Die Woche Aachen oder: Was schrieb Schlagzeilen?

Der Rückblick : Wenn der Nachbar bellt...

Kennen Sie die häufigsten Gründe, warum sich Nachbarn in die Wolle kriegen? Wenn nicht, gibt es zwei Möglichkeiten. Sie fragen nebenan einmal nach, oder Sie werfen die Netz-Suchmaschine an.

Die weist aus: „Lärm“, „Grillgerüche“, „Äste und Sträucher“, „im Weg stehende Autos und Mülltonnen“ sowie „Hundgebell“ werden als die fünf häufigsten Anlässe aufgeführt, mit den Mitmenschen links und rechts oder gegenüber zu streiten. Wiehern ist dort nicht aufgeführt. Daher kann man den Zwist, der im Aachener Süden ausgebrochen ist, durchaus einen Sonderfall nennen. Es geht um Pferde im Allgemeinen und um Rechthaben im Speziellen. Dürfen Ponys durch den Nellessenpark zotteln? Dürfen Reiter über das Areal des Forsthauses Schönthal traben? Wer bisher gedacht hat, dass ausschließlich das Glück auf dem Rücken der Pferde liegt, ist seit dieser Woche auf jeden Fall um eine Erfahrung reicher. Pferde können auch Grund für jede Menge Ärger sein. Oder allgemein ausgedrückt: Jeder macht sich das Leben so schwer, wie es ihm passt. Dann schon lieber grillen oder sein Auto mit Ästen und Sträuchern vor die Einfahrt des Nachbarn setzen...

Man kann im Leben auch Ärger haben, ohne dass man geärgert wird. Auch das ist eine Erfahrung dieser Woche. Ferdinand Corsten kann davon ein Lied singen. Also im übertragenen Sinne. Der Ratsherr hat sich geärgert, weil sich unter anderem ein Dezernent erdreistet hat, vor einer Ausschusssitzung mit einem Journalisten zu sprechen. Wohlgemerkt über ein völlig harmloses und vor allem öffentliches Thema. Da könne man es sich ja sparen, an der Sitzung und der politischen Beratung teilzunehmen, wenn vorher schon alles in der Welt und besprochen sei, hat sich der wackere CDU-Mann entrüstet. Ja, Herr Corsten, das Gefühl soll auch den ein oder anderen Journalisten schon beschlichen haben: Dass man es sich sparen kann, an solchen Sitzungen teilzunehmen. Allerdings aus einen anderen Grund. Zum Beispiel, wenn man dort derartigen Unsinn hört. Wer ein solches Verständnis von Öffentlichkeit hat, sollte vielleicht lieber zum Ponyreiten gehen. Oder mit dem Nachbarn grillen – und dabei bellen.

In gut einer Woche steht die Europawahl an. Der Trend, bereits vorher sein Kreuz zu machen, ist ungebrochen. Mitte dieser Woche hatten bereits knapp 32.000 Menschen ihr Votum abgegeben. Ob das Rückschlüsse auf die Wahlbeteiligung zulässt? Schwierig. Die Wahlbeteiligung lag bei der letzten Europawahl in Aachen bei gut 55 Prozent. Ziemlich ärmlich. Da können sich die Damen und Herren Kandidaten noch so ins Zeug legen, es ist ein schwieriges Geschäft. Davon kann – nur so als Beispiel – die „Vierte Internationale“ ein garstig Lied singen. Elf Öcher (von 180.005 Wahlberechtigten) machten bei ihr vor fünf Jahren das Kreuz, um diese Partei ins EU-Parlament zu katapultieren. Ob sich das steigern lässt? 22 Wähler wären ja schon 100 Prozent, das schafft sonst keiner!

Die Woche in Aachen: Da kündigt die Stadt an, mehr gegen aggressive Bettler in der Innenstadt unternehmen zu wollen. Die Beschwerden häufen sich, viele Menschen fühlen sich extrem belästigt – und verängstigt. Das muss man ernst nehmen! Was bleibt noch von dieser Woche? Was war für eine Schlagzeile gut? „Investor will mit Bluegate durchstarten“, hieß es. Die nächste Ankündigung, dass sich am Bahnhof etwas tut. Zumindest rollte bereits ein Bagger an. Das lässt hoffen.

Lassen Sie sich am Wochenende nicht ärgern: zum Beispiel von bellenden Nachbarn, die ihre Autos vor Ihrer Einfahrt grillen. Sonst könnten Sie direkt in die Politik wechseln. Was – wie wir wissen – auch nicht immer lustig ist. In diesem Sinne!

a.peltzer@zeitungsverlag-aachen.de

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