Die Woche in Aachen zum Thema Büchel

Die Woche in Aachen : Die Büchel-Frage oder: Ein bisschen Zank darf’s sein

Sie hatten noch leichte Zweifel? Spätestens seit dieser Woche sind wir sicher: Der Wahlkampf hat begonnen. Wer hat ab Herbst 2020 das Sagen im Rathaus? Wer führt Rat und Verwaltung an?

Gut eineinhalb Jahre Vorlauf geben sich die Parteien, bevor die neue Farbenlehre feststeht. Viel Zeit, sich zu positionieren, Partner ins Boot zu holen, sich gegen den politischen Gegner zu positionieren.

Wobei: Wer ist eigentlich politischer Gegner? Im Rathaus hat seit der letzten Wahl eine schwarz-rote Mehrheit das Sagen. Eine Konstellation wie im Bund. Man regiert zusammen, ist aber nicht einer Meinung und kann sich eigentlich gar nicht leiden. Und man ist sich der Tatsache bewusst, dass die Koalition als Ganzes die Einzelteile beschädigt. Die CDU vielleicht weniger, aber die SPD muss mehr denn je strampeln. Auch in Aachen. Dass man sich da zum Beispiel in Sachen Oberbürgermeisterkandidat neue Freunde sucht, liegt fast auf der Hand. Ein „starker“ Kandidat oder eine Kandidatin gegen Marcel Philipp soll her, um die schwarze Regentschaft im OB-Büro zu einem abgeschlossenen Kapitel in den Aachener Geschichtsbüchern werden zu lassen.

Betont cool reagierten die Christdemokraten auf die Aktivitäten der SPD in Sachen OB-Kandidat. Wenn sich andere so abstrampeln müssten, sei das doch ein ausgesprochenes Lob für Marcel Philipp, lautet die Interpretation. So mag man es sehen. Man kann es aber auch eher mathematisch denn bewundernd interpretieren. Eine einzelne Partei ist in Aachen zu schwach, um satte Mehrheiten zu generieren, da hilft nur der Schulterschluss mit anderen.

Weniger cool reagierte die SPD am Freitag auf den für die Genossen allzu forschen Harald Baal. Was der CDU-Fraktionsvorsitzende in Sachen Büchel-Entwicklung quasi als der Weisheit letzter Schluss verkündete – die Umsiedlung von VHS und Stadtbibliothek zum Büchel – ist nach Ansicht der SPD nur eine Idee von vielen. Baals Aufschlag sei schlechter Stil und eine Störung des Vertrauens. Rumms! Das saß. Natürlich belaste weder rote OB-Offensive noch der schwarze Büchelaufschlag die Arbeit der Koalition, sind die zankenden Liebenden bemüht zu versichern. Klar doch, warum auch ...

Was zeigt (auch) dieses Geplänkel? Dass es den Menschen, die das Sagen im Rathaus haben, an Ernsthaftigkeit fehlt, wirklich um der Sache wegen zu agieren. Das eigene Scherflein ins Trockene zu bringen und auf ein paar Prozentpunkte Wählerliebe zu schielen, ist wichtiger. Wann endlich begreifen die Damen und Herren, dass die Menschen nicht an politischer Spiegelfechterei, sondern an Fakten interessiert sind, an Konzepten, wie es in Aachen weitergehen soll?

Häufig hat man sich gefragt, was die Stadt selber tun kann, um die Entwicklung in der Innenstadt zu forcieren, um gegen Leerstände vorzugehen. Die jetzt beschlossene Gründung einer Stadtentwicklungsgesellschaft ist sicher der einzig richtige Weg. Aber es gibt auch kleine Stellschrauben, an denen gedreht werden kann. Das Baugesetzbuch liefert unter bestimmten Bedingungen die Handhabe, Hausbesitzer dazu zu bringen, ihren Immobilien Leben einzuhauchen. Doch dazu, so hieß es diese Woche, fehlt es an Personal. Noch. Vielleicht wendet sich auch hier etwas zum Besseren.

In diesem Sinne: schönes Wochenende!

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