-Dialog: Die Zeichen am Aachen Büchel stehen auf Aufbruch

Online-Dialog : Die Zeichen am Aachen Büchel stehen auf Aufbruch

Mit einem Digital-Dialog hat die Stadt rund 200 Bürgerinnen und Bürger live über die Planungsvarianten für den Büchel informiert. Was hat die Aachener besonders interessiert?

Geht es nach Oberbürgermeisterin Sibylle Keupen, dann kann der Rasensamen für die Wiese schon bald geworfen werden. Im Mai soll die Zwischennutzung auf dem Weg zum neuen Büchel starten. „Dieses Projekt ist ein wichtiger Impuls für unsere Stadt. Wir schaffen hier einen einladenden Ort der Begegnung, des Feierns, des Miteinander-Redens. Und vor allem wollen wir dieses neue Stück Stadt gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern gestalten“, sprach die Oberbürgermeisterin im von der Stadt angebotenen Digital-Dialog zur Vorstellung der Planungsvarianten für das Büchel-Grundstück in die Kamera. Das in Corona-Zeiten eingeübte Verfahren, den in diesem Fall zweistündigen Austausch zur Sache im Internet, verfolgten am Freitagabend rund 200 Aachenerinnen und Aachener.

 Die Zwischennutzung soll den Zeitraum bis zum Baustart überbrücken, den Christoph Vogt, Geschäftsführer der verantwortlichen Stadtentwicklungsgesellschaft Sega, mit „drei Jahren plusminus“ bezeichnete. Ganz im Sinne des „Stadtmachens“, das Stadtbaurätin Frauke Burgdorff am Freitagabend demonstrativ in den Vordergrund stellte, sollen die Bürgerinnen und Bürger mitgestalten: „Wir haben dieses Stück Stadt zurückgekauft, haben das Parkhaus abreißen lassen, wir haben um die künftige Nutzung gerungen, die Politik hat sich für die ,Wiese’ entschieden, und jetzt haben wir drei Gestaltungsvarianten, über die wir debattieren.“

Hauptnutzung des Areals, das etwa der Fläche des Katschhofs entspricht, soll eine Grün- und Freifläche zur Erholung und zum Flanieren und Wohlfühlen werden. Gerahmt und gefasst von qualitätvoller Bebauung, so Burgdorff.

 Nachdem die Architekten Hanno Kreuder und Matthias Funk nun bereits eine Vorstellungstour ihrer drei Varianten – die geteilte Wiese, die Stufen-Wiese und die offene Wiese – in den politischen Gremien absolviert haben, gelingt es ihnen im Dialog, in 20 Minuten die Varianten zu beleuchten.

 Die Veranstaltung wurde live via Youtube ausgestrahlt und ist dort auch immer noch verfügbar.
Die Veranstaltung wurde live via Youtube ausgestrahlt und ist dort auch immer noch verfügbar. Foto: Andreas Steindl

Alle drei Pläne setzen auf die großzügige Freifläche in dann unterschiedlicher Gestaltung, alle Varianten sind in zwei Schritten gedacht: eine erste Umsetzungsphase auf den städtischen Grundstücken der Stadtentwicklungsgesellschaft, die sofort zur Verfügung stehen und auch zügig angegangen werden sollen. Und eine zweite Stufe, die private Flächen beinhaltet, deren Besitzer noch zum Mitmachen überzeugt werden sollen. 

 Die Debatte über die Varianten soll im zweiten Quartal 2022 in eine Zielvariante münden, um dann in der zweiten Jahreshälfte zu einem Rahmenplan zu kommen. „Wir haben dann die städtebauliche Planung so weit verdichtet, dass wir in die baurechtliche Planung einsteigen können“, sagte Vogt.

Bagger zerlegt Parkhaus Büchel in Aachen

 Die Aspekte, die die Bürgerinnen und Bürger in den Digital-Dialog einbrachten, drehten sich in erster Linie um Nachfragen: nach den Beteiligungsmöglichkeiten (Antwort: siehe www.buechel-aachen.de), nach Mobilitätskonzepten (Vorrang für Fuß- und Radverkehr), nach Barrierefreiheit und Aspekten der Biodiversität (werden berücksichtigt) oder auch nach den Gebäuden, die die Wiese säumen werden. Und nach der Kollision, wie es in Anfragen hieß, mit der Prostitution in der Antoniusstraße.

 Burgdorff unterstrich, dass die die Wiese säumenden Gebäude, die noch in Architektur und Nutzungsansatz entwickelt werden müssen, nicht von einem einzelnen architektonischen Leuchtturm dominiert werden sollen: „Es geht um ein Weiterbauen von Stadt, wir wollen keinen Leuchtturm, sondern eine Vielzahl von Lagerfeuern, an denen es gemütlich ist und die im Ensemble funktionieren“.

Über den Bebauungsplan 999A, der die Lage der Bordellbetriebe künftig in den östlichen Teil der Antoniusstraße begrenzt, informierte Fachbereichsleiterin Stadtentwicklung, Isabel Strehle. Die Offenlage läuft hier noch bis zum 4. Februar. An dem politisch beschlossenen Verbleib der Prostitution im Viertel wird nicht mehr gerüttelt, hieß es.

 Der Weg zum vollendeten Büchel-Projekt ist lang, die Richtung sei aber nun ganz klar vorgegeben, sagte Oberbürgermeisterin Keupen. Es gibt noch viele Schritte zu gehen, allein die bau- und sanierungsrechtlichen Fragen, so wurde im Digital-Dialog deutlich, sind noch eine besondere Herausforderung.

Aber der Zeitplan steht, sagt Vogt für die Sega: „Wir sind ehrgeizig, weiter schnell voranzukommen. Wir wollen in drei Jahren mit dem Hochbau, der die Wiese rahmen wird, starten. Dann folgt die Wiese, und schon heute sind wir in Gesprächen mit den Gründstücksbesitzern im Umfeld, um auch dort möglichst schnell in die Kooperation zu gehen.“

(red)