Kommentiert : Bloß nicht hysterisch werden!

Hysterie ist ein schlechter Ratgeber. Das drohende Dieselfahrverbot für die Aachener Innenstadt ist dafür ein denkbar dankbares Beispiel. Findet zumindest unser Redakteur Robert Esser.

Gerade in der ersten Woche des neuen Jahres 2019. Weil viele Halbwahrheiten kursieren, Fakten fehlerhaft ausgelegt werden und interessierte Kreise gezielt Ängste schüren, herrscht große Verunsicherung. Kommt das Dieselfahrverbot? Oder doch nicht? Ist die Luft in Aachen wirklich so schlecht?

Am schnellsten ist die letzte Frage beantwortet: Nein, die Luft in Aachen ist nicht schlecht. Aber die Feinstaubbelastung (darunter auch der Anteil von Stickoxiden aus Dieselmotoren) – so umstritten eine Gesundheitsgefährdung je nach Intensität und Abstand von der Feinstaubquelle auch ist – liegt an einzelnen Straßen oberhalb des EU-Grenzwerts von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter.

Was eigentlich undramatisch sein sollte. Denn nach jahrelangen Nullrunden laufen nun endlich verschiedenste Maßnahmen dank des endlich aktualisierten Luftreinhalteplans in der Stadt Aachen an. Dabei spielen Abgasfilter für Aseagbusse und die Elektrifizierung des Individualverkehrs maßgebliche Rollen. Dieser Luftreinhalteplan Aachen, sogenannte „Zweite Fortschreibung“, ist seit dem 1. Januar in Kraft. Er sieht ausdrücklich keinerlei Dieselfahrverbote vor. Warum? Weil Experten für das Jahr 2020 nur noch Grenzwertüberschreitungen von 1 bis 2 Mikrogramm selbst für Messstellen an Adalbertsteinweg, Wilhelmstraße und Roermonder Straße prognostizieren.

Dass hier ein Dieselfahrverbot unverhältnismäßig wäre, liegt auf der Hand. Wenn man der Argumentation im Luftreinhalteplan folgt. Die entscheidende Frage ist nun: Sehen dies auch die Richter im Berufungsverfahren vor dem Oberverwaltungsgericht Münster so? Das Urteil wird im ersten Halbjahr dieses Jahres erwartet. Zu erwarten ist zudem, dass die Richter auch die womöglich zu nahe Positionierung der Messstellen an diversen Straßen in ihre Einschätzung miteinbeziehen. Dies wäre im Sinne der Dieselfahrer noch eine zusätzliche Stickoxid-Entlastung.

Umweltverbände werden trotzdem widersprechen. Vielen Aktivisten sind der Rechtsstreit und Dieselfahrverbote nur allzu willkommen, um ungeliebte Autos aus den Städten zu drängen. Hier geht es mehr um Ideologie als um Umweltschutz oder Luftreinhaltung. Koste es, was es wolle. Etwas mehr Gelassenheit stünde hier allen Seiten gut zu Gesicht. Mal abgesehen von der Aseag: Die muss bei der Umrüstung ihrer Flotte Gas geben!

Apropos Transport: Die Reichskrone fehlt im Krönungssaal. Noch. Das Ausstellungsjuwel kehrt – nach entsprechenden Recherchen unserer Zeitung – am Dienstag endlich zurück ins Rathaus. Mit fast zehn Wochen Verspätung. Was nichts ist angesichts etlicher langer Versäumnisse, die zur Dieselmisere geführt haben. Genießen Sie das Wochenende!

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